Biodiversität – Wir alle sind gefordert

NABU startet Volksbegehren zur Artenvielfalt

Wedemark. Der dramatische Verlust an Artenvielfalt gerade in den letzten Jahren hat den NABU Niedersachsen mit seinen 110.000 Mitgliedern veranlasst, ein Volksbegehren zu starten. „Da die Politik in der Vergangenheit keine wirksamen Maßnahmen umgesetzt hat, um an diesem Zustand etwas zu ändern, wollen wir mit einem Volksbegehren konkrete Gesetzesänderungen durchsetzen. Diese gehen über bloße Absichtserklärungen hinaus und haben rechtlich bindende Wirkung,“ sagt Jörg Winterfeldt, 1. Vorsitzender des NABU Wedemark. Zusammen mit den anderen 115 Bündnispartnern wie zum Beispiel dem BUND Niedersachsen oder BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sollen die Landesgesetze Naturschutzgesetz, Wassergesetz und Waldgesetz geändert werden. Die Gesetzesänderungen zielen auf mehrere für die Artenvielfalt bedeutende Bereiche. So soll die Vielfalt der Landschaft erhöht werden durch Hecken, Wegerandstreifen sowie dünger- und pestizidfreie Gewässerrandstreifen von mindestens fünf Meter Breite. Chemisch-synthetische Pestizidein Schutzgebieten sollen verboten und die ökologische Landwirtschaft soll gefördert werden. Wiesen und Weiden sollen als artenreicher Lebensraum erhalten werden und Wiesenvögel besonders geschützt werden. Der Anteil von naturnahem Wald soll in den Landesforsten erhöht werden. Im Solling soll ein Wildnisgebiet von mehr als 1.000 Hektar Größe entstehen. Dort, wo die Landwirtschaft durch Umweltschutzauflagen eingeschränkt ist, sieht das Gesetz Erschwernisausgleich und Ausgleichszahlungen, etwa bei den Gewässerrandstreifen, zwingend vor. Auch der NABU Wedemark unterstützt das Volksbegehren. „Die konventionelle Landwirtschaft hat im Agrarland Niedersachsen eine Schlüsselrolle für die Verbesserung der Artenvielfalt. Wirtschaftliche Zwänge lassen den Landwirten bisher oft wenig Spielraum. Das Fördern der Biodiversität könnte daher ein Betriebszweig werden. Auch in der Wedemark sind die Auswirkungen spürbar. Umfangreicher Maisanbau unter anderem zur Versorgung von Biogasanlagen reicht bis an das Bissendorfer Moor. Strukturreicher Lebensraum in Form von Hecken und Baumreihen wird zur maschinengerechten Bewirtschaftung der Felder stark reduziert. Die Intensivtierhaltung ohne Weidegang hat artenreiche Wiesen und Weiden verschwinden lassen. Bodenbrüter wie Feldlerche und Kiebitz, aber auch Fledermäuse und Insekten haben immer weniger Lebensraum und Nahrungsgrundlage – ihr Bestand nimmt daher weiter ungebremst ab,“ so Winterfeldt. Der NABU Wedemark wirbt zusammen mit seinen Bündnispartnern in der Wedemark um Unterschriften. Bürger der Wedemark können sich auf amtlichen Unterschriftenlisten eintragen und so das Volksbegehren unterstützen. Sie müssen deutsche Staatsangehörige sein, mindestens 18 Jahre alt sein und seit mindestens drei Monaten ihren ersten Wohnsitz in der Gemeinde haben. Die Unterschriftenlisten können beim NABU Wedemark per E-Mail volksbegehren@nabu-wedemark.de oder Telefon (0 51 30) 4 08 07 sowie bei seinen Bündnispartnern angefordert werden. Mitglieder des NABU haben sie bereits zusammen mit der Mitgliederzeitschrift „Naturschutz heute“ erhalten. Unterschriebene Listen werden vom NABU Wedemark gesammelt und beim Einwohnermeldeamt der Gemeinde Wedemark zur Prüfung und Registrierung abgegeben. Nähere Informationen zum Volksbegehren einschließlich des Gesetzentwurfs gibt es auch im Internet unter www.artenvielfalt-niedersachsen.jetzt.