Archäologische Funde an der Ostlandstraße

Hält ein Zeitzeugnis in den Händen: Der Archäologe Attila Kis präsentiert eine antike Keramikscherbe, die auf dem Baugrund gefunden wurde.
 
Hier haben Menschen in der Vorzeit Feuer gemacht: Auf dem Baugebiet Südlich Ostlandstraße fanden die Archeologen eine antike Lagerstätte.

Zwei Urnen, zwei Keramikschalen als Grabbeigaben, zwei Feuerstellen und eine Scherbe gefunden

Wennebostel (awi).Archäologische Funde auf einem künftigen Baugebiet begeistern Archäologen, aber auch Bürgermeister Helge Zychlinski, Ortsbürgermeister Achim von Einem und Bissendorfs Hobbyhistoriker Cord Knibbe.  Zwei Urnen, vermutlich aus der Bronze- oder Eisenzeit, zwei Keramikschalen als Grabbeigaben, zwei Feuerstellen und eine weitere Keramikscherbe fanden Archäologen bei der präventiven Untersuchung des künftigen Baugrundes auf dem Gebiet „Südlich Ostlandstraße“ in Wennebostel.
„Das ist eine wirklich tolle Geschichte“, freut sich Ute Dela Bursi von der unteren Denkmalschutzbehörde der Gemeindeverwaltung. Sie ist im Team Bauplanung und Bauaufsicht auch für Archäologie zuständig. „Das ist ein Routinevorgehen bei der Erschließung neuer Baugebiete“, erklärt sie die archäologischen Arbeiten im Bereich südlich der Ostlandstraße in Wennebostel. Auch in anderen bisherigen Baugebieten seien solche Untersuchungen durchgeführt worden.
Mit der Untersuchung beauftragt war ein Team der Firma ArcheoFirm, die in solchen Fällen übliche, sogenannte „harte Prospektion“ durchzuführen. Die Fachleute orderten eine Tiefbaufirma, die mit einem Bagger mehrere Streifen Mutterboden und eine Zwischenbodenschicht über die ganze Länge des Baugebietes abtrug. In diesen „Sondageabschnitten“ machte sich der Archäologe Attila Kis auf die Suche nach Auffälligkeiten im Boden. „Es sind Verfärbungen des Untergrundes, die auf menschliche Spuren hindeuten“, erklärt Attila Kis seine Taktik. „Eine Feuerstelle ist meist dunkler. Auch wenn Löcher gegraben wurden, sind die erfahrungsgemäß mit andersfarbiger Erde aufgefüllt.“ So entdeckte der Fachmann die Relikte aus der Vorzeit der Wedemark. Er legte akribisch alle Funde frei, vermaß sie und hielt sie maßstabsgetreu auf Millimeterpapier fest. Im Anschluss machten sich die Spezialisten daran, die Fundstücke zu bergen. Mitsamt der umgebenden Erde wurden sie im Block aus dem Boden gehoben und abtransportiert. Zwischengelagert werden die Entdeckungen beim Landesamt für Denkmalpflege. Dort prüfen Fachleute ihre tatsächliche historische Bedeutung und leiten gegebenenfalls weitere Untersuchungen der Entdeckungen ein.
Um jede Fundstelle herum erweiterten die Archäologen den Suchradius vorschriftsmäßig noch einmal um jeweils zehn Meter. So gingen sie sicher, keine Relikte aus der Vergangenheit zu übersehen. Jetzt könne man nach derzeitigen Standards davon ausgehen, dass auf dem künftigen Baugebiet nichts Bedeutendes aus der Vergangenheit verborgen sei, sagt Attila Kis.
„Die Untersuchung des Geländes und die Bergung der Fundstücke verzögern das Bauvorhaben nicht“; versichert Ute Dela Bursi. So ein Vorgehen werde bereits bei der Ablaufplanung terminiert. Da vor einigen Jahren bei einer archäologischen Untersuchung an der Lindenstaße, knapp 300 m nordöstlich, vorgeschichtliche Siedlungsbefunde dokumentiert wurden, habe das Landesamt für Denkmalpflege die Untersuchungen des mehr als 4000 m² großen Plangebietes zur Auflage gemacht, erläutert Dela Bursi weiter. „Der eigentliche Arbeitsbeginn für das neue Wohngebiet in Wennebostel ist für Anfang August geplant. Jetzt, nachdem die Fundstellen wieder zugeschüttet wurden, steht den eigentlichen Erschließungsarbeiten nichts mehr im Weg.“
Bereits letzte Woche hatte Bissendorfs Hobbyhistoriker Cord Knibbe, der nicht weit von dem künftigen Baugebiet auf der Bissendorfer Seite wohnt und die Arbeiten beobachtet hatte, darauf hingewiesen, dass bei den archäologischen Routinearbeiten ganz offensichtlich Feuerstellen und mehr entdeckt worden seien. Die Gemeinde hatte die Presse aber auf Nachfrage ausdrücklich um Zurückhaltung gebeten, um die professionellen Arbeiten nicht nur Hobbyarchäologen zu torpedieren, die bei solchen Meldungen erfahrungsgemäß schnell auf dem Plan stehen. Nachdem jetzt die Untersuchungen durch die Fachleute abgeschlossen und die Gräben wieder zugeschüttet sind, hatte Pressesprecher Ewald Nagel wie zugesagt offiziell über die Funde informiert. Wedemarks Bürgermeister Helge Zychlinski und Ortsbürgermeister Achim von Einem betonten gegenüber dem ECHO, dass diese Funde ein weiterer Beleg für die frühe Besiedelung der Wedemark seien und diese einmal mehr in den Fokus rücken würden.