35 Interessierte kamen zum „world cafe“

„Seven Segment Display“, so der Name der Auszubildenden-Band der Firma Sennheiser, die zwar erst seit fünf Wochen probt, aber ihr Publikum am Donnerstag begeisterte. Foto: H.H.Schröder
 
Begrüßungsrunde: Maria Cutrone, und Hans-Jürgen Nissen, Personalchef von Sennheiser und an diesem Abend gewissermaßen Hausherr, begrüßten als Mitglieder der Arbeitsgruppe Vereinbarung von Familie und Beruf die etwa 35 Gäste. Foto: H. H. Schröder

„Wir haben unser Ziel erreicht. Die Unternehmen sind im Gespräch”

Bissendorf (hhs). „Ihr Profil geht. Das Wissen bleibt?“, unter dieser Fragestellung hatte die Arbeitsgruppe Vereinbarung von Familie und Beruf des Lokalen Bündnis für Familie/Wedemark am Donnerstagabend zu einer Kooperationsveranstaltung nach Bissendorf auf die Probebühne der Firma Sennheiser eingeladen. Etwa 35 Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Gemeinde Wedemark, Langenhagen und Burgwedel und einige aus entfernteren Kommunen waren gekommen, sich dieser Fragestellung auf ganz besondere Weise zu nähern. Mittels eines „World cafes“ wollten die Veranstalter die Damen und Herren miteinander ins Gespräch bringen, und das ist ihnen vollauf gelungen.
Zur Begrüßung der Gäste spielte die Azubi-Band der Firma Sennheiser. Die Auszubildenden proben erst seit fünf Wochen zusammen und sie boten drei Titel in einer bewundernswerten Qualität. Dann folgte die Begrüßung und Einführung durch die Veranstalter. Maria Cutrone, Hans-Jürgen Nissen und Carsten Niemann führten dabei in das Thema ein und begründeten zunächst das Engagement der Arbeitsgruppe in diesem Themenbereich. Familien seien Lebensgemeinschaften, in denen man langfristig eine soziale Verantwortung für andere übernehme: Eltern mit Kindern, Menschen mit pflegebedürftigen oder älteren Angehörigen. Jeder, der in einer Lebensgemeinschaft Verpflichtungen für Mitglieder übernommen hat, sei angesprochen.
Die „Familie“ habe sich in der Form verändert, aber allen Versuchen widerstanden, selbst mithilfe des Staates ihre Funktion zu beschneiden. Das erweise sich heute als Glück, weil man nun wisse, dass Familie Aufgaben erfülle, zu denen sonst niemand in der Lage wäre. Das könne aber mit den althergebrachten Anforderungen von Betrieben an ihre Mitarbeiter kollidieren, wenn zum Beispiel ein Beschäftigter ein zeitlich befristetes oder stundenweises Ausscheiden aus der Arbeitswelt benötige. Der Profi geht dann. Welche Konzepte erlauben, dass das Wissen bleibt? Welche Vorteile ergeben sich für den Unternehmer und den Arbeitnehmer, wenn flexible Problemlösungen gefunden werden, um das Wissen im Betrieb zu binden? Wie geht man damit um?
In einer Interviewrunde kamen die Gäste zu Wort. Das Problem sei vorhanden und verstärke sich. So formulierten einige, dass in ihrem Betrieb in den kommenden Jahren ein Generationswechsel auf der Führungsebene anstehe und man noch nicht absehen könne, woher der Ersatz kommen soll. Auch junge Leute, Berufseinsteiger nach abgeschlossener Ausbildung, würden immer häufiger bei Bewerbungsgesprächen nach Auszeiten fragen. „Heute sieht es so aus, dass in der Altersgruppe unserer etwa 45-jährigen Mitarbeiter die Kinder aus dem Haus sind und anschließend die Pflege der Eltern beginnt“, brachte es ein Unternehmer auf den Punkt. Außerdem seien Auszubildende kaum noch zu finden, wie Bürgermeister Tjark Bartels es ausführte. Versuche, mit der Attraktivitätssteigerung des Berufsfeldes das Problem zu lösen, haben allein noch nicht gegriffen. „Das Umfeld muss stimmen“, sagt er. Dr. Christian Rimpler, Mitglied der Arbeitsgruppe, brachte es auf den Punkt: „Wir müssen innerhalb des Betriebes gewissermaßen eine Familie aufbauen und das Gespräch mit den Mitarbeitern suchen, damit wir gemeinsame Lösungen finden können“.
Schließlich ging es an die Stehtische, mit den Papiertischdecken. Hier wurden Karten verteilt mit den Fragestellungen, die diskutiert werden sollten. „Was können die Gemeinde Wedemark, die hier ansässigen Betriebe und Netzwerke einzeln oder gemeinsam tun, um den demografischen Herausforderungen besser zu begegnen?“, lautete ein Beispiel. Die Gäste verteilten sich an die Tische, und schnell kam überall eine intensive Diskussion in Gang. Und die Tischdecken waren beinahe ebenso schnell mit den dort formulierten Gedanken der Teilnehmer beschrieben. Dabei war es bemerkenswert zu beobachten, wie zügig sich insbesondere die Teilnehmer an der Diskussion beteiligten, die sich zuvor eher skeptisch gezeigt und formuliert hatten, sie seien eigentlich nur anwesend um zu schauen, wie das alles abläuft. Nach einigen Tischwechseln hatten die Teilnehmer ihre Tischdecken eng beschrieben, es war an der Zeit, die Ergebnisse zu formulieren. Eine Minute war für jeden Tisch vorgesehen.
Carsten Niemann, Mitglied der Arbeitsgruppe und Wirtschaftsförderer der Gemeinde zog anschließend ein vorläufiges Fazit: „Ich denke, uns ist die allgemeine Sensibilisierung zur Problemlage gelungen. Wir wollten Denkanstöße erreichen und unsere Wedemärker Unternehmen miteinander ins Gespräch bringen. Das haben wir geschafft. Nun wissen alle Teilnehmer, dass sie das Rad nicht allein neu erfinden müssen, wenn das Problem Vereinbarung von Beruf und Familie sie trifft“. In den kommenden Tagen werden die Ergebnisse des Abends ausgewertet und auf der Homepage der Gemeinde Wedemark veröffentlicht.