1.000 Euro für die Fledermäuse

Katrin Franke (von links), Chefin bei Ikea in Großburgwedel überreichte den Spendenscheck an Ingrid Wilhelms und Irene Jacks-Sterrenberg vom Nabu Wedemark im Beisein von Dorothee Zirkel, bei Ikea in Großburgwedel für das lokale Marketing zuständig. Foto: A. Wiese

Ikea unterstützt den Nabu Wedemark großzügig bei seinem Engagement

Wedemark/Großburgwedel (awi). „Nachhaltigkeit und gute Nachbarschaft stehen bei uns im Fokus“, sagt Katrin Franke, Chefin bei Ikea in Großburgwedel. Da Ikea in der Corona-Pandemie seinen 45. Geburtstag – am 19. Februar 1976 eröffente das schwedische Möbelhaus seinen dritten Standort in Deutschland in Großburgwedel – nicht mit seinen Mitarbeitern und Kunden feiern konnte, gab es neben einem Geschenk eine kleine Geburtstagsaktion für die Kollegen. Die 245 Mitarbeiter konnten Postkarten mit Grüßen des Einrichtungshauses an Freunde versenden. Ikea zahlte das Porto und spendete pro versendeter Karte zwei Euro an den Nabu Wedemark, denn Ikea Deutschland arbeitet seit 2011 mit dem Nabu bei nachhaltiger Standortplanung und Ressourenschonung zusammen.
Ingrid Wilhelms und Irene Jacks-Sterrenberg vom Nabu Wedemark wissen schon genau, wofür sie die großzügige Spende verwenden möchten: für den Fledermausschutz, das ganz besondere Anliegen gerade auch von Jacks-Sterrenberg, genauer gesagt für Winterquartiere. Fledermäuse gehören zu den Säugetieren, innerhalb derer sie als einzige Gruppe zu echtem Flug fähig sind, berichtete Jacks-Sterrenberg bei der Scheckübergabe ihren interessierten Zuhörerinnen. Als nachtaktive Tiere jagen sie in Wäldern, über Offenland, Wiesen und Gewässern sowie auch in Siedlungen und Gärten ausschließlich nach Insekten, Spinnentieren und Hundertfüßern. Vom Frühjahr bis zum Herbst bewohnen sie tagsüber Quartiere auf Dachböden und in unterschied-lichen Spalten und Höhlungen an und in Gebäuden und Bäumen. Dabei finden sich die Weibchen zur Jungenaufzucht in bis zu über tausend Tiere starken Kolonien, den Wochenstuben, zusammen. Die Männchen sind in kleineren Gruppen oder allein anzutreffen. Im Herbst finden sie sich in Übergangs-, Paarungs- und Schwärmquartieren zusammen. Die nahrungsarmen Wintermonaten von Oktober bis März überbrücken Fledermäuse im Winterschlaf in geschützten Winterquartieren.
Sie nutzen dazu Höhlen, Felsspalten, unterirdische Stollen, Bunker, Erdkeller und auch frostfreie Spalten in und an Gebäuden, wobei sie artspezifische Temperaturpräferenzen aufweisen. Einige Arten suchen Spechthöhlen in Baumstämmen auf. Zwischen den Sommer- und Winterquartieren legen die verschiedenen Fledermausarten unterschiedlich weite Wanderungsdistanzen zurück: von nahezu am gleichen Ort bleibend, über mittellange Strecken zwischen 50 und einigen 100 Kilometern, bis hin zum Ziehen in über 1.000 Kilometer entfernt liegende Quartiere. Im Jahreszyklus der Fledermäuse sind sichere Quartiere für Jungenaufzucht und Winterschlaf von zentraler Bedeutung. Für die Winterquartiere gelten als essentielle Bedingungen konstant niedrige Temperaturen von null bis acht Grad Celsius, dabei unbedingt frostfrei, eine hohe Luftfeuchtigkeit von 80 bis 100 Prozent sowie der Schutz der Fledermäuse vor Prädatoren und Störungen. Fledermäuse sind standorttreu. Sie nutzen ein einmal als geeignet befundenes Quartier über viele Jahre bis Jahrzehnte. Alle in Deutschland heimischen 25 Fledermausarten gelten nach dem Bundesnaturschutzgesetz als ‚besonders‘ und ‚streng geschützte‘ Arten. In Niedersachsen kom-men 18 Arten vor, für die Region Hannover sind 15 Arten beschrieben. Dennoch verlieren alle heimischen Fledermäus zunehmend ihre Lebensgrundlagen, berichtete Jacks-Sterrenberg. Gefährdet seien die Tiere durch die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft, Lebensraumzerschneidung durch Straßenbau, Tourismus und andere Faktoren.
Ein entscheidender Aspekt sei auch der Quartierverlust infolge Gebäudesanierung oder -abriss. In der hiesigen Region sind natürliche Winterquartiere in Form von Höhlen oder Felsspalten kaum vorhanden. Als Kulturfolger suchen die Fledermäuse vom Menschen geschaffene unterirdische, kühle Gebäudeteile wie Erd- und Eiskeller, bunkerähnliche Anlagen und Ähnliches zum Überwintern auf. Doch auch diese schwinden zusehends, so dass die Errichtung künstlicher Winterquartiere drin-gend erforderlich ist, um für die ortstreuen Fledermausarten wie Braunes Langohr, Wasserfledermaus und Große/Kleine Bartfledermaus die Wanderstrecke zu verkürzen. Wo die Quartiere entstehen verrät der Nabu aber bewusst nicht, damit die Tiere ungestört bleiben können.