Klagemauer im Turmraum

Bissendorf. Gerade haben Menschen viel auszuhalten. Die Corona-Krise belastet Beziehungen, Zukunftspläne, Freundschaften. Zwischen Öffnung und Vorsicht ist eine große Unsicherheit zu spüren, auch der Ton in der Auseinandersetzung um den richtigen Weg ist rauer geworden. Für Juden und Christen gehört es dazu, Gott auch die Dinge zu klagen, die das Leben belasten. Die Psalmen der Bibel sind voll davon, dass Menschen auch zum Ausdruck bringen, wie verzweifelt, wütend, ängstlich oder traurig sie gerade sind. Dies geschieht in dem Vertrauen, dass Gott Anteil nimmt an dem, was die Menschen beschäftigt. Und der ganz großen Hoffnung, dass Gott diese Klage verwandeln wird. Im Turmraum der Michaeliskirche in Bissendorf ist in den letzten Tagen eine „Klagemauer“ entstanden. Kirchenvorstehe und Gemeindeglieder, die in anderen Zeiten regelmäßig zum Gebet zusammengekommen sind, haben eine Ort geschaffen, an den die Klagen gebracht werden können. Dort ist Raum, die eigenen Gedanken niederzuschreiben oder aufgeschrieben mitzubringen und in die Mauerritzen der „Klagemauer“ zu stecken. Es geht darum, das Schwere auch ablegen zu können. Die abgelegten Klagen werden dort regelmäßig gesammelt und sicher verwahrt. „Wir sind sicher, dass es gut tut, loszulassen“, beschreiben Pastor Thorsten Buck, Gerlinde Haug, Katrin Möhlecke, Sandra Heidrich und Christoph Biester, die die Steine gemeinsam aufgebaut haben. „Zu Ostern werden wir alle diese Klagen bei Sonnenaufgang im Osterfeuer verbrennen. Als Zeichen, wie sehr wir uns neue Hoffnung und neues Leben wünschen.“ Der Turmraum der Michaeliskirche in Bissendorf ist jeden Tag bis etwa 18 Uhr geöffnet.