Anwohner fürchten Leben auf ,Halbinsel‘

Sandabbau am Kickersberg: Ortsrat stimmt weiteren Schritten trotz Protest zu

Mellendorf (sb). Trotz massiver Anwohnerproteste hat der Mellendorfer Ortsrat einer Änderung des kommunalen Flächennutzungsplans in Bezug auf das Sandabbaugebiet Am Kickersberg zugestimmt. Auf einer öffentlichen Sitzung am vergangenen Dienstag entschieden die neun Ratspolitiker einstimmig, dass das von der Region verwaltete Raumordnungsprogramm für die als Sandabbaugebiet ausgewiesene Fläche Am Kickersberg im Flächennutzungsplan konkretisiert werden soll. Für die Einleitung eines solchen Konkretisierungsverfahrens bedarf es der Zustimmung des Verwaltungsausschusses der Gemeinde. Die jüngste Ortsratsentscheidung ist somit nur die erste Tendenz auf dem Weg zum genutzten Sandabbaugebiet. Die zahlreich erschienenen Anwohner sehen ihren Lebensstandard im Falle der Realisierung des Sandabbaus erheblich beeinträchtigt. Es sei mit Lärm- und Staubemissionen zu rechnen, die eine „Unzumutbarkeit“ darstellen würden, hieß es. Das Wohngebiet im Nordwesten Mellendorfs wird bereits jetzt im Osten von der ehemaligen Kiesgrube jenseits der L190 flankiert. Sollte es zum Sandabbau am Kickersberg kommen, fürchten die Anwohner das Leben auf einer „Halbinsel“. Sie rechnen mit unvorhersehbaren Folgen, zumal die Bodenbeschaffenheit nachweislich nicht eindeutig geklärt ist. Die Ortsratsmitglieder konnten die vorgetragenen Sorgen zumindest teilweise entkräften. Der Ortsratsbeschluss sei nicht mehr als eine Empfehlung für den Verwaltungsausschuss, der in dieser Frage die Entscheidungsgewalt innehat. Sollte das Gremium der Änderung des Flächennutzungsplans tatsächlich zustimmen, gebe es immer noch ausreichend Gelegenheit, um alle offenen Fragen zu klären. „Falls es zum Verfahren der Flächennutzungsplanänderung kommen sollte, werden rechtzeitig alle nötigen Gutachten, beispielsweise zur Belastung durch Lärm- und Staubemission und zur Standsicherheit, in Auftrag gegeben“, sagte Rudi Ringe (CDU). Bei einem Ortstermin mit der Gemeindeverwaltung haben sich die Ortsratsmitglieder selbst ein Bild von der Situation gemacht. Um die Standsicherheit der Häuser zu gewährleisten, fordern SPD und CDU einen Abstand der Abbaukante zur Siedlung von 20 bis 30 Metern. Aus Lärmschutzgründen und zur Gewährleistung der Standsicherheit soll darauf ein drei bis vier Meter hoher und mit Bäumen bepflanzter Erdwall errichtet werden. Als Reaktion auf das Unverständnis der Anwohner, warum die Ortsbegehung ohne sie durchgeführt wurde, folgten kleinere Zugeständnisse seitens der Politiker. Bürgermeisterin Christa Goldau versprach, dass alle während der Sitzung vorgebrachten Einwände schriftlich fixiert und in der weiteren Planung berücksichtigt werden. Sollte das Votum des Verwaltungsausschusses positiv ausfallen und das Sandabbaugebiet im Flächennutzungsplan tatsächlich als solches aufgenommen werden, wird ein Abbauantrag der Firma Butenhoff erwartet. Im weiteren Verlauf dieses Antrages könnten die von den Politikern genannten Minimalforderungen als Abbaubedingung geltend gemacht werden.