Baubranche mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung

Der Leiter der Niedersächsischen Ausbildungszentren, Emke Emken (von links), Mellendorfs Ortsbürgermeister Rudi Ringe, Sozialministerin Aygül Özkan, die CDU-Gemeineverbandsvorsitzende Editha Lorberg, Ministerpräsident David McAllister und der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Björn Thümler, sprechen der Baubranche eine gesamtgesellschaftliche Funktion zu. Foto: S. Birkner

CDU-Landtagsfraktion besucht Ausbildungszentrum der Bauindustrie

Mellendorf (sb). Beim Anblick der Schulungsflächen für Pflasterarbeiten legte Björn Thümler spontan selbst Hand an: Er ergriff eine Schaufel und grub im Sand. Dass offensichtlich sogar der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion die Arbeit mit rustikalen Werkzeugen als typische Beschäftigung im Bauhandwerk ansieht, stand in dieser Situation sinnbildlich für die allgemeine Unterschätzung der gesamten Branche. Emke Emken, der Leiter der Niedersächsischen Bauindustrie-Bildungszentren, appellierte sogleich an den Christdemokraten: Mit rein körperlicher Arbeit habe das Bauhandwerk schon lange nichts mehr zu tun. „Die Branche hat in den vergangenen Jahren eine Modernisierung hin zur hochtechnologischen Ausstattung mit anspruchsvollen Geräten durchlebt“, belehrte er Thümler und hob so den heutigen Charakter des Baugewerbes hervor.
Thümler war am vergangenen Dienstag mit der gesamten CDU-Landtagsfraktion im Mellendorfer Ausbildungszentrum der Niedersächsischen Bauwirtschaft zu einer Sitzung erschienen. Dabei nutzte er die Gelegenheit, den gesellschaftlichen Stellenwert des Baugewerbes in Form eines Rundgangs durch die Ausbildungsstätte zu würdigen. Wie Emken erklärte, werde das Mellendorfer Ausbildungsinternat derzeit für rund sechs Millionen Euro modernisiert. „Diese Maßnahme ist dem heutigen Charakter des Baugewerbes angemessen“, stellte er fest. Für das Dorf sei die Ausbildungsstätte mit 20 festen Mitarbeitern ein „nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor“. Die Bauindustrie stelle die einzige Gewerbebranche überhaupt dar, in der eine überbetriebliche Ausbildung obligatorisch ist. Somit seien die 160 Internatszimmer in Mellendorf permanent belegt. „Für die Finanzierung dieser 37 Wochen umfassenden zentralen Weiterbildungen kommen alle Betriebe gemeinsam auf“, sagte Emken.
Die CDU-Fraktion beleuchtete die Bedeutung des heimischen Handwerks in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext. Einerseits seien Niedersachsens Infrastrukturprojekte auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen, andererseits sorgte eine gesicherte Beschäftigungssituation für individuelle Zufriedenheit. „Der Ausbildungsmarkt boomt derzeit, die Jugendarbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr“, sagte Thümler. Heute würde sich deutlich zeigen, dass sich frühere Investitionen in den Ausbildungsmarkt rentiert haben. „In Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben hat das Land es vollbracht, hervorragende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufslaufbahn zu schaffen“, erklärte Thümler. Neben dem Fraktionsvorsitzenden war auch der Großteil der 69 CDU-Landtagsabgeordneten in Mellendorf erschienen. Nicht nur Innenminister Uwe Schünemann, Sozialministerin Aygül Özkan und Landtagspräsident Hermann Dinkla zählten zu den Besuchern: Sogar Ministerpräsident David McAllister nahm sich Zeit, eine der Kinderstuben des über 75.000 Niedersachsen beschäftigenden Industriezweigs zu besuchen.