Betriebserweiterung trifft auf großes Bürgerinteresse

Professor Jörg Sennheiser (rechts) bei seinem viel beachteten Statement. Foto: B. Stache
 
Hans-Joachim von Einem (v.l.), Jens Palte, Dr. Axel Schmidt, Dr. Andreas Sennheiser, Tjark Bartels, Eike Geffers, Kay Petersen und Holger Zorn haben auf dem Podium Platz genommen. Foto: B. Stache

Bürgermeister Bartels und Firma Sennheiser demonstrieren Gesprächsbereitschaft

Bissendorf (st). Bürgermeister Tjark Bartels und Dr. Andreas Sennheiser standen am Freitagabend im Bürgerhaus Bissendorf fast 70 Zuhörern Rede und Antwort zu den Themen „Neubau des Sennheiser Innovation Campus“ an der Lindenstraße sowie „Erweiterung des Firmengeländes“ westlich vom Wennebosteler Kirchweg. Dr. Sennheiser stellte die aktuelle Planung des Campus-Komplexes mit zukünftig etwa 300 Arbeitsplätzen vor: „Mit einer Geschossfläche von zirka 7000 Quadratmetern, 6000 davon etwa Nutzfläche und 1000 Quadratmeter Kellerfläche.“ Auf dem Campus werden Verwaltungs- und vor allem Projekträume entstehen, in denen die zukünftigen Produktentwicklungen stattfinden sollen. „Dort gibt es dann unseren ersten Flagship-Store in Deutschland mit Läden, die ausschließlich den Produkten von Sennheiser gewidmet sind, in denen jeder einkaufen kann“, kündigte Dr. Sennheiser an. Fragen von Einwohnern, unter anderem nach der Höhe des Gebäudes, dem Abstand zur Grundstücksgrenze sowie zur Beleuchtung bei Nacht, wurden während der Präsentation umgehend beantwortet: Die Gebäudehöhe werde 13 Meter betragen, der Abstand zum Radweg etwa acht bis zehn Meter, zur Pferdekoppel im Norden ebenfalls 10 Meter. Es sei nicht geplant das Gebäude nachts anzustrahlen, ließ der Vortragende wissen. Informationen gab es zum geplanten Betriebskindergarten mit zwei Gruppen als Krippe für Kinder bis drei Jahre. „Der Kindergarten wird im hinteren Bereich entstehen. Dafür werden einige Baracken abgerissen, die dort noch stehen“, erläuterte Dr. Sennheiser, der darauf hinwies, dass mit ersten Baumaßnahmen für das Sennheiser Innovation Campus im Mai 2013 begonnen werde. Zum zweiten Themenbereich trug Holger Zorn, Teamleiter Bauplanung, Bauaufsicht der Gemeinde Wedemark, den momentanen Sachstand des Flächennutzungsplanes vor, der im Januar seine zweite Auslegung hatte. „Nach der heutigen Sitzung bereiten wir den Feststellungsbeschluss vor, der Anfang Mai gefasst werden soll“, erklärte Zorn. Bezüglich des Bebauungsplanes sei man noch nicht ganz so weit, erklärte der Teamleiter: „Ende April bereiten wir den Beschluss für die nächste Auslegung vor, den der Verwaltungsausschuss ebenfalls Anfang Mai treffen soll.“ Von Mitte Mai bis Ende Juni werde der Bebauungsplan öffentlich ausliegen und den Bürgern die Gelegenheit geben, zu den geänderten Planungen Stellung zu nehmen. „Unsere Hoffnung ist, dass der Gemeinderat diesen Plan Ende Juli, Anfang August als Satzung beschließen kann“, so Zorn. Bürgermeister Bartels verwies noch einmal auf die unterschiedlichen Interessenlagen seitens der Anwohner, der Gemeindeverwaltung und des Gemeinderates: „Mein Eindruck ist, dass wir uns ein Stück weit aufeinander zu bewegt haben, was die Fragen der Ausnutzung des Geländes angeht“, erklärte Bartels vorsichtig optimistisch. Ortsplaner Eike Geffers erläuterte anschließend den aktuellen Planungsstand für das Gelände. Er ging detailliert auf Neuerungen ein, unter anderem auf die niedrigere Gebäudehöhe unmittelbar am Wennebosteler Kirchweg und Maßnahmen zur Reduzierung von Fahrzeugverkehrslärm, vor allem bei Schichtwechsel. Punkt für Punkt nahm sich Bürgermeister Bartels am Abend den Fragenkatalog der Bürgerinitiative Höllenfeld zum Entwurf des Bebauungsplans vor und gab ausführliche Antworten, beispielsweise zu Bebauungshöhen, -grenzen und Gestaltung. Breiten Raum nahmen zusätzliche Bürgerfragen zum Themenkomplex „Lärm“ ein. Geduldig ging Bartels auf die Thematik „Licht“, „Entwässerung“, „Zufahrt“ und „Entwicklungsperspektiven“ sowie auf „Alternative Bauplanung“ ein. In einem mit viel Applaus bedachten Statement hatte sich Professor Jörg Sennheiser zu Wort gemeldet und den Beschluss für eine Betriebserweiterung am Sennheiser Standort in der Wedemark begründet. „Diese Firma wird nicht verkauft, das haben wir jetzt so festgelegt und die nächste Generation hat sich auch dazu verpflichtet“, erklärte er und fügte an: „Ich wünsche mir, dass die Diskussion über Reibungsflächen zwischen Wohnen, Arbeiten, Infrastruktur einfach ehrlich geführt wird und nicht ideologisch. Es gibt Konflikte, die kann man nur als Kompromiss lösen. Diese Kompromissbereitschaft erwarte ich sowohl von der Gemeinde, aber auch von unseren Nachbarn“, machte der Professor deutlich und ergänzte: „Sie wissen ganz genau, wir sind kein dreckiges, stinkendes, lärmendes Unternehmen. Wenn etwas optimiert werden kann, werden Sie bei uns immer offene Ohren finden, auch wenn es unser Geld kostet.“ Die derzeitige Firmenplanung sieht vor, das betreffende Gelände am Wennebosteler Kirchweg für Sennheiser-Parkplätze auszubauen. „Die Option, dort Produktionshallen zu errichten, muss ermöglicht werden“, erklärte Professor Sennheiser. Der Wennebosteler Ortsbürgermeister Hans-Joachim von Einem bekräftigte die positive Einstellung des Ortsrates gegenüber der Firma und ihren Erweiterungsplänen: „Wir sind stolz, dass wir Sennheiser in Wennebostel haben und wir stehen auch dazu.“ Bürgermeister Bartels zog nach der Informationsveranstaltung folgendes Fazit: „Ich bin froh, dass wir zu einem solch frühen Zeitpunkt eine so gute Bürgerbeteiligung durchgeführt haben“, und Dr. Andreas Sennheiser erklärte: „Ich empfand diesen Abend als ein konstruktives aufeinander Zugehen.“