Absolut keine Bäcker zu finden

Ralf Springhetti belieferte den Förderverein der Grundschule Elze bisher täglich mit 120 Mini-Käsebrötchen und anderen Backwaren. Für die lange Zusammenarbeit bedankten sich Wiebke Hemme-Detmering und Tina Müller-Thanisch vom Förderverein jetzt mit einem Blumenstrauß. Den großen Brötchenkorb schenkte Springhetti ihnen seinerseits als Dankeschön. Bis zum 14. Juli wird der Verein aber noch beliefert und sucht jetzt einen Nachfolger.Foto: A. Wiese

Bäckerei Springhetti schließt ihren Betrieb in Elze zum 14. Juli

Elze (awi). Der Elzer Fleischermeis-ter und Landmarkt-Vereinsvorsitzende Carsten Dettmers spricht aus, was alle denken: „Für Elze ist es eine Katastrophe und auch für unseren Landmarkt-Verein ist es ausgesprochen bitter!“ Die Bäckerei Springhetti, Traditionsbetrieb in Elze seit 1932, schließt zum 14. Juli die Türen von Backstube und Laden. Der Grund ist nicht etwa, dass es nicht läuft, sondern dass Ralf Springhetti nach der fast zeitgleichen Kündigung seiner beiden Bäckergesellen, die sich beruflich verändern möchten, trotz intensiver Suche auf allen Ebenen keine Bäcker mehr findet, und den Betrieb alleine nicht aufrecht erhalten kann.
„Anzeigen in Zeitungen und auf facebook sind ebenso ins Leere gelaufen wie die Nachfrage beim Arbeitsamt“, sagt Springhetti. Er habe nicht eine einzige Bewerbung erhalten und so habe der Familienrat getagt und sich für die Betriebsschließung entschieden. Ein Schock für alle Elzer, die hier seit Jahrzehnten ihr Brot, ihre Brötchen und ihren Kuchen kaufen. Ein Schock für seine Kollegen vom Landmarkt, die jetzt intensiv auf der Suche nach einem neuen Bäcker für die Märkte in Bissendorf am Donnerstagnachmittag und in Großburgwedel am Sonnabendvormittag sind. Ein Schock aber auch für die Grundschulen in Elze, Hellendorf und Mellendorf, die ihre Brötchen fürs Schulfrühstück von Springhetti bekommen. In Elze läuft das seit 1997 über den Förderverein. Letzte Woche überreichten Wiebke Hemme-Detmering und Tina Müller-Thanisch vom Förderverein Ralf Springhetti einen großen Blumenstrauß als Dankeschön für die gute Zusammenarbeit über viele Jahre. Springhetti backt für die Elzer in der Woche täglich 120 Mini-Käsebrötchen plus Hörnchen und hatte mit dem Vorstand gerade angefangen für eine neue Variante für ein gesundes Schulbrötchen zu experimentieren. Denn mit der Entwicklung in seinem Betrieb hatte Ralf Springhetti nicht rechnen können. Seine Bäckerin hat schon beim ihm gelernt, ist seit Jahrzehnten im Betrieb, das Arbeitsklima war gut. Doch ein wohnortnahes Angebot zu sehr guten Konditionen habe sie nicht ausschlagen können, zeigt Springhetti Verständnis. Erst habe er erwogen, mit dem verbliebenen Gesellen zu zweit weiterzumachen, doch dann sagte wenige Tage später auch dieser, dass er sich gerne neu orientieren würde. „Die Arbeitszeiten im Bäckerhandwerk sind hart, die Bezahlung nicht üppig, die Branche hat seit Jahren mit einem eklatanten Fachkräftemangel zu kämpfen“, erklärt Springhetti. Er selbst ist eigentlich Maschinenbau- und Indus-triemeister und übernahm den Betrieb 2007 mit seiner Ehefrau Anette, als sein Bruder, der Bäckermeister Thomas Springhetti, mit seiner Familie nach Spanien zog. Die Bäckerei und Konditorei wurde im Laufe der Jahre um mehr als das Doppelte in Verkauf und Produktion erweitert. Seit Gründung des Landmarktvereins vor sechs Jahren, ist Springhetti mit seinem Marktwagen dabei und gehört als Schriftführer dem Vorstand an. Er beliefert regelmäßig Altenheime, Schule, Gaststätten und Hotels. In der Produktion waren bisher neben Ralf Springhetti noch zwei Bäcker, vier Verkäuferinnen und zeitweise seine Ehefrau beschäftigt. Da in der kleinen Bäckerei keine abgegrenzten Arbeitsgebiete festgelegt werden können, musste jeder auch den Part des anderen beherrschen. Im Normalfall waren er und sein Geselle für Brot und Brötchen zuständig und die Konditorin für Kuchen, Torten und Kleingebäck. „Zu zweit hätten wir es mit einer Sortiments-umstellung zumindest für eine Übergangszeit schaffen können. Für mich alleine ist es unmöglich“, so Ralf Springhetti, der jetzt voraussichtlich in seinen alten Beruf als Maschinenbaumeister zurückkehren möchte. Freuen würde er sich, wenn eine andere Bäckerei sein Geschäft als Filiale in Elze aufrecht erhalten würde. Gespräche dazu werden geführt. Noch ist aber alles offen und der 14. Juli ist der letzte Tag.