Alte Elzer Schule genießt höchste Priorität

Professor Joachim Ganzert (rechts) und seine Studentinnen präsentierten gestern vormittag Ortsbürgermeister Jürgen Benk (3.v.l.) und anderen die Ergebnisse der Untersuchung der alten Elzer Schule. Foto: A. Wiese

Architektur-Studentinnen der Leibniz-Uni haben das Gebäude unter die Lupe genommen

Elze (awi). Im Herbst letzten Jahres haben Studentinnen der Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz Universität Hannover die alte Elzer Schule eingehend untersucht. Das Ergebnis präsentierte Professor Joachim Ganzert gestern vormittag dem Ortsrat, dem Arbeitskreis Dorferneuerung sowie Vertretern der Trägervereine DRK, MGV und Dorfbild Elze sowie der Gemeindeverwaltung. Diese stellen nämlich gerade konkrete Überlegungen über die weitere Ausgestaltung der alten Schule in der Poststraße an, auf die die Erkenntnisse der Studenten durchaus Auswirkungen haben können. Gute Nachrichten verkündete auch Stadtplanerin Karin Bukies vom Planungsbüro Stadtlandschaft: Der Förderplan für die Dorferneuerungsmittel ist positiv beschieden und die alte Elzer Schule würde als Pilotprojekt höchste Priorität genießen.
Der Zeitpunkt sei günstig, so Harald Meyer und Karin Bukies, denn jetzt befinde man sich gerade zwischen zwei Förderzeiträumen. Ortsbürgermeister Jürgen Benk, der zu dem Treffen gestern in der alten Schule eingeladen hatte, drängelte: „Wir müssen noch dieses Jahr unser Konzept fertig haben, damit wir die Fördermittel bekommen. Die Gemeinde hat Mittel zur Gegenfinanzierung in ihrem Haushalt vorgesehen.“ Professor Joachim Ganzert beschwor die Elzer, mit größter Vorsicht und Vernunft an das Projekt alte Schule heranzugehen: „Man sollte nicht unbedingt Wände herausreißen. Den vorderen Raum könnte man vielleicht vergrößern, in dem man den Korridor dazu nimmt. Eventuell macht es Sinn, den zweiten Raum durch einen neuen Zugang zu erschließen.“ Die Überlegungen, die alte Schule noch besser für die örtlichen Vereine zu erschließen, neue Sanitäranlagen einzubauen und die Küche in den hinteren Teil zu verlegen, beziehen sich allerdings zur Zeit nur auf das Erdgeschoss. Und nur das haben die sechs Studenten bisher auch untersucht. Unter dem Vorbehalt, dass Professor Ganzert wieder ein Projektteam zusammenbekommt, einigten sich die Vertreter von Universität und Dorf allerdings ges-tern darauf, dass die angehenden Architekten sich auch das Obergeschoss noch vornehmen, das ganz offensichtlich nicht von Anfang an als Wohnraum ausgebaut war, sondern früher den Strohboden für die kleine Landwirtschaft des Lehrers beherbergte. Im Erdgeschoss sei man zu sehr interessanten Erkenntnissen gekommen, so Ganzert. Sicher sei, es handele sich um ein Schulhaus, wie es das heute nicht gebe. „Und man sollte es auf keinen Fall so umgestalten, dass gar nichts mehr davon zu erkennnen ist“, warnte der Professor. Ganz offensichtlich habe es in der alten Schule seit ihrer Erbauung im Jahre 1896 schon eine erkleckliche Anzahl von Bau- und Umbaumaßnahmen gegeben. Ganzert berichtete den fasziniert lauschenden Zuhörern von zugemauerten Türen, nachträglich eingezogenen Wänden und Fußböden auf verschiedenen Höhenniveaus. Für den Professor und seine drei Studentinnen, die ihn gestern begleiteten, waren die Auskünfte des Ortshistoriker Otto Hemme sehr aufschlussreich: „Dieser Platz, an dem die alte Schule steht, ist der Ursprung von Elze. Hier hat wohl noch vor dem Gutshof die Hofstellen Oldenhof gestanden, die dann aber komplett in anderen Höfen aufgegangen ist. Von daher ist der Standort prädestiniert für einen Gemeinschaftsplatz. 1896 wurde die Schule als Einklassenschule errichtet, 1936 wurde sie Zweiklassenschule. Dass die heutige Küche und der nebengelegene Flur höher liegen, kommt bestimmt daher, dass es hier so nass war und man die Lehrerwohnung vor Feuchtigkeit schützen wollte. In alten Bauernhäusern baute man ja Kellerkammern. Der Lehrer war zugleich auch Prediger und wurde mit Vieh und Land ausgestattet. Dafür brauchte man die Stallungen. Die Schüler mussten die Arbeit im Stall und auf dem Hof verrichten.“ Die Gebäudesubstanz sei mit den Jahren den Bedürfnissen angepasst worden. So habe es im Gebäude anfangs gar keine Toiletten gegeben, sondern nur ein Plumpsklo auf dem Hof gegegeben. Die Nachfrage des Professor nach alten Plänen konnten die Elzer allerdings auch nicht befriedigen. Sie wollen sich jetzt aber im Regionsarchiv im Schloss Landes-trost in Neustadt und bei der Schulbehörde noch einmal auf die Suche machen. Auch eine fast gleichaltrige alte Schule ähnlichen Baustils in Holtensen könnte den Studenten weiterhelfen.