Faszinierendes und doch pflegeleichtes Kleinod

Mit Fotos haben Anja und Oliver Löbbecke den Werdegang ihres Gartens in der Kuhstraße dokumentiert

Bissendorf (awi). Die offenen Gärten in der Region sind schon lange ein Selbstläufer. Die Presseveröffentlichungen sorgen lediglich dafür, dass die Gartenfans wissen, wo sie an welchem Wochenende hin müssen, um zu staunen und sich Anregungen für die eigene grüne Oase zu holen. Und so empfingen auch Anja und Oliver Löbbecke auf ihrem Grundstück an der Kuhstraße 17a am Sonntag eine Besuchergruppe nach der anderen und ernteten ausnahmslos Lob und Begeisterung für diesen sehr individuellen Garten auf schwierigem Terrain. Auf einem 500 Quadratmeter kleinen, drei-
eckigen Grundstückskeil zwischen zwei Straßen in leichter Hanglage haben sie um ihr ortstypisches Fachwerkhaus durch Terrassierung und vielfältigen Material-Mix mit bewusst rostendem Corten-Stahl ihren Garten in drei Bereichen gestaltet: Ein sommerlicher Präriegarten, ein formaler Bauerngarten sowie ein schattiger Rhododendrongarten unter zwei alten Eichen bieten Abwechslung auf wenig Raum. Vergeblich sucht der Besucher den Rasen, der vor zweieinhalb Jahren, als das Paar das Grundstück übernahm, noch dominierend war. „Ich glaube, es war gerade der Garten, warum keiner das Haus wollte“, meint Anja Löbbecke. Doch für die Gartendesignerin, die Landschaftsarchitektur studiert und auch ihren Doktortitel gemacht hat, war genau dieser Garten die passende Herausforderung, erläutert sie ihren Besuchern Mechthild Klein und Christian Vollmer. Als dieser sich quasi als Kollege, nämlich als Landschaftsgärtner aus Hannover entpuppt, ist dem Fachsimpeln Tor und Tür geöffnet. Warum ihr allerdings die Hortensien eingegangen sind, konnte ihr auch der Kollege vom Fach nicht beantworten. Gut an kam bei den Besuchern die Idee, die einzelnen Bereiche mit Corten-Stahl abzugrenzen, wetterfester Baustahl, auf dessen Oberfläche sich durch Bewitterung unter der eigentlichen Rostschicht eine besonders dichte Sperrschicht aus festhaftenden Sulfaten oder Phosphasten bildet, die den Stahl dann vor weiterer Korrosion schützt, so dass er nicht durchros-
tet. Die zweite grandiose Idee Anja Löbbeckes ist der robuste Präriegarten. Die Sonne kann so wie in den letzten Tagen ruhig auf die Pflanzen „knallen“, Acantus, Taglilien und diverse Distelarten können das ab und müssen nicht jeden Tag gewässert werden, um schön auszusehen. Im benachbarten Gemüsegarten harmonieren Mangold, Erbsen, Bohnen und Rotkohl nebeneinander. Dies ist der Bereich, der Anja Löbbecke momentan am meisten Arbeit macht. „Gemüse will gekümmert werden“, weiß die Fachfrau, die auch hier allerdings kaum mit Unkraut zu kämppfen hat. Die Mauer aus Feldsteinen schützt den Gemüsegarten in seiner Hanglage vor dem Abrutschen. Die Steine haben Anja und Oliver Löbbecke aus dem Garten zusammengesucht, per Hand recycelt und dann in die Mauer eingebaut. Wie der Garten vorher aussah, davon können sich die Besucher anhand alter Fotos ein Bild machen und wissen so die Kreativität und den Fleiß der Gartenbesitzer noch besser zu schätzen.