Abbenser Obermühle seit 1202?

Denkstein für die frühere Obermühle.

Auch 2022 wird kein Jubiläumsjahr für Abbensen

Abbensen. 1221 bis 2021 – das wären 800 Jahre Abbensen und ein Grund zum Feiern gewesen. Doch am Ende dieses Sommers gibt es diesen und einen weiteren Anlass nicht, denn Sackgassen und Irrtümer gehören zum Handwerkszeug, stellt der Historiker Stefan Weigang fest. Aber Impulse für das Dorf setzen könnten diese Untersuchungen doch.
Für Interesse hatte die Nachricht gesorgt, dass Abbensen zum ersten Male nachweisbar ist. Das Ortsnamenbuch Niedersachsen nennt im ersten Teil von 1998 eine Urkunde des Bischofs von Minden aus dem Jahre 1221, in der der Zehnte und eine Hufe Land in Abbensen aufgezählt werden. Dazu gab es einen öffentlichen Einspruch der Historischen Arbeitsgemeinschaft Wedemark (https://www.historische-arbeitsgemeinschaft-wedema...). Die Nachprüfung ergab, dass die eigentlich immer zuverlässigen Ortsnamenforscher im Band acht aus dem Jahre 2017 korrigiert hatten, dass das Abbensen bei Peine gemeint sei.
Dann schlug Eckhard Martens aus Negenborn vor, 2022 als krummes Jubiläum der Obermühle zum Anlass zu nehmen, Abbenser Geschichte zu erarbeiten. „1202 Heinickenmolen“ steht am Fuße eines Stammbaums der Obermühle. Ausführlicher heißt es im Buch von Anneliese Stünkel aus der Obermühle: „Die Wassermühle an der Jürse kam vom Kloster Corvey an den Grafen von Hallermund. Behrend Stoltzenberg wurde vom Grafen Hallermund im Jahre 1202 damit belehnt. Die Namen der Mühle wechselten im Laufe der Jahrhunderte: 1202 hieß die Heinekenmohlen, 1330 bis 1350 Hinkenmohlen und 1376 bis 1557 Queremohlen." Dieser Sachverhalt wurde mehrfach berichtet, aber keine Quelle genannt. Die Recherche fiel länger aus, weil die mittelalterliche Geschichte schwerer zugänglich ist und die Corona-Pandemie alles verlangsamte.
Die Verfasserin des Buches konnte nicht helfen, die Autorin des Stammbaumes ist verstorben. Die überlieferten Dokumente der Abtei Corvey sagen nichts zu der Übertragung an die von Hallermund. Das Hausarchiv Hallermund und das Springer Archiv konnten nicht helfen, auch die einschlägigen Urkundenbücher nicht. Die Familie von Stolzenberg in Luttmersen starb in den 1960ern aus und das Gut wurde im Rahmen des Kasernenbaus abgerissen. Urkunden sollen schon 1945 verloren gegangen sein. 1846 behauptete von Stolzenberg, er habe lückenlos die Lehnbrief bis zurück ins Jahr 1494 über sein Gut „.... mit einer Mölenstede upp de Jürsen, dat de Hemken Möle hete, ....".
Was bleibt? Nach einem Irrtum und drei Sackgassen könnte Abbensen jetzt daran gehen, seine Dorfgeschichte zu sammeln. „Viele Höfe sind schon abgerissen und viele von den alten
Einwohnern gestorben, zum Beispiel Bernhard Hemme im Mai“, meint Stefan Weigang, der viel über Helstorf gearbeitet hat. „Über die meisten Dörfer der Wedemark gibt es ja schon Bücher.“ So könne man bei Erzählabenden Fotos, Dokumente und Erzählungen sammeln und sichern, vielleicht eine Geschichtsheft machen und später alles dem Stadtarchiv geben. Das sei in Havelse mehrfach und erfolgreich gemacht worden.