„Ansichten gehen auseinander“

Zogen Bilanz für „Rotkäppchen und der Gugelhupf“: Rotkäppchen Maria Eilers (von links), Künstlerin Agata Malek, die Kulturbeauftragte Angela von Mirbach und die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier. Foto: A. Wiese

Rotkäppchen traf auf differenzierte Statements zum Thema Nachbarschaft

Wedemark (awi). Maria Eilers möchte kein Ranking der Dörfer und daher nicht sagen, wo sie sich in den zehn Tagen, an denen sie als Rotkäppchen mit Gugelhupf und Kaffeekanne im Korb unterwegs war, besonders gut aufgenommen gefühlt hat und wo man sie einmal sogar des Grundstücks verwies. Sie möchte keine Einzelheiten aus den Gesprächen zum Thema „Nachbarschaft“ verraten und auf den Zeichnungen von Künstlerin Agata Malek, die drei Tage lang mit Bleistift und Aquarellfarben dabei war, sind die Menschen verfremdet und dadurch nicht wiedererkennbar. Doch die Ergebnisse der Aktion „Rotkäppchen und der Gugelhupf“ sollen im Herbst in einem Heft mit Texten und Zeichnungen zusammengefasst werden. Das war von Anfang an der Sinn des ganz besonderen Kulturprojekts der Gemeinde Wedemark, in das die Kulturbeauftragte Angela von Mirbach und die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier nicht nur Maria Eilers und Agata Malek sowie die Nähwerkstatt „Taschentalent“ für das Rotkäppchen-Kostüm eingebunden haben, sondern auch sieben Gugelhupfbäckerinnen. Sie waren dem Zeitungsaufruf gefolgt und hatten für Maria Eilers jeweils einen Gugelhupf gebacken, die diese dann auf ihren Spaziergängen durch die Dörfer, die im Vorfeld per Los ermittelt worden waren, mitnahm und den Menschen, die sie am Gartenzaun traf oder an deren Tür sie klingelte zusammen mit einer Tasse Kaffee anbot. Viele hätten durch die Berichterstattung im Vorfeld Bescheid gewusst, dennoch habe es Tage gegeben, wo sie nirgend Einlass gefunden habe, bedauerte Eilers. Andererseits habe es aber auch sehr nette und teils sogar sehr lange Gespräche über das Thema Nachbarschaft gegeben. Am Schluss steht für Maria Eilers die überraschende Erkenntnis, dass quer durch die Wedemärker Dörfer verschiedener Größenordnungen Menschen aus einer Straße begeistert von einer sehr lebendigen guten Nachbarschaft berichten und ihre Nachbarn ein paar Häuser weiter aber genau das Gegenteil berichten. „Wie kann die Wahrnehmung so unterschiedlich sein“, wundert sich nicht nur Eilers, sondern auch die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier. Dennoch sind beide wie auch Angela von Mirbach überzeugt, dass das Projekt in den Besuchten nachhallen werde, und ganz bestimmt auch bei den fleißigen Gugelhupfbäckerinnen, die jede als Dankeschön eine Backform bekommen haben und jetzt vielleicht für ihre Nachbarn spontan einen Kuchen backen.