13. WinterJazz-Saison in Brelingen

Zum Organisationsteam von „WinterJazzBrelingen“ gehören außer Lisa Sacht (von links), Peter Junker und Harald Platte noch Hans-Jürgen Weiß, Sabine Kleinau-Michaelis, Bernhard Flitter, Wolf-Rüdiger Maurer, Dietrich von Mirbach und Klaus Mencke. Für die technische Umsetzung zeichnet Peter Arasin verantwortlich. Foto: A. Wiese
 
Das Eröffnungskonzert am 26. Januar bestreiten Karolina Strassmayer und Drori Mondlak von KLARO!. Foto: Helge Strauss

Fünf Termine für die Vielfalt des aktuellen Jazz - heimisch und international

Brelingen (awi). Seit 13 Jahren bieten der Kulturverein Brelinger Mitte und der Orgelbauverein von Januar bis März hochkarätige Jazzmusik auf dem Dorf – in Brelingen, einige Konzerte in der Brelinger Mitte, andere in der St.-Martini-Kirche. „WinterJazzBrelingen“ präsentiert die Vielfalt des aktuellen Jazz mit Musikern der heimischen Szene und mit international renommierten Künstlern, die Jazzmusik auf höchstem Niveau in unterschiedlichem Ambiente bieten: in der Club-Atmosphäre der Brelinger Mitte und in der großen Akus-tik der Brelinger Kirche. Den Auftakt macht in diesem Jahr KLARO!, das Quartett der in New York lebenden Österreicherin Karolina Strassmayer, am Sonnabend, 26. Januar, um 20.30 Uhr in der Brelinger Mitte. Die amerikanische Jazzpresse hat Strassmayer zu den „Top Five Altsaxophonisten“ (Downbeat) gekürt. Sie wird begleitet von drei herausragenden Musikern aus New York: dem Schlagzeuger Drori Mondlak, der Vibraphon-Legende David Friedman sowie dem Kontrabassisten Josh Ginsburg. KLARO! verbindet die Lyrik der europäischen Klassik mit der rhythmischen Kraft des amerikanischen Jazz und der harmonischen Raffinesse zeitgenössischer Musik. Der Bogen spannt sich von kraftvoll spritzigen Grooves zu poetischen Balladen und explosivem Swing.
Mozart und Chopin als Jazzer? Diese Frage stellt sich beim zweiten Konzert am 9. Februar um 20 Uhr in der St.-Martini-Kirche. Andreas Bürgel (Piano) und Andreas Burckhardt (Saxophon) setzen nämlich zusammen mit Schlagzeuger Dieter „Zipper“ Schmigelok Mozart und Chopin in Szene! „The Jazz of Mozart & Chopin“ greift Kompositionen auf, die die beiden Musiker gelockt haben, sie nicht nur nachzuspielen, sondern mit ihnen zu spielen und sich den Kopf verdrehen zu lassen. Was Bürgel und Burckhardt durch perfekt abgestimmte Teamarbeit im Quartett dabei hervorzaubern, ist beeindruckend. Wenn auch die Adaptionen nicht immer ganz bierernst gemeint sind, so wird doch nichts auf die leichte Schulter genommen – keine Präsentation stumpfer Remixe, kein „Verjazzen“ von Melodielinien. Die Stücke werden in ihrer Substanz ernst genommen und dabei in neue Zusammenhänge und Strukturen versetzt. Das Besondere: In Verbindung mit dem Konzert findet vorher von 14 bis 17 Uhr ein Workshop für Jugendliche und Erwachsene mit soliden musikalischen Grundkenntnissen statt, mit oder ohne Instrument, in dem es um die Frage geht, wie Musiker fremde Stücke zu etwas Eigenem machen, also im Sinne des Wortes adoptieren können. Die Workshop-Ergebnisse werden dann von den Teilnehmern im Rahmen des Konzerts zusammen mit dem Quartett präsentiert, so dass im Teilnahmebeitrag von 20 Euro für Erwachsene, 15 Euro für Mitglieder der beiden veranstaltenden Vereine und zehn Euro für Schüler und Studenten der Konzertbesuch inklusive ist – allerdings mit einem Sitzplatz auf der Bühne. Infos/Anmeldeformulare zum Workshop bitte anfordern unter der E-Mail-Adresse: konzerte.in.st.martini@ gmail.com.
Weiter geht es am 23. Februar um 20 Uhr in der Kirche St. Martini mit dem Saxophonisten und Komponisten Peter Ehwald, der für die ungewöhnliche Besetzung von Le Septuor de Grand Matin international renommierte Musiker gewonnen hat. Oszillierend zwischen Jazz und dem Schönberg’schen Kompositionsprinzip der Variation hört das Publikum Musik, die entstanden ist im blauen Licht früher Morgenstunden. In Peter Ehwalds Kompositionen finden sich musikalische Strukturen europäischer Musik des frühen 20. Jahrhunderts sowie Anklänge an den Jazz der 1970er Jahre mit seiner großen Experimentierfreudigkeit und der Entwicklung des Free Jazz. Dabei sind neben Peter Ehwald am Saxophon Sängerin Almut Kühne, Trompeter Richard Koch, Harfinis-tin Kathrin Pechlof, Pianist Stefan Schultze, Bassist Matthias Akeo Nowak und Schlagzeuger John Schröder.
Weiter geht es am 9. März um 20.30 Uhr in der Brelinger Mitte mit Energie aus Berlin. KUU! ist eine Band der Superlative, ein exponierter Vertreter eines neuen euro- päischen Jazz mit großem Innovationsgeist. Drei verschworene Ins-trumental-Individualisten legen ihrer Sängerin Kuschelflächen, dann wieder Nagelbretter aus. Die 1976 in Serbien geborene Jelena Kuljić verließ nach dem Bürgerkrieg ihre Heimat. Daheim hatte sie als ungestümer Punk begonnen, dann studierte sie Jazzgesang in Berlin und bekam hier diverse Kontakte zur Szene. Auf der 2018 veröffentlichten CD „Lampedusa Lullaby“ führt das Quartett mit Sängerin Jelena Kuljic, den Gitar-
risten Kalle Kalima und Frank Möbius sowie Schlagzeuger Christian Lillinger messerscharf vor, wie Jazz mit Punk- und Rockelementen heute funktionieren kann.
Und dann ein Paukenschlag als Finale der aktuellen Winterjazz-Saison am 23. März um 20 Uhr in der Kirche St. Martini: Man findet nicht viele Menschen, die Lyra spielen. Sokratis Sinopoulos ist ein Meister dieses Instruments. Die von ihm gespielte Lyra ist eine mit dem Bogen gestrichene Kurzhalslaute, die vor allem auf Kreta beheimatet und dort Teil der Volksmusik ist. Sinopoulos bindet das uralte Instrument in eine Jazz-Quartett-Besetzung ein und erschafft damit eine beeindruckende Soundlandschaft. Der Titel seiner CD „Eight Winds“ reflektiert verschiedene Strömungen, in denen traditionelle griechische Musik behutsam mit modernen Jazzelementen verknüpft wird. Eine fast archaische Musik, von der man glaubt, sie wäre schon immer da gewesen.
Zum Quartett gehören Sokratis Sinopoulos an der Lyra, Yann Keerim am Piano, Dimitris Tsekouras am Bass und Dimitris Emanouil am Schlagzeug. Ein Programm, das es in sich hat und eine große Bandbreite nicht nur von Jazz-Fans anspricht. „Die wenigsten holen sich Dauerkarten und gehen zu allen Konzerten“, weiß Harald Platte vom Orgelbauverein.
Im letzten Jahr waren es gerade 15 Dauerkartenkäufer, doch unterm Strich waren alle Konzerte gut verkauft, obwohl die Veranstalter ohne die öffentlichen Fördergelder zur Defizitabdeckung aufgeschmissen wären. „Aber das ist nun mal so bei Kultur. Ohne Ehrenamt und öffentliche Fördergelder geht es nicht“, sehen die Mitglieder des Orga-Teams die Sache ganz realistisch. Apropos Ehrenamt: Sie würden sich über Zuwachs im Orga-Team freuen, dieser könnte auch gerne etwas jünger sein und frische Ideen in die Organisation einbringen.