Besser als Bio

Sogar das Fernsehen interessiert's: FDP-Chef und Umweltminister Dr. Stefan Birkner (rechts) und Jörgen Hemme stehen RTL-Redakteurin Anna-Lena von Hodenberg Rede und Antwort. Foto: S. Birkner

FDP-Chef Birkner besucht Milchhof Hemme

Sprockhof (sb). Nein, das war keine Inszenierung. Just in dem Moment, als Jörgen Hemme von jährlich 20.000 Hofbesuchern berichtete, sprang eine ganze Schulklasse aus einem einfahrenden Reisebus. Sichtlich beeindruckt von Tatsache und Timing zeigte sich daraufhin Dr. Stefan Birkner: Der Niedersächsische Umweltminister und FDP-Chef nahm sich am vergangenen Mittwoch persönlich Zeit, den Familienbetrieb Hemme-Milch unter die Lupe zu nehmen.
Sein Besuch fand dabei weniger als Umweltpolitiker, sondern viel mehr als Vorsitzender der Liberalen statt. Hemme, Betriebschef des Milchhofs in der 18. Generation, unterrichtete Birkner über die einzigartige Unternehmensphilosophie. „Welcher Bauer kann heute noch behaupten, sowohl die Kuh als auch den eigenen Milchkunden zu kennen?“, fragte Hemme rhetorisch. In der Branche seien die einzelnen Produktionsschritte von Milchprodukten längst separiert und rationalisiert. „Bei Hemme-Milch liegt die Herstellung tagesfrischer Produkte noch in einer Hand“, meinte er und erklärte die einzelnen Schritte. Von der Landwirtschaft und Futtererzeugung über die Tierzucht und das Melken liege bis hin zum Veredeln, Verpacken und Vermarkten des Produkts alles in den Händen des Familienbetriebs.
Um das Hundertfache kleiner sei der Milchhof als konventionelle Betriebe, was sich mit der fehlenden Spezialisierung auf einen Produktionsschritt erklären ließe. 45 Mitarbeiter bedeuteten außerdem „den höchsten Personalaufwand aller Milchhöfe“. Genau dieses arbeitsintensive Konzept fern jeder industriellen Milchherstellung aber ist es, von dem Hemme so stolz berichtete: Frische, Qualität und Kundennähe seien durch die Direktvermarktung jederzeit gewährleistet. Mit rund 40 verschiedenen Milchvariationen habe Hemme-Milch, bezogen auf die Betriebsgröße, eine außerordentlich breite Produktpalette.
Der Betriebschef erläuterte Birkner marktwirtschaftliche Ideen und neue Verkaufskonzepte. So habe bislang der Verkauf rücknahmefreier Behältnisse gefehlt, der jetzt durch einen innovativen Beutel abgedeckt wird. „Dabei fallen zwei Drittel weniger Müll an als durch herkömmliche Milchkartons“, sagte Hemme.
Um das Bio-Zertifikat auf seinen Produkten abdrucken zu dürfen, müsste Hemme lediglich an Kleinigkeiten arbeiten. Auf Nachfrage winkte er aber ab: „Für uns ist es nicht interessant, Bio zu sein.“ Zwar gewährleiste das Siegel bestimmte Lebensmittelstandards, stehe aber keinesfalls für Frische oder Regionalität wie Hemme-Milch. „Unsere Kunden wissen, was sie an uns haben, und brauchen dafür kein Bio-Siegel“, meinte Hemme selbstbewusst.
Schon seit 1589 wird in Sprockhof Milch hergestellt. Inzwischen verlassen jährlich viereinhalb Millionen Liter Milch den Hof, um an rund 2000 Privatkunden, 400 Schulen und Kitas und etliche Supermärkte geliefert zu werden. Das Verbreitungsgebiet hat einen Radius von 70 Kilometern – ein weiterer Beleg für die Regionalität des Betriebs.