Arbeiten wie vor 100 Jahren

Die Klasse 4c der Grundschule Mellendorf erprobt alte Techniken vorm Heimatmuseum
 
Aus Sahne Butter herstellen in hölzernen Butterfass mit Stampfer war gar nicht so leicht.

Ein anstrengender, spannender Museumsvormittag für Schulkinder

Bissendorf. Die Klasse 4 c der Grundschule Mellendorf musste im Rahmen des Projekts „Technik erfahren und verstehen“ an einem Vormittag im Richard-Brandt-Heimatmuseum Wedemark richtig hart arbeiten. Mit alter Technik und Geräten aus dem Museum erfuhren die Schüler, wie und mit welchen Hilfsmitteln vor 100 bis 200 Jahren auf den Höfen und in den Haushalten der Wedemark die Arbeiten des täglichen Lebens erledigt wurden.
Bei herrlichem Sommerwetter waren im Amtsgarten in Bissendorf fünf Stationen aufgebaut, an denen die Kinder in Gruppen „arbeiten“ mussten. Zunächst wurde Korn mit speziellen kleinen Kinderdreschflegeln aus dem Getreide gedroschen, eine nicht ganz ungefährliche Arbeit, weil dabei jeweils die Nachbarn im Auge behalten werden mussten.
Anschließend versuchten sie, die so gewonnenen Roggenkörner zwischen zwei Steinen zu zermahlen, so wie es unsere Vorfahren während der Steinzeit machten – allerdings gelang dies nur mit mäßigem Erfolg, die Kräfte der Kinder reichten dafür nicht aus. Ein besseres Ergebnis war den Schülern mit der kleinen steinernen Mühle beschert, hier war die Ausbeute an grob gemahlenem Mehl deutlich größer.
An einem weiteren Stand wurde aus Sahne Butter hergestellt, mit einem gläsernen Butterfass mit einer Kurbel und einem deutlich älteren hölzernen Butterfass mit Stampfer. Das beste Ergebnis erzielten die Kinder mit dem klassischen hölzernen Butterfass – auch wenn die Arme zwischendurch etwas müde wurden. Toll war, dass sie ihre selbst gemachte Butter gleich vor Ort mit einem klassischen Butterbrot probieren konnten. Die beim Buttern entstandene Buttermilch fand ebenfalls reißenden Absatz – kein Tropfen blieb übrig. Am vierten Stand zeigte Dorothee Lüdeke aus Brelingen den Kindern, wie ein Spinnrad bedient und damit Wolle zu Garn gesponnen wird. Aus dem großen Haufen an Schafwolle gelang es den Kindern, richtiges Garn auf Spulen zu zaubern. Spaß machte natürlich auch das Hantieren und Spielen mit der losen Schafwolle, die man problemlos zu Bärten und Haarfrisuren formen konnte.
Weil durch diese Arbeiten Kleidung natürlich auch dreckig wurde, musste am letzten Stand Wäsche gewaschen werden – mit Kernseife und Waschbrett in einer großen Zinkwanne. Das Wasser dazu musste mit Eimern und einem Tragejoch herangeholt werden – denn das Wasser kam früher nun mal „nicht aus der Wand“. Dieses Projekt hatte Anja Leue, die Klassenlehrerin der Grundschulklasse, bei Elke Steinmetz von der Firma „Lernbegleitung Wedemark“ angefragt und gemeinsam für diese Klasse in Zusammenarbeit mit dem Museum entwickelt. Die Projektleiterin Elke Steinmetz war mit dem Ergebnis dieses Vormittags am Museum sehr zufrieden und die Kinder waren von dieser körperlichen Arbeit richtig geschafft und brauchten anschließend nach Rückkehr in die Schule erst einmal eine kurze Auszeit, um sich wieder auf den Unterricht im Klassenraum konzentrieren zu können.
Als zweiten Teil dieses Projektes hatten die Kinder in der Schule den Auftrag, aus den Erfahrungen mit den alten Geräten ihre Ideen für Verbesserungen zu entwickeln, die die schwere Arbeit leichter machen könnten. Zwei Tage nach dem Termin am Museum besuchten vier Mitglieder des Museumsteams die Klasse in der Schule und staunten nicht schlecht, wie die Kinder mit großem Eifer dabei waren, Wind- und Wassermühlen zu bauen, um durch die eingebauten Zahnräder eine bessere Kraftübertragung zu erreichen, um zum Beispiel das Getreide leichter und in größeren Mengen mahlen zu können.
Für die Lehrerin, die externe Projektleiterin und das Museumsteam war diese Zusammenarbeit eine neue Erfahrung, die allseits aber als gelungen angesehen wurde.