100. Geburtstag in Elze gefeiert

Emma Bulitz erlebt ihren einhundertsten Geburtstag in ihrer Wohnung im Haus des Sohnes Karl Heinz und Schwiegertochter Renate in Elze. Foto: B. Stache

Emma Bulitz erinnert sich: „Mein Leben war so bunt wie ein Blumenstrauß“

Elze (st). Emma Bulitz erinnert sich: „Mein Leben war so bunt wie ein Blumenstrauß.“ Blumen und viele Glückwünsche gab es für die Jubilarin an ihrem gestrigen, 100. Geburtstag zuhauf. Gefeiert wurde im großen Kreis ihrer Familie im Gasthaus Goltermann in Elze – mit ihren drei Kindern, sechs Enkelkindern und drei Urenkeln. Unter den offiziellen Gratulanten waren der stellvertretende Regionspräsident Michael Dette, Bürgermeister Helge Zychlinski, Ortsbürgermeister Jürgen Benk, Pastor Maik Schwarz und Margarete Keiser vom Besuchsdienstkreis der evangelischen Kirchengemeinde Elze-Bennemühlen. Gerade einmal vier Wochen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Emma in Kobylka, Kreis Lublin, geboren. Dort besuchte das evangelische Kind die polnische Schule. „Für mich waren alle Menschen gleich“, erklärt die heute Hundertjährige. Emma hatte zwei jüngere Schwestern und drei Brüder, von denen zwei älter waren. Sie hat alle ihre Geschwister überlebt. Emmas Mutter verstarb 1927 bei der Geburt der jüngsten Tochter, ihr Vater heiratete wieder. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war Emma 20 Jahre alt. „Ich habe gern geschneidert und damit Geld verdient. Im Dorf wurde ich ´Die Schneiderin` genannt.“ 1939 heiratete sie Julius Bulitz in Cycow, Kreis Cholm. Emma Bulitz brachte 1941 Tochter Berutha und 1944 Sohn Dieter zur Welt. Ihr Mann wurde zur Wehrmacht eingezogen und geriet in Gefangenschaft. „Meine beiden Kinder und ich mussten Polen im Winter 1944 verlassen. Die Flucht im Treck war sehr schwer. Ich hatte vor allem Angst, dass mein neugeborener Sohn versterben könnte“, erinnert sich Emma Bulitz. Alle drei kamen schließlich in einem Flüchtlingslager bei Hamburg unter. Nach seiner Entlassung fand auch Julius Bulitz wieder zu seiner Familie. Als Schmiedemeister arbeitete er lange Jahre im Reparaturbereich auf Zechen in Nordrhein-Westfalen. 1952 wurde Sohn Karl Heinz geboren. Die Familie wohnte einige Jahre in Wanne-Eickel und hatte dort – ganz zur Freude der Mutter – einen Schrebergarten. 1972 zog die Familie nach Hannover, ein Jahr später folgte der Umzug in das eigene Haus in Mellendorf. Emma Bulitz kümmerte sich um die Kinder, Ehemann Julius arbeitete in Hamburg und kam nur an den Wochenenden nach Hause. Er verstarb im September 2002. „2016 zog meine Schwiegermutter zu uns nach Elze. Sie ist immer noch an der Politik interessiert und hört viel Radio“, erklärt Schwiegertochter Renate Bulitz. Sie ist mit dem jüngsten Sohn von Emma Bulitz, Karl Heinz, verheiratet. Nach ihren Glücksmomenten im Leben gefragt, antwortet die Hundertjährige: „Ein Dach über dem Kopf zu haben.“ Neben der Gartenarbeit hat Emma Bulitz auch gerne gestickt und beim Frauentreff der evangelischen Kirchengemeinde Mellendorf mitgesungen. „Das war schön, da habe ich mich sehr wohl gefühlt.“ Ihr Sohn Karl Heinz beschreibt seine Mutter als eine sehr hartnäckige Person, die alles daran setzte, dass ihre Kinder im gesellschaftlichen Leben bestehen können, formuliert es Karl Heinz Bulitz. „Die Erkenntnis, dass ihre Hartnäckigkeit zum Erfolg führte, kam bei mir später“, gesteht er heute. Mit Blick nach vorne erklärt seine hundertjährige Mutter: „Mein größter Wunsch ist es, einmal friedlich einzuschlafen.“