60 Jahre ein Herz und eine Seele

Sie würden sich auch jetzt nach 60 Jahren jederzeit wieder heiraten, versichern Renate und Horst Grotzke aus Resse, die am Himmelfahrtstag ihre diamantene Hochzeit feiern. Foto: A. Wiese
 
Am 13. Mai 1961 haben Renate und Horst Grotzke in der Kirche in Ronnenberg geheiratet. Foto: Privat

Renate und Horst Grotzke feiern Himmelfahrt diamantene Hochzeit

Resse (awi). Bei der Verlobungsfeier ihrer Schwester und seines Freundes im Sommer 1958 lernten sie sich kennen. Die Verlobung dieses Paares ging auseinander, Renate und Horst Grotzke jedoch heirateten am 13. Mai 1961 und sind heute 60 Jahre später immer noch ein Herz und eine Seele. Am Himmelfahrtstag feiern sie das Fest der diamantenen Hochzeit. Wegen Corona werden sich die Gratulanten aus der großen Familie – drei Söhne mit Partnerinnen und sechs Enkel mit Partnern – wohl über den Tag verteilen. Aus dem ursprünglich geplanten großen Familienfest zu diesem ganz besonderen Ehrentag wird wegen Corona nichts, aber das Jubelpaar hat sich bereits selbst ein besonderes Geschenk gemacht: Sie waren zwei Wochen auf Kreuzfahrt mit Mein Schiff I zwischen den kanarischen Inseln.
„Wir sind beide geimpft, das Hygienekonzept auf dem Schiff und im Flugzeug war sehr gut, wir haben vorher noch einen PCR-Test gemacht und uns genau an alle Corona-Regeln und die Maskenpflicht gehalten“, berichten Renate und Horst Grotzke, die diese verspätete Hochzeitsreise in vollen Zügen genossen haben.
Renate Grotzke (81) ist in Rostock geboren. Die Familie lebte bis 1945 auf dem eigenen Bauernhof in Möchhagen. „Dann wurden wir von den Russen enteignet und sind mit meiner Mutter mit Pferd und Wagen nach einem Umweg über Naumburg nach Stemmen bei Barsinghausen geflüchtet, wo wir bei entfernten Verwandten unterkamen“, erinnert sich Renate Grotzke. Dort ging sie zur Volksschule und besuchte nach der achten Klasse ein Jahr die Buhmannschule, um schließlich als kaufmännische Angestellte bei den Sichel-Werken zu arbeiten. Ihr Mann ist zwar in Hannover geboren, aber in Resse groß geworden. Nach der Volksschule in Resse ging er zur Lutherschule in Hannover, machte eine Lehre bei der AEG als Starkstromelektriker bis 1954 und studierte dann an der Ingenieurschule Hannover Elektrotechnik. Bis 1964 arbeitete er bei der AEG. Dann machte er sich in Resse mit seiner Firma Elektro-Bau Ing. H. Grotzke selbstständig. Aber das ist vorgegriffen, denn zunächst muss-ten sich Renate und Horst Grotzke ja erst einmal kennenlernen. Als ihre ältere Schwester sich im Sommer 1958 mit seinem Freund Fritz Baumgarten aus Resse verlobte, fragte der ihn, ob er nicht als Tischherr für die jüngste der drei Schwestern fungieren könne. Horst Grotzke sagte zu, fand dann aber bei der Verlobungsfeier im Wal-deseck die mittlere Schwester Renate viel interessanter und tanzte den ganzen Abend mit ihr. Drei Wochen später ließ er über seinen Freund Fritz anfragen, ob Renate mit ihm zum Semesterball der Uni gehen wolle. Sie wollte. Fritz und ihre Schwester mussten zwar der Form halber mit, aber von diesem Date an waren Horst und Renate ein Paar.
Am 18. Juni 1960 wurde Verlobung gefeiert und am 13. Mai 1961 geheiratet. Mit einem Freund baute sich Horst Grotzke zwei Wohnungen im ehemaligen Vorwerk in Resse auf dem Wochenendgelände an der verlängerten Osterbergstraße aus. Dort lebte das junge Paar bis zum Herbst 1965. Dann zogen sie in das Haus der Großeltern von Horst Grotzke an der Straße Altes Dorf 7 im Zentrum von Resse. Hier wurde die Werkstatt mit Lager und Laden ausgebaut. Er kümmerte sich mit seinen Angestellten um die Elektroarbeiten, sie um den kaufmännsichen Part. Nebenbei zog sie allerdings auch noch die drei Jungs Jens, Jörg und Carsten groß. „Der Laufstall mit immer mindestens zwei Kindern drin, stand in der Küche, so konnte ich mich zugleich um das Büro kümmern“, schmunzelt Renate Grotzke. Als die Firma 2007 schloss und sie und ihr Mann in Rente gingen, vermieteten sie den vorderen Teil des Hauses erst an einen Zahnarzt und mittlerweile als Friseursalon, und bauten sich selbst eine Wohnung für ihre Bedürfnisse zurecht. Der älteste Sohn Jens trat zwar als Elektromeister beruflich in die Fußstapfen seines Vaters, gründete aber seine eigene Firma ebenso wie sein Bruder Carsten.
Renate und Horst Grotzke sind im Resser Dorfleben fest verwurzelt, beide sind Mitglied im Schützenverein, Horst Grotzke bereits seit 65 Jahren, er ist Mitglied der Altersabteilung der Feuerwehr, war früher im Kirchenvorstand aktiv und hatte auch einen Flugschein. Mit dem ADAC und der Polizei führte Horst Grotzke Überwachungsflüge über der Autobahn aus. Doch das ist schon lange Vergangenheit. Auch seine Jagd hat er mittlerweile aufgegeben. Was das Ehepaar immer noch gerne macht, ist in den Urlaub fahren. Früher – von 1974 bis 2013 – hatten sie einen Wohnwagenstellplatz auf Norderney und haben dort viel Zeit mit ihren Kindern verbracht. Ein Patentrezept für eine so lange und glückliche Ehe haben sie nicht, sind aber sicher, dass das enge private und berufliche Miteinander eine große Rolle gespielt hat. Auch heute verbringen sie soviel Zeit wie möglich miteinander und halten sich mit E-Bike-Touren fit. Verschiedener Meinung sei man schon mal gewesen, aber richtig gestritten habe man sich nie, sind sich beide einig.