Ausbildung mit Auszeichnung abgeschlossen

Daniela Kothe am Arbeitsplatz des Gardemanger in der Küche des Heide Kröpke. Chefin Inga Zimolong schaut ihr dabei interessiert über die Schulter. Foto: A. Wiese

Heide Kröpke ist mit Köchin Daniela Kothe mehr als zufrieden

Essel (awi). Ausbildung ist ein Thema im Focus der Medien: Entweder gibt es zu wenig Ausbildungsplätze, dann wieder zu wenig Ausbildungswillige und wenn es sie gibt, dann nicht die richtigen. Zuletzt beherrschte die Schlagzeile die Medien, dass jeder vierte Auszubildende in Deutschland seine Ausbildung abbreche. Da tut es richtig gut, mal etwas Positives über Ausbildung zu hören: Im Hotel Heide Kröpke in Essel im Ostenholzer Moor hat Köchin Daniela Kothe aus Ahlden ihre zweijährige Ausbildung gerade mit Auszeichnung abgeschlossen und wird selbstverständlich übernommen. Ihre Arbeitgeber Inga Zimolong-Wilmes und Bernd Wilmes sind voll des Lobes über ihre „Vorzeigeköchin". Das Besondere an der Sache: Daniela Kothe ist 36 Jahre alt und Mutter dreier Kinder. Sie hat einen eher ungewöhnlichen beruflichen Werdegang hinter sich – und ein noch viel ungewöhnlicheres Hobby, das sich in ihrer Frisur und ihrem Make up niederschlägt: Daniela Kothe ist Mitglied im Erschreckerverein „Boo Crew" aus Hamburg.
Aber von vorne: Ausbildung hat im Vier-Sterne-Superior-Hotel Heide Kröpke von jeher einen hohen Stellenwert. Hier werden Köche, Restaurant- und Hotelfachleute sowie Hotelkaufleute von qualifizierten Ausbildern geschult. In jedem Berufsfeld stellt das Hotel in der Regel pro Jahr zwei Ausbildungsplätze zur Verfügung. Zurzeit gibt es 15 Azubis im Restaurant und Hotel. Die Ausbildungen beginnen entweder zum 1. August oder zum 1. Februar, wie es zum Beispiel bei Daniela Kothe der Fall war. Als sich die Mutter dreier Mädchen im Alter von zehn bis 15 Jahren vor etwas mehr als zwei Jahren um den Ausbildungsplatz bewarb, hätten sie erst mal gestutzt, geben Inga Zimolong und ihr Mann offen zu. Doch dann hätten sie gleich gesagt: „Warum nicht?“ Daniela Kothe stellte sich vor, arbeitete Probe, bekam den Ausbildungsplatz und hat ihre Arbeitgeber bis heute nicht einmal enttäuscht. „Zum einen sind wir mit ihrer Arbeit sehr zufrieden und sie bringt viele Ideen ein, zum anderen ist Frau Kothe auch intern belohnt worden, weil sie nicht einen Tag krank gewesen ist", erklärt Bernd Wilmes. Wie kommt man als 36-jährige Mutter von drei Kindern dazu, sich um einen Ausbildungsplatz zu bewerben? Daniela Kothe hat die Schule mit dem Fachabitur in Bautechnik abgeschlossen und ging dann als eine der ersten Frauen zur Bundeswehr, wo sie von 1996 bis 1998 als Sanitäterin im Einsatz war – die einzige Position, die Frauen zu der Zeit bei der Bundeswehr bekleiden konnten, erklärt sie. Bei der Bundeswehr lernte sie ihren Mann kennen und gründete eine Familie. Neben ihrem „Hauptjob" als Mutter und Hausfrau jobbte sie in den nächsten Jahren. In einem Alten- und Behindertenheim entdeckte sie als Vertretung der Köchin ihre Affinität zu diesem Beruf und als der Betrieb nach zwei Jahren nach Hannover umzog und sie arbeitslos wurde, stand für Daniela Kothe fest: „Ich möchte eine Ausbildung zur Köchin machen." Das Arbeitsamt erkannte sie nach einem Praktikum im Heide Kröpke für förderungswürdig an, so dass sie in den zwei Jahren während ihrer Ausbildung zusätzlich zum Ausbildungsentgeld ihr Arbeitslosengeld weiter bekam. Den Praktikums- und späteren Ausbildungsplatz hat sich Daniela Kothe durch Eigeninitiative selbst besorgt. Warum gerade das Heide Kröpke? „Weil es für mein Empfinden das beste Haus in der Umgebung ist", lautet die Antwort. Dass dementsprechend auch die Ansprüche an die Auszubildenden beziehungsweise Mitarbeiter sind, hat die selbstbewusste junge Frau nie geschreckt. Ihre guten Leistungen haben unter anderem dazugeführt, dass ihre Ausbildungszeit auf zwei Jahre verkürzt werden konnte. Die Prüfung hat sie jetzt mit der Note 1,2 und damit mit Auszeichnung abgeschlossen. Und wie war das an der Berufsschule? „Klar war ich mit Abstand die älteste Schülerin und am Anfang war es schon ein bisschen komisch", gibt Daniela Kothe zu: „Ich war ja teilweise älter als die Lehrer." Und man sei ihr natürlich auch mit einer gewissen Skepsis begegnet. „Aber ich bin ja nicht auf den Mund gefallen und es hat sich alles schnell normalisiert", erklärt sie. Zu Mitschülern und Lehrern baute sie ein so gutes Verhältnis auf, dass sie im Heide Kröpke jetzt nach ihrer Übernahme die Funktion der Vermittlerin zwischen Auszubildenden und Schule übernommen hat und den Azubis quasi als Patin zur Seite steht. Ihre Familie habe sie während ihrer Ausbildung immer unterstützt, erzählt Daniela Kothe: „Die Kinder fanden es lustig, wenn ich Hausaufgaben gemacht und gelernt habe. Und vor den Arbeiten fanden sie mich anstrengend und nervig." Chefin Inga Zimolong schmunzelt, als sie sich an einen Besuch der Lehrer im Ausbildungsbetrieb erinnert: „Die Lehrer erzählten uns, dass Frau Kothe die Klasse im Griff hat. Man merkte schnell, dass sie in der Schule sehr respektiert wurde." Sie und ihr Mann hätten ihre Entscheidung für eine „ältere Auszubildende" nie bereut und würden dies auch jederzeit wiedertun. „Wir hatten bereits einmal einen 34-jährigen Mann, der bereits zwei abgeschlossene Ausbildungen zum Fleischer und zum Fischfachwirt hatte und zusätzlich noch Koch werden wollte, um für eine eigene Betriebsgründung optimal vorbereitet zu sein. Mit ihm haben wir auch nur gute Erfahrungen gemacht. Er hat seine Ausbildung nur nicht beendet, weil sich für ihn früher als erwartet die Gelegenheit zu einer Betriebsübernahme ergab", erzählt Bernd Wilmes.
Daniela Kothe, nachdem sie ausgelernt hatte, zu übernehmen, sei keine Frage gewesen, bestätigen Inga Zimolong und ihr Mann. „Natürlich können wir nicht jeden übernehmen. Aber wir wollen die guten natürlich auf jeden Fall behalten", sind sich beide einig. Zurzeit sind 13 Köche in der Küche des Hotels beschäftigt, das insgesamt 70 Mitarbeiter für 60 Hotelzimmer und 180 Restaurantplätze hat. Die ersten Mitarbeiter in der Küche fangen um 6 Uhr an. Die letzten machen die Küche um 22 Uhr dicht. Im Heide Kröpke gibt es täglich das ganze Jahr über warme Küche.
Jeder Koch in der traditionell aufgestellten Küche hat bestimmte Aufgaben. Da gibt es den Fleischkoch (Saucier), den Entremetier (ist für die Sättigungsbeilagen und Gemüse zuständig), der Gardemanger für die kalte Küche und den Patisseur für die Desserts. Daniela Kothe mag alle Aufgaben gerne und ist damit der ideale Springer. Aber auf mehrmalige Nachfrage überlegt sie sich, wenn sie sich etwas aussuchen dürfte, würde sie am liebten den Gardemanger machen. Hier kann sie ihrer Kreativität am meisten freien Lauf lassen. Als Koch im Heide Kröpke mit seiner gehobenen gut bürgerlichen Käüche mit regionalen und saisonalen Schwerpunkten muss man auch Wild nicht nur zubereiten, sondern auch aus der Decke schlagen können. Denn die Jäger liefern die Rehe, Hirsche, Wildschweine, Fasane oder Wildtauben so an, wie sie sie geschossen haben. „Das ist ja das Schöne an der Arbeit hier, dass sie so vielseitig und anspruchsvoll ist", meint die Köchin. Und wenn sie dann mal nicht in der Küche des Heide Kröpke hinter dem Herd steht, ist sie mit der Boo-Crew ihres Erschreckervereins aus Hamburg bei Gastauftritten unterwegs. Primäres Objekt des Vereins ist der Heidepark in Soltau, wo die professionellen Erschrecker bei Events auftreten. „Aber wir fassen niemanden an wie in der Geisterbahn auf dem Rummel und wir wollen auch nicht angefasst werden", betont die „Erschreckerin". Sie und ihre Kollegen wendeten sich viel mehr an die Grundängste der Menschen vor Dunkelheit, räumlicher Enge, sprächen den Geruchs- und Tastsinn an. „Ich hatte schon immer eine gewissen Affinität zu Horror und Grusel", schmunzelt Daniela Kothe. Ihre Chefs stört das nicht, denn was ihre Köchin in der Küche zaubert, ist alles andere als zum Gruseln!"