ASV Neustadt im Wettbewerb

Holger Machulla (vierter von links) erklärt Jurymitgliedern und Teilnehmern an der Begehung das Projekt „Kies für die Jürse“. Foto: B. Stache
 
Für das Umweltprojekt bringt der ASV Neustadt 330 Tonnen Kies in die Jürse. Foto: B. Stache

Expertenkommission nimmt das Projekt „Kies für die Jürse“ in Augenschein

Luttmersen (st). Seit Jahren schon setzt sich der Angelsportverein (ASV) Neustadt a. Rbge. aktiv für den Naturschutz ein. „Wir haben zirka 150 Mitglieder in der Wedemark“, berichtete ASV-Vorsitzender Holger Machulla. Sein Verein unterhält in der Wedemark die Gewässer Meitzer Teich, Brelinger Kiesteich und Autobahnsee Mellendorf. Mit seinem Projekt „Kies für die Jürse“ hat sich der Verein bei „Bach im Fluss – der Niedersächsische Gewässerwettbewerb 2018“ beworben, einem Wettbewerb des Niedersächsischen Umweltministeriums und der Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen Spitzenverbände. Die Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N., deren Ziel ist es, Kommunen, kommunalen Verbänden und kommunalen Unternehmen bei der Lösung örtlicher Umweltaufgaben zu helfen, wurde mit der Organisation betraut. „Unserem Verein ist es gelungen, unter die letzten zwölf Teilnehmer zu kommen“, freute sich ASV-Vorsitzender Holger Machulla. Sein Verein hatte sich im Bereich Ehrenamt für den Wettbewerb angemeldet, an dem ehrenamtliche Vereine, Initiativen oder ähnliche und hauptberuflich Aktive aus Kommunen oder Verbänden teilnehmen können. Die Sieger in den Kategorien Haupt- und Ehrenamt erhalten die Auszeichnung „Niedersächsische Bachperle 2018“. Es werden auch Preisgelder vergeben. Zusätzlich lockt ein Sonderpreis der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung. Am Dienstag war eine siebenköpfige Expertenkommission, bestehend aus Gewässer- und Umweltspezialisten, nach Luttmersen gekommen, um sich vor Ort über den ASV-Wettbewerbsbeitrag „Kies für die Jürse“ zu informieren. Der ASV Neustadt hat das Fischereirecht im Jürse-Bach seit 1994 gepachtet – der Verein nutzt das Gewässer, in dem nicht geangelt werden darf, nur für Artenschutzprojekte. „Bei den jährlichen Kartierungen der Fischbestände wurde festgestellt, dass gerade im Unterlauf der Jürse ein sehr geringes Fischaufkommen ist mit meist nicht geschützten Arten“, erklärte Holger Machulla. Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Jürse – vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz als Kiesgewässer eingestuft – in weiten Bereichen eine versandete und verschlammte Sohle hat. Da der Sand sichtbar in Bewegung ist, können sich dort nur schlecht Fischnährtiere, sogenannte Makrozoobenthos, halten. Der Fischlaich wird zudem durch den Sand abgedeckt und abgetötet. Auf Initiative des ASV Neustadt wurden im Winter 2016/17 330 Tonnen Kies mit einem Wert von mehr als neuntausend Euro in das Gewässer eingebracht. An der Finanzierung des Jürse-Kies-Projekts hat sich die Region Hannover mit 4000 Euro beteiligt, vom Unterhaltungsverband Untere Leine kamen 650 Euro, der ASV Neustadt hat aus eigenen Mitteln 3000 Euro dazugegeben. „Die Naturschutzbehörde hat uns Freistellung erteilt, damit wir im Naturschutzgebiet arbeiten konnten“, erinnerte Holger Machulla. „Bei den ersten Monitoring-Untersuchungen konnten wir neben einem deutlich verbesserten Fischbestand auch eine recht große Anzahl an Rote-Liste-Arten wie Bachneunauge und Mühlkoppe feststellen“, berichtete der ASV-Vorsitzende mit Freude. „Wir sind gerade dabei, den nächsten Abschnitt zu planen, um aus der Jürse langfristig ein gesundes Gewässer zu machen, in dem die Fische, Kleinstlebewesen aber auch Fischotter und Eisvögel sich wohl fühlen.“ Holger Machulla erklärte den Kommissionsmitgliedern, dass der ASV hofft, mit dem Einbringen von Kies in die Jürse vor allem für Lachse und Bachforellen viel zu erreichen. Der ASV habe sich bewusst für groben Kies entschieden, damit dieser nicht bei Hochwasser weggespült wird. „Das Jürsebach-Projekt ist das zweite, das die Jury heute bereist. Wir haben insgesamt zwölf Teilnehmer am Wettbewerb“, berichtete Jurymitglied Joachim Wöhler vom Niedersächsischen Umweltministerium. „Die Siegerehrung ist am 15. Oktober in Hannover“, kündigte er an.