Auf ein Wort

Von Pastor Karl-Martin Harms

Virologen haben seit Monaten vor der vierten Welle der Pandemie gewarnt. Keiner wollte die Kassandrarufe hören. Ich auch nicht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass zum zweiten Mal in Folge Weihnachtsgottesdienste und Familienfeiern in Frage stehen könnten. Gefahren auszublenden ist eine Fähigkeit, aber manchmal eben auch ein Verhängnis. Ich ärgere mich über die Menschen, die rücksichtslos und egoistisch auf ihren Freiheitsrechten pochen, denen erneute Einschränkungen für Geimpfte egal sind. Ich ärgere mich und bin ratlos. Wie lange noch soll das so weitergehen? Müssen wir jetzt jedes Jahr im Spätherbst in den Krisenmodus schalten?
Menschen fragen seit alters her: wie lange noch? Diese Frage wird auch in der Bibel häufig thematisiert. In vielen Psalmen stellt sich der Betende vor Gott mit dieser Frage. Wie lange noch? Herr, wie lange noch willst du mich so ganz vergessen, heißt es in Psalm 13. Aber die Psalmen lehren noch mehr. Sie zeigen, dass sich das subjektive Gefühl der Aussichtslosigkeit in dem Moment verändert, in dem das Leid ausgesprochen wird. Gott hört, so ist die Erfahrung. Gott hört zu und trägt mit. Im Gespräch mit Gott wird die Last leichter.
Wie lange noch geht das mit der Pandemie so weiter? Eine endgültige Antwort hat niemand. Das Virus mutiert ständig und immer noch lassen sich viel zu wenig Menschen impfen. Die Mutationen können wir nicht verhindern. Die Impfquote steigern können wir indes schon. Falls Sie noch nicht geimpft sind, jetzt ist es höchste Zeit. Das Virus wird nicht mehr verschwinden. Wir müssen mit dem Virus und immer wieder neuen Infektionswellen leben. Aber mit einer hohen Impfquote können wir das Virus einigermaßen in Schach halten und Mutationen erschweren.
Wie lange noch, Herr? Psalm 13 variiert diese Frage mehrmals. Zum Schluss heißt es: Ich traue darauf, dass du gnädig bist; mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, dass er so wohl an mir tut. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Dies erlebt der Verfasser im Gespräch mit Gott. Diese Erfahrung wünsche ich auch Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser.
Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit.
Pastor Karl-Martin Harms