Alternatives Lernkonzept in Gailhof

Die zehnjährige Kimberly erkundet an der "Klang-Wind-Skulptur" unterschiedliche Tonhöhen und ihre Entstehung. Diplom-Künstler Helmut Höcker begleitet sie. Foto: S. Birkner

„Aktive Sommerschule“ überrascht mit frischen Lernideen

Gailhof (sb). Die Schwächen unseres Bildungssystems sind schwer zu leugnen. In enormem Tempo muss Wissen angehäuft und angewendet werden, häufig nur aus Notwendigkeit der nächsten Leistungsüberprüfung. Dass dabei der Spaß am Lernen und die Begeisterung für vermittelte Inhalte auf der Strecke bleiben, ist eine logische Folge des Leistungsdrucks.
Die „aktive Sommerschule“, ein Pilotprojekt im Gailhofer Jugend-, Gäste- und Seminarhaus, verfolgt dieser Tage einen anderen Ansatz. Fast zwei Wochen verbringen 13 Kinder mit Lern- und Konzentrationsschwächen dort unter einem Dach und entdecken das Lernen dabei aus völlig neuer Perspektive. „Lernen bedeutet Staunen und Stutzen“, findet Thomas Haubrich vom Verein „Die Kulturmacher“ aus Wennigsen. Mit einer Reihe von Pädagogen und Künstlern hat er ein Programm auf die Beine gestellt, das den Kindern diesen Ansatz des Entdeckens zurückbringen soll.
Das pädagogische Konzept beruht darauf, keinerlei Leistungsdruck auf die Kinder auszuüben. Zu der Mischung aus festen Kursen und frei wählbaren Wahrnehmungs- und Kreativangeboten gesellen sich gemeinsame Freizeitaktivitäten. „Es geht nicht darum, dass die Kinder möglichst viel Wissen anhäufen. Sie sollen Zugang zu ihren eigenen Sinneskanälen finden“, beschreibt Haubrich das Projekt. Um dieses Ziel zu erreichen, umgibt die Kinder in Gailhof eine breit gefächerte Auswahl an Aktivitäten: Das Schreib- und Lesezelt oder das Mathelabor gehören da eher zu den alltäglichen Angeboten. Eine Forschungswerkstatt befasst sich mit den Naturwissenschaften, während ein Audionautik-Kurs das Bewusstsein für Klang, Körper und Rhythmus schult. Als Lieblingsstation der Kinder kristallisierte sich in den letzten Tagen die Bildhauerwerkstatt heraus, die zum Sägen, Hobeln und Schnitzen einlädt. Auch beim Töpfern können die 13 Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Ob das
Ziel, ihnen wieder eine Lernmotivation zu schaffen, auch auf lange Sicht erreicht wird, lässt sich trotz sichtbarer Kurzzeiterfolge noch nicht abschließend beurteilen. Deshalb soll die Nachhaltigkeit der Sommerschule nach den Herbstferien überprüft werden. „Für den Moment lässt sich sagen, dass einige Kinder in den wenigen Tagen Therapieerfolge aufweisen, die im Normalfall viele Monate in Anspruch nehmen“, meint Haubrich, der das Entdecken als pädagogisches Konzept normalerweise mit einem „Phänomobil“ in die Region trägt.
Zum Erfolg der Sommerschule, an der übrigens Schüler aller Schulformen teilnehmen, trägt in erheblichen Maße die Sparkasse Hannover bei. Wie Vertriebsleiter Hendrik Asche betonte, unterstütze das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut die Sommerschule mit 40.100 Euro. Gerne helfe man Projekten, die Menschen neue Chancen eröffnen, sagte Asche.
Bereits übermorgen endet die zwölftägige Ferienfreizeit in Gailhof. Dass die Kinder die Wedemark aufgeweckter und lernbereiter verlassen werden, bezweifeln Haubrich und Asche nicht. Dank der Förderung durch die Sparkasse wird die Sommerschule auch in den kommenden zwei Jahren fortgesetzt werden.