Behinderte wollen sich aktiv einbringen

Auch die Rampe vor dem SPD-Bürgerbüro ist zu steil für Rollstuhlfahrer, erklärte Gabriele Wolff aus der SPD-Arbeitsgruppe Heiner Peterburs von der SPD und Arbeitsgruppenkollegin Renate Löhr. Foto: A. Wiese

SPD-Arbeitskreis regt an: „Vieles ist schon gut, einiges noch verbesserungsfähig“

Wedemark (awi). Im Rahmen ihrer Wahlkampfaktivitäten im vergangenen Jahr sei die SPD mit behinderten Menschen in der Wedemark ins Gespräch gekommen. Daraus habe sich ein konstruktiver Arbeitskreis von SPD-Mitgliedern, Behinderten und Menschen ohne Behinderungen konstituiert, der jetzt erste Überlegungen der Öffentlichkeit vorstellen wolle, erklärten am Montagvormittag bei einem Pressegespräch im SPD-Bürgerbüro der sozialpolitische Sprecher der SPD, Heiner Peterburs, die hörgeschädigte Renate Löhr aus Brelingen und die auf den Rollstuhl angewiesene Gabriele Wolff aus Wennebostel.
Schon nach den ersten Gesprächen der Politiker mit behinderten Menschen in der Wedemark im letzten Jahr war klar: Die Behinderten bemängeln wenig strukturierte Hilfen, hätten es schwer, das zu finden, was sie benötigten und fühlten sich nicht ausreichend wahrgenommen. Vor allem aber hatten sie den Wunsch, sich stärker zu beteiligen. In diesem Arbeitskreis der SPD, in dem neben Fraktionsmitgliedern und Fachleuten aus verschiedenen Institutionen, die mit Behinderten zu tun haben, eben auch Menschen mit Behinderungen eingebunden sind, haben sie diese Möglichkeit. Ende November traf sich der Arbeitskreis erstmals im Bürgerhaus in Bissendorf, am Montag, 6. Februar, ist am selben Ort um 19 Uhr die nächste Sitzung geplant. Jeder, der sich für die Thematik Integration von Behinderten und Verbesserung ihrer Situation in der Wedemark interessiert, sei herzlich eingeladen, mitzumachen, betonte Heiner Peterburs. In der Wedemark lebten 2700 Menschen mit einer Behinderung über 50 Prozent und 1100 Menschen mit einer Mobilitätsbeeinträchtigung. Für die Wedemark bedeute das, dass hier über zehn Prozent der Einwohner mit einem Handicap lebten. Gemeinsam mit diesen wolle die Politik etwas entwickeln, um die Situation zu verbessern. Gabriele Wolff wies daraufhin, dass Menschen mit Behinderungen eben aus dem Grund nicht wahrgenommen würden, weil sie in der Öffentlichkeit nicht so oft auftauchten, eben weil die Voraussetzungen dafür nicht gegeben seien. Hätten Geschäfte und Arztpraxen einen barrierefreien Zugang, könnten auf den Rollstuhl angewiesene Menschen hier auch rein. Bedacht werden müsse aber, dass es gerade wegen des demografischen Wandels immer mehr Mobilitätseinschränkungen geben und sich die Gesellschaft darauf einstellen müsse, dass sich alte Menschen nicht mehr zurück zögen, sondern dabei sein wollten. Renate Löhr betonte zunächst den positiven Aspekt: dass sie sich schon lange eine Arbeitsgruppe aus Menschen mit und ohne Behinderungen gewünscht habe, obwohl ja eigentlich die Aufteilung schon diskriminierend sei. Doch sie wolle nicht länger ausgegrenzt werden. Diese Arbeitsgruppe der SPD, die demonstriere ,Wir sind integrativ‘ mache ihr Mut, betonte Löhr. In viel zu vielen Gremien seien die Behinderten nur unter sich und kochten im eigenen Saft. Das Bewusstsein, sich alles erkämpfen zu müssen, sei oft schwer zu ertragen. In einer integrativen Gruppe wolle sie erleben, dass sie zu 100 Prozent ernst genommen werde und den anderen Mitgliedern auf Augenhöhe begegnen könne. Sie habe erlebt, dass andere Menschen leicht bereit seien, ihr zu sagen, was für sie gut sei, erzählte Renate Löhr und betont: „Ich möchte, dass wir lernen, dass jeder für sich erkennt, was für ihn und was für andere gut ist. Heiner Peterburs erinnerte an das Thema Integration beim Neujahrsempfang der Gemeinde und will die Diskussion weiterführen, um die Haltung in der Öffentlichkeit zu verändern und Behinderte am öffentlichen Leben teilhaben zu lassen. Ein Schritt dazu könne ein Behindertenbeirat analog zum Seniorenbeirat sein, denn es gebe in der Wedemark noch viel zu tun in dieser Hinsicht. Peterburs wies in diesem Zusammenhang auf das Pflaster vor der Sparkasse hin, Mobilitätshemmnisse bei Bussen, fehlende Behindertenparkplätze, insbesondere auch auf der Wedemarkstraße und fehlende Barrierefreiheit bei Einkaufsmöglichkeiten und Arztpraxen. Einen Ratgeber für Behinderte sollte es speziell für die Wedemark ebenso geben wie feste Ansprechpartner und abgesenkte Bürgersteige, so Peterburs und sprach in diesem Zusammenhang auch einen Lifter fürs Schwimmbad an. Ganz verblüfft war er über die Information von Seiten des ECHO, dass das Spaßbad seit Jahren über einen mobilen Lifter verfügt. Jochen Haselbacher von der Sport- und Freizeit GmbH erklärte auf Nachfrage: „Den hat damals beim Umbau die Gemeinde extra angeschafft. Es ist ein Sitz mit Galgen, der vorsichtig ins Wasser heruntergekurbelt werden kann. Allerdings muss man sich beim Bademeister melden, der die Einrichtung dann kurzfristig montiert. Jedoch ist das ganze Schwimmbad ausgesprochen behindertenfreundlich ausgerichtet mit zwei mobilen Edelstahltreppen, über die man vorsichtig ins Wasser gleiten kann und von denen eine im Sommer immer montiert ist und einem Zugang mit dem Rollstuhl bis ans Schwimmbecken.“