1953 – eine Bluttat spielt Schicksal

Am Tatort von einst: Hans-Albert Thurmann (links), dessen Familie den Hof Hanebuth nach dem Tod des Hoferben übernommen hat, war einer der wichtigsten Hinweisgeber für Autor Dirk von Werder. Foto: Patricia Chadde

Journalist Dirk von Werder hat ein Buch über einen Mord in den Nachkriegsjahren geschrieben

Vesbeck. Es war eine Bluttat, die ein Leben zerstörte und ein Dorf erschütterte: In der Nacht zum 9. November 1953 wird in Vesbeck der Hoferbe Walter Hanebuth erschlagen. Wegen seines Motorrades. Die Tat hat weitreichende Folgen für die Familie Hanebuth, den Hof, das Dorf, auch Nachbardörfer. Dirk von Werder (61), langjähriger Redakteur der Leine-Zeitung in Neustadt, hat die tragische Geschichte um den Tod des Hoferben nach fast 67 Jahren literarisch aufgearbeitet, hat mit Zeitzeugen gesprochen, in Archiven nachgelesen. „Das Drama von Hof Nr. 11“ heißt sein Buch, das aktuell in erster Auflage erschienen ist. Tathergang und anschließende Flucht des Täters – eines erst wenige Tage zuvor als Arbeitskraft angeworbenen Obdachlosen - bilden den Kern der Geschichte, die in eine ganz besondere Zeit eingebettet ist: Das Dorf Vesbeck ist seinerzeit ein rein landwirtschaftlich geprägtes, nahezu in sich geschlossenes Gemeinwesen mit allen diesbezüglichen Vor- und Nachteilen. Fast 50 Bauern gibt es, Schule, Gastwirtschaft, Post, Lebensmittelladen, Maler, Schmied, Hausschlachter. Fremden begegnet man mit Skepsis – es ist nicht leicht für die in großer Zahl ankommenden Vertriebenen oder Kriegsflüchtlinge, wirklich Fuß zu fassen. Und dann erschlägt ein „Fremder“ den Hoferben Hanebuth, den Sohn des früheren Bürgermeisters. Eines Mannes, der, so heißt es im Buch, „Respekt einforderte, dem es aber nicht immer leicht fiel, andere respektvoll zu behandeln“.
Hätte, hätte, Fahrradkette: Autor von Werder zitiert im Buch den früheren SPD-Bundespolitiker Peer Steinbrück. Was wäre gewesen, wenn – Hanebuth senior den Obdachlosen nicht eingestellt hätte, sein Sohn nicht erschlagen worden wäre? Sähe Vesbeck anders aus? Zumindest wären andere Ehen geschlossen, andere Kinder geboren worden. Das zieht Kreise auch in die Nachbargemeinden wie die heutige Wedemark oder nach Lindwedel, wo die Verlobte des Jungbauern lebte. Nach dessen Tod findet sie in Gailhof einen anderen Ehemann. Und Hanebuth Senior, auf einen neuen Erben angewiesen, der ihm sein Altenteil sichert, muss letztendlich ausgerechnet einen „Fremden“, nehmen: einen Flüchtling aus der Sowjetischen Besatungszone (später DDR).
Zeichner Wolfgang Schulze aus Seelze hat das Buch illustriert, Journalistin Patricia Chadde – mit dem Autor verheiratet – ein Nachwort als zeitgenössische Einordnung verfasst. Das Buch kostet 15 Euro. Erhältlich ist es bei den Neustädter Buchhandlungen Frerk und Biermann, dem Kaufhaus GNH in Schwarmstedt, der Buchhandlung Petri&Waller in Seelze sowie bei der Gärtnerei Koch in Esperke und Lindwedel.