„Bitte Spreewaldgurken mitbringen“

Kerstin Rickert hat Eva-Maria Stelling Äpfel vom Apfelwagen, der regelmäßig nach Elze kommt, mitgebracht und fragt, was sie einkaufen soll.
 
Das Schild am Eingang von EDEKA Lüders in Elze weist Kerstin Rickert auf die Einkaufswagenpflicht hin – auch wenn man wenige Teile kaufen will.

Eva-Maria Stelling freut sich über den ehrenamtlichen Einkaufsservice

Elze/Gilten (awi). Der ehrenamtliche Einkaufsservice, den die Kirchengemeinden Elze und Bissendorf sowie die Freiwilligenagentur Wedemark für Mellendorf anbieten, wird von den Angehörigen der Risikogruppen genutzt – noch nicht in dem Maß, wie es Kapazitäten gebe, aber es ist angelaufen. Das ECHO hat Kerstin Rickert begleitet, als diese für die 83-jährige Eva-Maria Stelling aus Elze Besorgungen gemacht hat. Kerstin Rickert ist Mitglied des Kirchenvorstandes und des Besuchsdienstes. Dieser Aufgabe kann sie wegen des Kontaktverbots zurzeit nicht nachkommen, daher engagiert sie sich im Einkaufsservice. Auf die 83-jährige Eva-Maria Stelling, die erst vor gut einem Jahr aus Gilten bei Schwarmstedt in die seniorengerechte Neubauwohnung an der Walsroder Straße 9a gezogen ist, war sie schon vor der Corona-Krise durch Pastor Maik Schwarz aufmerksam geworden. „Als jetzt Corona kam, habe ich sofort an Frau Stelling gedacht und mich bei ihr gemeldet“, erzählt Kerstin Rickert. Die freute sich sehr über das Angebot und dankt es Kerstin Rickert mit großem Vertrauen: Sie hat ihr einen Schlüssel gegeben, was diese als großen Vertrauensbeweis wertet. Sie meldet sich allerdings immer telefonisch an, wenn sie kommt, auch wenn sie vom Einkaufen zurück ist. Heute hat sie der alten Dame bereits ein paar große rote Äpfel vom Apfelwagen mitgebracht, eine Ingwerwurzel und einen Muffin, den ihre Tochter gebacken hat. Die 83-Jährige freut sich: „Das ist aber lieb.“ Sie hat sich gut eingewöhnt in Elze, obwohl sie seit 1995 in Gilten gewohnt hat. Ihr Mann Peter Penkuhn war dort in der Kirchengemeinde der Organist. Nach seinem Tod im Oktober 2017 musste sich Eva-Maria Stelling mittelfristig ein neues Zuhause suchen, weil es eine Dienstwohnung war, und wurde durch eine Anzeige im ECHO auf die seniorengerechten Neubauwohnungen in Elze aufmerksam. Seit letztes Jahr der EDEKA-Markt nur wenige hundert Meter weiter eröffnet hat, hat sie es nicht weit zum Einkaufen, aber auch das geht, zumindest zurzeit nicht, alleine. Die Hilfe, die sie sonst hat, hat momentan wenig Zeit, und so nimmt die 83-Jährige das Angebot der Ehrenamtlichen Kerstin Rickert gerne an. Heute hat sie allerdings nicht nur Einkaufswünsche. „Ich brauche unbedingt Formulare für die Einkommenssteuererklärung von der Gemeinde“, bittet sie Kerstin Rickert, „und die Adresse des hier zuständigen Amtsgerichts“. Keine Frage, dass Kerstin Rickert ihr auch diese Wünsche erfüllt. Aber jetzt geht sie erst einmal einkaufen.Viel braucht die Seniorin heute nicht: einen großen Becher griechischen Joghurt, ein Glas Spreewald-Salzgurken, ein bisschen frisches Obst – aber günstig muss es sein – und – das könnte ein Problem werden – Papiertaschentücher und Toilettenpapier. Mit zwanzig Mark und einer Tasche ausgerüstet zieht Kerstin Rickert los. Braucht sie für die paar Teile überhaupt einen Einkaufswagen? Eigentlich nicht, doch am Eingang zum Supermarkt steht ein großes Schild: „Einkaufwagenpflicht!“ Also zurück zu den Wagen, einen Chip herausgesucht und in den Markt. Schon im Eingangsbereich stößt Kerstin Rickert auf frische Erdbeeren zum Schnäppchenpreis. Die Gurken muss sie suchen. Ganz hinten im Regal sind noch zwei Gläser, den zehnprozentigen Naturjoghurt entdeckt sie rasch, auch Papiertaschentücher sind da, aber, ohje, im Toilettenpapieregal herrscht gähnende Leere. Doch Glück muss der Mensch haben: Just in diesem Moment ist eine neue Lieferung gekommen und wird nachgefüllt. Jetzt aber schnell zur Kasse und zurück zu Eva-Maria Stelling. Die freut sich richtig, dass alle ihre Wünsche erfüllt werden konnten, plaudert noch ein bisschen mit Kerstin Rickert, die ihr beim Wegpacken der Einkäufe hilft und freut sich schon jetzt auf den nächsten Besuch der Ehrenamtlichen.