1.000 Euro von den Lions für DGFG

Gemeinsames Engagement im Kampf gegen vermeidbare Blindheit: Karsten Weste (links), Präsident des Lions Club Wedemark, überreicht mit Freude den Spendenscheck an Martin Börgel von der DGFG. Foto: DGFG

Noch immer wissen zu wenige Menschen etwas über Gewebespenden

Wedemark. Mit einer Spende über 1.000 Euro unterstützt der Lions Club Wedemark die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG). Die Spende kommt der Aufklärungsarbeit der gemeinnützigen Organisation zugute: Noch immer wissen zu wenig Menschen in Deutschland über die Möglichkeiten der Gewebespende.  Hornhautspenden retten Augenlicht. Die Bemühungen der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) im Kampf gegen vermeidbare Blindheit unterstützt der Lions Club Wedemark erneut mit einer Spende. Was ist die Gewebespende? Mit dieser Frage setzen sich Menschen häufig erstmals nach Versterben eines Angehörigen auseinander. „Viele hören zum ersten Mal von der Gewebespende, wenn sie im Todesfall eines geliebten Menschen von unseren Koordinatoen kontaktiert werden“, erklärt Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Dabei betrifft die Antwort uns alle: Wurde der Wille zu Lebzeiten nicht dokumentiert und auch nicht in der Familie thematisiert, werden Angehörige mit der Entscheidung für oder gegen die Gewebespende allein gelassen. Dabei kann dieser altruistische Akt Trost in der Trauer spenden.
„Wir sehen das unermüdliche Engagement der DGFG und verstehen die Gewebespende als Gemeinschaftsaufgabe. Deshalb haben wir, vor dem Hintergrund dieses schwierigen Jahres, die DGFG mit einer Spende bedacht“, so Karsten Weste, Präsident des Lions Club Wedemark. Die Spende in Höhe von 1.000 Euro wurde am Montag, den 15. März 2021 am Hauptsitz der DGFG in Hannover unter Einhaltung eines Hygiene-Konzepts übergeben.
Um die Gesellschaft weiterhin für die wichtige Thematik zu sensibilisieren, setzt sich die DGFG in vielfältigen Projekten zur Aufklärungsarbeit ein. Zeigte die gemeinnützige Gesellschaft bislang Präsenz bei Veranstaltungen wie dem Hannover Marathon oder der Ideen Expo, bremst die Corona-Pandemie nach wie vor die persönliche Aufklärung aus.
Im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten strengt die DGFG dennoch die Aufklärung der breiten Öffentlichkeit an. So zog im vergangenen Jahr eine informative und zugleich bildstarke Posterausstellung in die Warte- und Besucherbereiche diverser Kliniken ein. Gewebespende erleben ist in Kooperation mit dem Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Hochschule Hannover (HsH) entstanden. Die Arbeiten sollen möglichst auch in Bildungs- und Kultureinrichtungen zugänglich gemacht werden.
Hannover ist für die Versorgung von Patient:innen in ganz Deutschland mit Gewebetransplantaten zentral: Am Hauptsitz der Organisation im Medical Park neben der Medizinischen Hochschule Hannover wird der Großteil aller Gewebespenden und -transplantationen in Deutschland koordiniert. „Hier läuft alles zusammen. Alle großen Klinikverbünde und Krankenhäuser in Hannover und Region engagieren sich in der Gewebespende. Natürlich ist uns da besonders wichtig, dass die Hannoveraner:innen die Gewebespende kennen!“, so Martin Börgel.
Finanziert werden Maßnahmen wie diese aus Spendengeldern. Mittel aus Fundraising-Aktionen werden benötigt, da die Erstattungssätze der zur Transplantation vermittelten Gewebetransplantate ausschließlich die angefallenen Kosten für die Gewebespende in den Krankenhäusern, die Verarbeitung zum Transplantat in den Gewebebanken sowie den Aufwand der Vermittlung decken. Für Forschungsprojekte zur Transplantatverbesserung oder die Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit bleiben nur geringe Mittel übrig.
Beispielsweise wurden in den vergangenen Jahren kurze Aufklärungsfilme zur Spende und Verpflanzung von Augenhornhaut, Knochen-Knorpel-Gewebe sowie Herzklappen veröffentlicht. In den Filmen berichten Transplantatempfänger:innen, Koordinator:innen sowie Ärzte von ihren Erfahrungen. Die Filme können auf Youtube angesehen werden.
Die Spende von Geweben ermöglicht jährlich tausenden Patientinnen und Patienten die Versorgung mit Gewebetransplantaten und verhilft zu mehr Mobilität und Lebensqualität. Dank Spenderhornhaut eröffnen sich für die 27-jährige Kristina K. nach einem schmerzhaften Keratokonus (Vorwölbung der Augenhornhaut) neue berufliche Perspektiven. Die Behandlung mit Amnion, welches im Rahmen einer geplanten Kaiserschnittgeburt aus der Plazenta gewonnen wird, bringt eine nicht-heilende Wunde eines Patienten nach zwei Jahren Odyssee fast zur Schließung. Signe L.-S., mit einem Herzfehler geboren, ersparte die Transplantation einer zellfreien Spenderherzklappe weitere, lebensbedrohliche Operationen sowie eine lebenslange, blutverdünnende Medikation. Schließlich konnte sie sich sogar ihren Kinderwunsch erfüllen – undenkbar für Frauen mit einer künstlichen oder tierischen Herzklappe.
Notwendige Voraussetzung für die Möglichkeiten der Gewebemedizin ist die Spende: Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben Augenhornhäuten, Herzklappen und Blutgefäßen auch Knochen, Sehnen, Bänder und Haut. Aus der Lebend-Gewebespende kommt die Amnionmembran. 2.816 Menschen haben im vergangenen Jahr Gewebe gespendet. So konnten 6.268 Gewebetransplantate (Stand: 28.12.20) Menschen zeitnah und sicher versorgen.
Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen wird. Gesellschafter sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit der Unterstützung durch die Netzwerkpartner und ihrer Unabhängigkeit von privaten oder kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.
Die DGFG fördert seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf der Basis des Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen.
Um möglichst vielen Menschen in Deutschland bei dem Erhalt der Sehkraft helfen zu können, fördert und unterstützt das Hilfswerk der Deutschen Lions (HDL) den Aufbau und die Arbeit von Augenhornhautbanken. Auch die Hornhautbanken an den Universitätskliniken in Heidelberg und Würzburg – zwei von 13 Gewebebanken im Netzwerk der DGFG – werden von deutschen Lions Clubs gefördert.
Der Lions Club Wedemark fördert seit dem Jahr 2000 die soziale und kulturelle Entwicklung der Gesellschaft insbesondere in der Gemeinde Wedemark. Darüber hinaus gilt die Unterstützung des Lions Club Wedemark verschiedenen überregionalen und internationalen Hilfsprojekten.