Am Briefkasten hat's damals gefunkt

An einem Briefkasten hat es zwischen Linda und Walter Lüßmann vor 62 Jahren gefunkt. Heute feiern die beiden in Meitze das Fest der diamantenen Hochzeit. Foto: A. Wiese

Linda und Walter Lüßmann sind seit 60 Jahren verheiratet

Meitze (awi). Heute ist es genau 60 Jahre her, dass sich Linda (77) und Walter (83) Lüßmann aus Meitze in Bergen das Ja-Wort gaben. Gefunkt hat es allerdings schon wesentlich früher: Nämlich im Jahr 1950 am Briefkasten. Da sahen sich die damals 15-jährige Linda und ihr sechs Jahre älterer späterer Mann in die Augen, als beide einen Brief ein-
stecken wollten und wussten: „Das ist er beziehungsweise sie!“ Aber von vorne: Walter Lüßmann wurde im August 1928 in Celle geboren, wuchs in Wietze-Hornbostel als Sohn eines Landwirts mit seinen drei Geschwistern auf, besuchte die Volksschule in Wietze und wurde mit 16 Soldat. „Wir wurden an die Flak bei Barleben geschickt, bei Kriegsende waren wir in Groß Lübars, dann war der Krieg vorbei, ich landete bei einem Flüchtling und hatte da vier Pferde zu versorgen.“ In der Pferdekrippe habe er geschlafen, erinnert sich Walter Lüßmann. Er schlug sich dann nach Hause durch, gelangte im Führerhaus eines Güterzuges nach Niedersachsen und sprang in Celle vom Zug. Die Nacht verbrachte er in einer Telefonzelle, am nächsten Tag machte er sich zu Fuß auf den Weg nach Wietze, wo er von seinen überglücklichen Eltern empfangen wurde. Da sein Bruder noch in russischer Gefangenschaft war, wurde er zunächst auf dessen Hof gebraucht.
In Westercelle kennengelernt
Doch dann erhielt er eine Lehrstelle in der Landwirtschaft auf dem Hof des damaligen Bauernpräsidenten Edmund Rehwinkel in
Westercelle. Und das war gut so, denn hier traf er einige Jahre später seine Linda. Die Tochter eines Landwirts aus Westercelle hatte wie es damals üblich war nach der Volksschule ihre Ausbildung in der Haus- und Landwirtschaft auf einem Lehrhof bei Bergen absolviert. Als sie ihren Zukünftigen im Jahr 1950 das erste Mal sah, sei er auf einem Hanomag an ihr vorübergefahren und schon damals sei er ihr aufgefallen, verrät Linda Lüßmann. Man sah sich ab und zu im Dorf, doch erst bei der anfangs erwähnten Szene am Briefkasten funkte es dann. Von nun an „gingen“ die beiden miteinander, stundenlang wurde geklönt, man ging zusammen ins Kino und zum landwirtschaftlichen Ball. Zwei Jahre später, am 24. August 1952, gaben sich Linda und Walter Lüßmann dann im Standesamt in Bergen das Ja-Wort. Die kirchliche Trauung wurde zusammen mit der Taufe der kleinen Tochter Elke, die im Juli das Licht der Welt erblickte, am 17. August in der Celler Stadtkirche gefeiert. Solange Walter Lüßmann noch auf seinem Lehrhof war, wohnte seine Frau mit der Tochter bei ihren Eltern. 1954 erbte die kleine Familie ein Haus in Hornbostel. Walter Lüßmann arbeitete im Kalksandsteinwerk in Winsen. 1956 wurde Sohn Harald geboren. Zwei Jahre später pachteten Lüßmanns einen Hof in Dittmern, mussten diesen
jedoch abgeben, als das Anwesen nach dem Tod des Besitzers 1970 verkauft wurde. Auf der Suche nach einem neuen Pachtbetrieb kamen die Lüßmanns mit ihren drei Kindern – Sohn Uwe war 1966 geboren worden – dann nach Meitze, wo sie einen Hof übernommen haben. Diesen Vollerwerbsbetrieb führten Walter und Linda Lüßmann bis vor 15 Jahren, heute hat Sohn Uwe noch einen Nebenerwerb angemeldet und hält auf dem Hof an der Dorfstraße Pferde. „Wir sind in Meitze sehr nett aufgenommen worden“, erzählt Linda Lüßmann. Sie fand sofort im Kaffeekränzchen, bei den Landfrauen und den „Dorfschwalben“ Anschluss. Er trat in eine Männergeburtstagsrunde ein. Aber viel Zeit blieb neben der Arbeit auf dem Hof ohnehin nicht. „Wir haben immer nur gearbeitet“, sagt Linda Lüßmann. Die Arbeit habe auch Spaß gemacht, doch sie habe oft bedauert, nicht mehr Zeit für ihre Kinder gehabt zu haben. Bei den sechs Enkeln und zwei Urenkeln holte sie das dann nach. „Ich selbst habe eine Oma, die sich um die Kinder kümmert, oft vermisst. Ich habe mich gefreut, immer für meine Enkel da sein zu können“, betont Linda Lüßmann.
Die Familie ist das Wichtigste
Zwar sei das Altenteilerpaar noch lange auf dem Hof in Meitze gewesen und sie habe beide noch lange gepflegt, doch das Gleiche wie eine Oma sei das nicht gewesen, meint sie. Vier der sechs Enkel sind mittlerweile schon groß, aber die beiden im Haus – 13 und zehn Jahre alt – und die elf und acht Jahre alten Urenkel in Bierde können Oma und Opa noch sehr gut gebrauchen. „Die Familie ist das Wichtigste“, sind sich die beiden Jubilare denn auch einig. Und mit der Familie, Freunden und Abordnungen aus Vereinen wird heute auch gefeiert, gleich gegenüber im Gasthaus Langehennig mit 48 Personen. Abordnungen vom Schützenverein und der Feuerwehr sind selbstverständlich auch dabei. Heute Vormittag hat sich ein Vertreter aus Rat und Verwaltung angemeldet, auch die Region werde vertreten sein, erzählt das Jubelpaar, das gespannt ist, was mit dieser diamantenen Hochzeit alles auf sie zukommt. Beide sind froh und glücklich, diesen besonderen Tag miteinander feiern zu können.
Nicht immer war das so klar, denn Walter Lüßmann war auch schon sehr krank, rappelte sich aber immer wieder auf. Sein großes Hobby, den Garten, kann er heute nicht mehr so intensiv machen wie früher. „Da hat er so viel Gemüse produziert, dass die ganze Familie monatelang versorgt war“, erzählen seine Frau und seine Schwiegertochter. Ein Rezept für ihre lange Ehe können beide nicht nennen: „Wir hatten nie sehr viel Zeit füreinander und somit auch nicht zum Streiten“, schmunzeln beide schließlich. Sie hätten ja immer nur gearbeitet. Später seien sie dann aber auch gemeinsam gereist, nach Spanien zum Beispiel.
Und Walter Lüßmann sei im Alter von 80 Jahren sogar zum ersten Mal geflogen. Jetzt sind beide aber am liebsten zu Hause. Linda Lüßmann erholt sich gerade von einem Armbruch und wartet sehnsüchtig darauf, wieder kochen zu können. Und nicht nur sie: Auch ihr Mann und die Enkel sind sich einig: „Bei Oma schmeckt‘s am besten!“