„Biogas ist nicht problemlos“

Grünen-Ratsfrau Sabine Lotz zum Thema Biogas

Wedemark (awi). Berichte und Leserbriefe zum Thema Biogas in den jüngsten Ausgaben des ECHO haben die die Grüne Ratsfrau Sabine Lotz zu einer Stellungnahme veranlasst. „Vielleicht kann ich jemandem, der die Welt nicht mehr versteht, mit ein paar Fakten zum Thema Biogas aushelfen“, so die Grünen-Politikerin. Als langjährige Pferdehalterin wisse sie aus eigener Erfahrung, dass sich die Pachtpreise für Weiden durch die Flächenkonkurrenz in den letzten Jahren teilweise vervielfacht hätten. Die Preise für Heu seien auf das Doppelte bis Zweieinhalbfache gestiegen und wer im letzten Winter überhaupt noch Stroh bekommen habe und nur 50Prozent Aufschlag bezahlen musste, habe Glück gehabt. Das lasse sich auch auf andere Bereiche übertragen, wenn zum Beispiel ein Schäfer im Winter die doppelten Futterkosten habe, müsse er entweder das Fleisch seiner Schafe erheblich teurer verkaufen oder seinen Bestand soweit reduzieren bis er wieder kostendeckend arbeite. Das werde sich auch auf alle anderen Bereiche, in denen Tiere gehalten werden, übertragen lassen, ist Lotz überzeugt. Doch es gebe noch andere Aspekte: Die Humusschicht sei nach dem Meer der größte CO2-Speicher. Durch die intensive Landwirtschaft werde der Humusanteil im Boden kontinuierlich abgebaut und CO2 freigesetzt. Der humuszehrende Maisanbau und das zusätzliche Umbrechen von Weiden und Brachflächen sorgten dafür, dass sich dieser Trend immer weiter beschleunige. Die Frage sei, wie und wo wolle man diese Mengen CO2 wieder einsparen um den Klimawandel nicht noch weiter voranzutreiben? Ein weiteres Problem seien die Gärreste. Wer kontrolliere ihre bakterielle Belastung? Als Beispiel seien nur die Darmbakterien genannt. Solange ein Tier ein intaktes Immunsystem habe, könnten sich krankheitserregende Bakterien nicht durchsetzen und Krankheiten auslösen. Trotzdem könnten sie im ausgeschiedenen Kot vorhanden sein und sich unter optimalen Bedingungen in der Biogasanlage weiter vermehren. Da Gärreste ihres Wissens nicht auf solche Belastungen überprüft würden, landeten sie als Dünger auf Äckern und Weiden, so Lotz. Die Probleme, die daraus entstehen könnten, würden vorsichtshalber nicht thematisiert, da man solche Gärreste unter Umständen teuer entsorgen müsste. Die Liste der zu erwartenden Probleme, wie steigende Preise für Lebensmittel bei sich verschlechternder Qualität, die Inkaufnahme von gesundheitlichen Problemen durch Gärreste, steigende Preise für landwirtschaftliche Flächen, rasanter Rückgang der Artenvielfalt, Abwertung der Natur als Erholungsgebiet lasse sich um viele Punkte verlängern, moniert die Ratsfrau der Grünen. Ihre Frage sei: Wollen wir das und warum traut sich keiner, ganz klar zu sagen, dass jeder bei sich selbst anfangen und Energie einsparen muss.