Aus Protest gegangen

Die Sprecher des Bürgervereins für eine lebenswerte Wedemark, Christoph Chilla (links), und der Bürgerinitiative Gailhof, Maggie Garland. Foto: A.Wiese

BI und BLW kritisieren Ton des Bürgermeisters

Gailhof/Meitze (awi). Wer ein öffentliches Amt bekleidet – ob bezahlt oder ehrenamtlich – der muss auch aushalten können, wenn Menschen sich gegen seine Entscheidungen zur Wehr setzen, finden Maggie Garland von der Bürgerinitiative Gailhof und Christoph Chilla vom Bürgerverein für eine lebenswerte Wedemark. „Umso mehr, wenn diese Entscheidungen Menschen ins Mark treffen, ihren persönlichen Lebensbereich auf Dauer und unwiderruflich und tief beeinträchtigen“, heißt es in einer Pressemitteilung von BI und BLW am Dienstagmorgen.Am Montagabend hatten die Bürger aus Gailhof und Meitze aus Protest die Ratssitzung verlassen, als Bürgermeister Helge Zychlinski die Anwürfe an Mellendorf/Gailhofs Ortsbürgermeisterin Jessica Borgas in der Ortsratssitzung eine Woche zuvor scharf kritisiert hatte. „Standing und Empathie scheinen diese dem Bürgermeister der Gemeinde Wedemark zu fehlen“, so der Wortlaut der Presseerklärung von BI und BLW. Statt sich in all den Monaten und Jahren einmal persönlich mit den Betroffenen getroffenn und ihre Sorgen angehört zu haben, habe die Öffentlichkeit am Montagabend einen „beleidigenden Wutausbruch des Bürgermeisters gegen Bürgerverein und Bürgerinitiative“ erlebt. Die Anwohner des geplanten Industrie- und Gewerbegebietes Neuer Hessenweg hätten deshalb den Saal verlassen noch bevor der Gemeinderat mehrheitlich der Flächennutzungsplanänderung zugestimmt habe.
Die Anwohner versuchten seit Jahren, sich Gehör für ihre Sorgen und Belange bei den Politikern zu verschaffen, beklagen sie und resümieren für sich: „Ohne jeglichen Erfolg“. Gespräche mit den Bürgern würden rigoros abgelehnt, stattdessen zögen sich Verwaltung und Politik auf die notwendigen Schritte eines vorgeschriebenen Bauleitverfahrens und auf Corona-Einschränkungen zurück. Aus Sicht von BI und BLW spräche die Anwesenheit von gerade einmal knapp 40 Prozent des Gemeinderates nicht gerade für viel Interesse des Rates an den Belangen der betroffenen Bürger. Allerdings hatte der Ratsvorsitzende Markus Schmieta zu Beginn der Sitzung ausdrücklich betont, dass sich die Fraktionen auch diesmal auf ein Pairing-Abkommen verständigt hätten: Es nehmen weniger Ratsmitglieder an der Sitzung teil, um unter Corona-Bedingungen mehr Zuschauern die Teilnahme zu ermöglichen. Von der Relation bleibt das Stimmverhältnis bei Pairing jedoch erhalten. Die Bürger interpretierten die reduzierte Besetzung aber offenbar anders.
Bürgermeister und ehrenamtliche Politiker hätten es trotz über 180 Seiten Einwendungen nicht verstanden, dass sich die betroffenen Bürger nicht gegen ein Gebiet mit Kleingewerbe wendeten, sondern gegen das fast zehn Hektar große Industriegebiet mit Hallen bis zu 15 Metern Höhe und insgesamt 2.000 zusätzlichen Fahrzeugbewegungen täglich, und das genau vor ihrer Haustür, so der Wortlaut der Pressemitteilung von BI und BLW, die sich auf mehrere Gutachten stützen. Die Bürger führen außerdem an, dass diverse Politiker aus dem Gemeinderat, die nicht CDU oder SPD angehörten, gegen die Pläne an diesem Standort beziehungsweise gegen das Industriegebiet argumentiert und gestimmt hätten. „Interessiert hat das nicht“, kritisieren BI und BLW in ihrer Pressemitteilung vom Dienstag.