Blühende Wedemark im Dezember

Blühende Senf-Felder zwischen Elze und Meitze. Foto: A.Wiese
 
Interessierte Spaziergänger erfahren, was es mit den blühenden Feldern im Winter auf sich hat.

Landvolk machte auf Senf- und Ölrettichfelder aufmerksam

Wedemark (awi). Gelb blühende Felder im November und Dezember: Da reiben sich viele Spaziergänger und Autofahrer erstaunt die Augen. Vielen Wedemärkern sind vermutlich die aktuell vielen blühenden Ackerflächen aufgefallen, meint Volker Lindwedel vom Landvolk. Besonders viele davon gibt es zwischen Elze und Meitze, jedoch fällt diese Besonderheit in der ganzen Wedemark und darüber hinaus ins Auge.„Nein, wir haben nicht Ende April, es ist Dezember 2020, es blüht nicht der Raps, sondern es blühen vorwiegend Senf und Ölrettich. Der Senf blüht gelb und der Ölrettich weiß. Ein zweites Jahr in Folge gibt es die Besonderheit, dass diese Früchte sogar bis Weihnachten blühen können", erläutert der Landwirt und erklärt: „Wir Landwirte haben in der Regel nur eine Ernte einer Hauptfrucht pro Jahr auf jeder Ackerfläche. Zwischen diesen Hauptfrüchten sähen wir Zwischenfrüchte wie Senf, Ölrettich, Buchweizen, Feldgras und vieles mehr. Die Aussaat erfolgt nach Aberntung der Hauptfrucht in der Regel im August oder September. Die Aussaatbedingungen waren in diesem Jahr sehr gut, weil im August ausreichend Niederschlag fiel und die Bestände sich optimal entwickeln konnten. Der Hauptgrund für diese besonders guten Bestände ist jedoch eine Folge der milden Witterung im Herbst. Es gab in diesem Herbst noch keinen Frost, der diese Früchte abfrieren lies. Für uns Landwirte ist der Zwischenfruchtanbau ein wichtiger Bestandteil im Ackerbau, um die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig zu verbessern und eine ausgeglichene Humusbilanz des Standortes zu gewährleisten. Weiterhin schützt eine kontinuierliche Bodenbedeckung unsere leichten Böden vor Wind- und Wassererosion, in der organischen Substanz werden die nach der Ernte verbleibenden Nährstoffe konserviert und im Frühjahr für die Folgekultur wieder freigesetzt und es erfolgt eine Unkrautunterdrückung.
Eine Bodenverbesserung, wie das Auflockern von Bodenverdichtungen durch tiefwurzelnde Zwischenfrüchte, eine biologische Schädlingsbekämpfung durch nematodenresistente Zwischenfruchtsorten sind für den Ackerbau ebenfalls wichtig.
Besonders für viehhaltende Betriebe oder Biogasanlagenbetreiber bietet sich die zusätzliche Nutzung des Aufwuchses von winterharten Zwischenfrüchten im Frühjahr an."
Eine ganz wesentliche Besonderheit des Zwischenfruchtanbaus im Wasserschutzgebiet Fuhrberger Feld sei natürlich, die Nitratauswaschung zu verringern. Das mobile Nitrat im Boden wird von den Zwischenfrüchten aufgenommen und steht der Folgekultur im Frühjahr wieder zur Verfügung. Deshalb sind die Landwirte auch verpflichtet, Zwischenfruchtanbau zu betreiben und leisten dadurch einen ganz wichtigen Beitrag zum Wasserschutz, betont Lindwedel.
Ein ganz toller Nebeneffekt des Zwischenfruchtanbaus seinatürlich auch der, dass Vögel Schutz vor ihren Feinden finden können, dass Hasen, Kaninchen, Insekten und Wild den Aufwuchs als Futter nutzen können und auch wichtige Bodenlebewesen ernährten sich von abgestorbenen Zwischenfruchtresten.
Der Sommer ist vorbei,Herbst und Winter zeigen sich von ihrer besonderen Seite. Ein Jahr das für alle geprägt war von erheblichen Einschränkungen der gewohnten Freiheit und auch von eingeschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten, geht zu Ende. „Gerade in dieser besonderen Zeit zeigt das doch auch, wie schön die ländlich geprägte Wedemark sein kann und ich freue mich auch über die vielen Fußgänger und Fahrradfahrer, die in der Feldmark unterwegs sind", meint Volker Lindwedel.