13. Literaturfest der VGH-Stiftung

Auf dem Podium: Moderatorin Margarete von Schwarzkopf (von rechts), Jörgen Hemme, Norbert Sachser und Monika Maron. Foto: B. Stache
 
Zirka 100 Gäste hören den Gesprächen auf dem Podium über „Tierische Gefährten“ interessiert zu. Foto: B. Stache

Auf dem Hof Hemme dreht sich beim Podiumsgespräch alles um „Tierische Gefährten“

Sprockhof (st). „Das Literaturfest führen wir in diesem Jahr zum 13. Mal durch“, erklärte Frank Roemer, Regionaldirektor der VGH Versicherungen, im Beisein von Sabine Schormann, Direktorin der im Jahr 2000 gegründeten VGH-Stiftung. Das Literaturfest Niedersachsen ist ein von der Stiftung ausgerichtetes Literaturfestival, das jährlich im September stattfindet. Die zirka 30 Veranstaltungen des Festivals finden überwiegend in den ländlichen Regionen Niedersachsens und Bremens statt und werden in Kooperation mit den VGH Regionaldirektionen und weiteren Partnern vor Ort wie Bibliotheken, Literaturbüros und Kulturämtern durchgeführt. Das Literaturfest Niedersachsen versteht sich als ein Themenfestival, das sich in diesem Jahr dem Thema „Beziehungen“ widmet. Die VGH-Veranstaltung am Mittwochabend auf dem Hemme-Hof in Sprockhof stand daher unter dem Motto „Tierische Gefährten“. In einem Podiumsgespräch mit integrierter Lesung wurden die besonderen, vielschichtigen Beziehungen zwischen Mensch und Tier beleuchtet. Eine Stunde vor Beginn der Gesprächsrunde war auch Hausherr Jörgen Hemme mit einer Besuchergruppe zu einem Rundgang über den Hof Hemme gestartet – vorbei an den Kuhställen und zur Molkerei, einschließlich einer Verköstigung mit Milch und Joghurtprodukten aus dem Hause Hemme. Anschließend begrüßte VGH-Regionaldirektor Frank Roemer die zirka 100 Gäste, die in der alten Fachwerkscheune Platz genommen hatten. Er dankte Jörgen Hemme für die Möglichkeit, die Veranstaltung auf dessen Hof durchführen zu können. Unter den Gästen war auch das Ehepaar Sabine und Ulrich Rahn aus Celle. „Die Karten für heute Abend sind ein Geburtstagsgeschenk meiner Freundin“, freute sich Sabine Rahn. Holger Baumert von der VGH Regionaldirektion Nienburg hatte die Aufgabe übernommen, das Thema des Abends sowie die Podiumsteilnehmer vorzustellen: als Moderatorin des Abends Margarete von Schwarzkopf, den Verhaltensbiologen Professor Dr. Norbert Sachser von der Universität Münster, die Autorin Monika Maron sowie den Hausherrn Jörgen Hemme. „Dieses Thema Mensch und Tier ist eines der ältesten überhaupt.“ Mit diesen Worten eröffnete die Moderatorin den Gesprächskreis am Podium. Sie erinnerte beispielsweise an Mythen der Weltkulturen, aber auch an Höhlenmalereien, die sich mit Menschen und Tieren auseinandersetzten. Es folgte ein Zitat von Franz von Assisi: „Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir, alle Geschöpfe streben nach Glück wie wir. Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir, also sind sie uns gleichgestellte Werke des allmächtigen Schöpfers – unsere Brüder.“ Die erste Frage nach seinem Verhältnis zu Tieren, mit denen er tagtäglich umgeht, war an Jörgen Hemme gerichtet. „Die Nähe zu den einzelnen Tieren ist sicher unterschiedlich“, stellte er mit Hinweis auf den eigenen Hund, Pferde und Rinder fest. „Wenn unsere Rinder geboren werden und wir sie großziehen, haben wir ein Ziel vor Augen: dass sie uns so lange wie möglich begleiten“, erklärte der Milchbauer und Molkereibesitzer Hemme. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier könnte widersprüchlicher kaum sein. Einerseits wird der Hund häufig als bester Freund des Menschen bezeichnet, andererseits essen wir Tiere. Vor diesem Hintergrund bat die Moderatorin den Verhaltensbiologen Professor Sachser, der die Ursachen und Folgen des Verhaltens von Säugetieren erforscht, um Stellungnahme. „Wenn man über Mensch-Tier-Beziehung spricht, muss man sehr klar unterscheiden, über welche Tiere wir eigentlich reden. Ein Tier, das zur Familie gehört, würden wir ja nicht essen“, lautete seine erste Antwort. Vor etwa 30 000 Jahren hätten die Menschen damit begonnen, Tiere zu domestizieren. So wurden beispielsweise aus Wölfen Hunde. Es sei zirka 10 000 Jahre her, dass aus Wildrindern Kühe wurden und aus Wildpferden Hauspferde. Seit 6000 Jahren gibt es die ehemals nur wilden Meerschweinchen auch als Haustiere, zählte der Professor auf. Man müsse sich im Klaren darüber sein, dass sich die Tiere durch den Domestikationsprozess ziemlich verändert haben. „Sie sind weniger aggressiv geworden im Allgemeinen, sie gehen netter miteinander um, sie vokalisieren alle sehr viel mehr, generell sind die Haustiere stimmfreudiger, sie sind auch variabler in ihrem Aussehen.“ All diese Veränderungen hätten dazu beigetragen, dass der Mensch eine engere Beziehung zu den domestizierten Tieren aufbauen könne, im Vergleich zu Wildtieren. Von der literarischen Seite betrachtete es Autorin Monika Maron. In ihrem neuen Buch „Munin oder Chaos im Kopf" spielt eine Nebelkrähe eine wichtige Rolle. Durch die Arbeit an ihren Romanen begann sich die Autorin näher mit den Rabenvögeln zu beschäftigen. Zu den gefiederten Tieren habe sie über das Futter Kontakt aufnehmen können, berichtete sie. Die Krähen hätten sich nicht mit ihr angefreundet, sondern nur mit dem Futter, musste sie feststellen. Monika Maron bot den Gästen am Abend noch eine Kostprobe aus ihrem Roman – es folgte ein tiefenpsychologisches Gespräch der Romanfigur Schriftstellerin Mina Wolf mit der Nebelkrähe Munin. Im weiteren Verlauf des Podiumsgesprächs erfuhren die Besucher noch so manches Detail über Tiere, beispielsweise über deren Instinkt und Sozialisierung, Gemeinsamkeiten mit dem Menschen, aber auch Unterschiede. Die Moderatorin gab den Zuhörern noch mit auf den Weg, einmal wieder Fabeln zu lesen und zitierte zum Abschluss Marlon Brando: „Der größte Schauspieler der Welt ist mein Hund. Wenn er Hunger hat, tut er so, als ob er mich liebt.“