Auf dem offenen Schießstand knallt es wieder

Andreas Stieber trägt alle Informationen akribisch in die Schießkladde des Negenborner Schützenvereins ein. Fotos: A. Wiese
 
Schießen mit dem vorgegebenen Abstand zueinander: Jugendobmann Mathias Biester und Damenleiterin Elena Zukova. Gerd Schiebusch (links) hat die Standaufsicht am offenen Schießstand in Negenborn.

Negenborner Schützen haben den Schießbetrieb im Wald mit Auflagen aufgenommen

Negenborn (awi). Peng, peng, peng. Laut peitschen die Schüsse durch das Waldstück an der Landesstraße hinter dem Negenborner Friedhof. Eigentlich keine ungewohnten Geräusche, denn den offenen Schießstand gibt es an dieser Stelle schon seit 1948. Der Arbeitsdienst des Hitler-Regimes habe ihn einst erbaut, weiß Negenborns Schützenvereinsvorsitzender Andreas Stieber zu berichten. Doch zwei Monate lang herrschte dann seit Mitte März auf einmal gespenstische Stille, denn wie alle andere Schützenvereine musste auch der Negenborner seinen Schießbetrieb in Corona-Zeiten komplett einstellen. Jetzt geht es im Zuge der Lockerungen wieder allmählich los. In den geschlossenen Schützenhäusern darf noch nicht geschossen werden. Glück für die Schützenvereine, die einen sogenannten offenen Schießstand zur Verfügung haben. In der Wedemark ist das ausschließlich Negenborn. Im Gebiet des Kreisschützenverbandes außerdem noch der Schützenverein Langenforth in Langenhagen.
Doch die Auflagen, die mit der Wiederaufnahme des Schießbetriebs verbunden sind, sind hoch und haben den Verein vor gewaltige Herausforderungen gestellt, berichtet Andreas Stieber am zweiten Trainingstag. Am ersten Tag am 14. Mai hatten sich 18 Schützen angemeldet, nicht nur aus Negenborn, auch aus anderen Vereinen, denn den aktiven Sportschützen brannte es unter den Nägeln: Sie sind verpflichtet, ihr regelmäßiges Schießtraining zu protokollieren und nachzuweisen. „Dass man jetzt wegen Corona nicht schießen durfte, muss sicherlich berücksichtigt werden, aber natürlich wollen die Schützen so bald wie möglich wieder trainieren“, so Stieber, der mit seinen Vereinskollegen für den ersten Trainingstag alles akribisch vorbereitet hatte.
Statt an drei kann jetzt nur noch an zwei Ständen geschossen werden, um die vorgeschriebenen zwei Meter Abstand zu gewährleisten. Das gilt für den Kleinkaliberstand ebenso wie für den Pistolenstand. Mund- und Nasenschutz ist für alle Pflicht, für die Schützen ebenso wie für die aufsichtsführenden Personen. Im Aufenthaltsbereich dürfen immer nur die zwei Schützen anwesend sein, die gerade schießen. Jeder Schütze hat bei der Anmeldung über die Homepage des Negenborner Schützenvereins ein konkretes Zeitfenster zugeteilt bekommen. Das bedeutet, er bekommt genau vorgeschrieben, wann er kommen darf und wann er gehen muss. Jeder Sportschütze hat genau 20 Minuten. Austausch mit den anderen Schützen? Zurzeit nicht möglich. Schießleiter Andreas Stieber und Standaufsicht Gerd Schiebusch protokollieren für die Nachverfolgbarkeit einer möglichen Infektionskette ganz genau, wer wann auf welchem Stand geschossen hat. Die Schützenjugend kann zurzeit gar nicht trainieren und die Jungschützen sind auch dementsprechend traurig, aber auf dem offenen Schießstand darf man erst ab 14 Jahren schießen. Die Negenborner Nachwuchsschützen sind alle jünger und im Schützenhaus im geschlossenen Raum ist es laut Verordnung noch verboten.
Am zweiten Schießtag haben sich 16 Schützen angemeldet, sie absolvieren ihr Training und tragen das in ihr Schießbuch ein, das der Schießleiter abstempelt. Im Gegenzug nimmt Andreas Stieber die Daten für die Schießkladde des Vereins auf. Die Eintragungen im Vereinsbuch und im Schießbuch des Schützen müssen bei einer möglichen Kontrolle genau übereinstimmen. Diese Bestimmungen gelten unabhängig von Corona. Doch es kommt ja noch einiges dazu: Der Verein hat Handdesinfektionsgeräte und Waschbehälter angeschafft, Desinfektionsmittel in großen Kanistern für die Flächendesinfektion und die der Waffen. Auch der Gehörschutz muss jedes Mal gereinigt werden. Doch die Schützen aus Negenborn und anderen befreundeten Vereinen des Kreisverbandes nehmen das gerne auf sich, wenn sie nur ihrem Sport wieder nachgehen können. Und hoffen natürlich auf weitere Lockerungen und Normalisierung der Situation, die auch die Kommunikation untereinander wieder erlauben. „Wann wir allerdings unser gerade neu eingeführtes Blasrohrschießen wieder aufnehmen dürfen, darüber mag ich momentan gar nicht spekulieren“, sagt Vereinsvorsitzender Andreas Stieber schulterzuckend.