Betriebssimulation in der Realschule

In einem Klassenzimmer präsentierte sich ein Friseur- und Kosmetiksalon, in dem die Fünftklässler sich bedienen lassen konnten.

Hierarchisches System gibt Einblick in erstaunliche Fähigkeiten der Schüler

Mellendorf (awi). „Diese Art zu arbeiten fördert erstaunliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu Tage, die wir an den Schülern im normalen Schulalltag nicht erkennen würden“, sagt Lehrerin Mona Roth. Der neunte Jahrgang der Realschule Wedemark hat im Rahmen der Projektwoche eine Betriebssimulation durchgeführt. Die Schüler arbeiten hierbei im schuleigenen Betrieb in den Abteilungen: Verwaltung, Papeterie, Holzwerkstatt, Schönheitsoase, Feuer und Flamme –Schönes aus Wachs und Bäckerei. Jede Abteilung umfasst etwa 16 Schüler und wird von einer Lehrkraft betreut. In einer Verkaufspräsentation am gestrigen Freitag bestand die Möglichkeit, die von den Schülern in ihren Abteilungen hergestellten Produkte zu erwerben. Vor dem Start der Betriebssimulation bewarben sich die Schüler schriftlich auf ihre Arbeitsstellen und mussten ihre künftigen Chefs bei einem Bewerbungsgespräch von ihrer Eignung für die Stelle überzeugen. In der „Schönheitsoase“ zum Beispiel wird fleißig gearbeitet. Die Fünft- bis Zehntklässler lassen sich hier von den Neuntklässlern Strähnchen färben, die Fingernägel lackieren und mit einer Wellness-Kopfmassage verwöhnen. Natürlich gibt es diese Leistungen nicht umsonst. Genau erklärt Abteilungsleiter Felix Poetsch, was sein Mitarbeiter Sören Petsch gerade beim Kunden machen und wie sich die Preise für die Dienstleistungen nach Aufwand berechnen. Beim Zöpfeflechten und bei Hochsteckfrisuren ist das zum Beispiel besonders anschaulich darstellbar. Lehrerin Jessica Lübeck stellt die Geschäftsleitung dieses Zweiges dar und hat die Schüler genau eingewiesen. „Wir haben zum Beispiel genau gelernt, wie man Fingernägel lackiert“, erklärt die Abteilungsleiterin Kosmetik, Fabienne Fruhriep. Die Schüler sollen unter so realistischen Umständen wie möglich arbeiten und dazu gehört auch das Provozieren von Stresssituationen, erklärt Lehrerin Mona Roth. So werden für die Bäckereiabteilung zum Beispiel ganz bewusst mehr Aufträge zum Brotbacken erteilt, als mit den vorhandenen Backformen zu schaffen sind. „Wir wollen sehen, wie die Schüler damit umgehen und die Probleme lösen“, erklärt Roth. Eine Betriebssimulation hat die Realschule schon häufiger durchgeführt, doch zum ersten Mal sind auch soziale Berufe dabei. „Das war der ausdrückliche Wunsch der Schüler“, berichtet Roth. So hat auch im Unterricht das Fach Gesundheit und Soziales mehr Gewicht bekommen. Simuliert wurde ein Jugendtreff, in dem die Neuntklässler als Erzieher Fünftklässler im Rahmen der Projektwoche beim Basteln beaufsichtigen. „Die Schüler werden hier gesiezt, siezen sich gegenseitig und lernen Verantwortung zu übernehmen. Sie mussten sich als Führungskräfte bewerben und entsprechende Qualifizierungen mitbringen, wie beispielsweise die Juleica“, führt Mona Roth aus. Die Arbeitsverhältnisse sind hierarchisch gegliedert. Die Schüler müssen also auch ihren in der Freizeit besten Freunden Anweisungen erteilen oder Abmahnungen geben, wenn diese Fehlverhalten oder mangelnde Leistung an den Tag legen. Aber natürllich lernen die Schüler auf diese Weise auch, ihre „Mitarbeiter zu belohnen und zu motivieren“, wichtige Eigenschaften für Führungskräfte. „Was früher auf Augenhöhe war, hat jetzt Hierarchie“, so Roth. Hieraus könne man wichtige Erkenntnisse für die Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens erlangen, so Mona Roth. Die Bewertungen aus der Betriebssimulation fließen in die Noten ein. Interessant sei, dass Schüler, die sich während der Betriebssimulation einen neuen Stand in der Klasse erarbeitet hätten, diesen danach beibehalten würden. „Es ist einfach eine ganz andere Form der Beschulung als Unterricht, der uns völlig neue Erkenntnisse über die Schüler vermittelt“, freut sich Mona Roth. Und der Fokus liege ganz klar immer auf den positiven Aspekten von Lob, Feedback und Motivation.