„Brauchen gesunden Energiemix“

Landwirt Carsten Brüggemann und der Verantwortliche für die Anlage, Tim Scharlemann, sind gespannt, wie Helge Zychlinski bewertet, was sie ihm präsentieren. Foto: A.Wiese

Bürgermeister informiert sich auf Sommertour bei Biogasanlagenbetreibern

Elze (awi). Fünf Biogasanlagen gibt es in der Wedemark. Eine davon hat sich Bürgermeister Helge Zychlinski jetzt im Rahmen seiner Sommertour angesehen und intensive Gespräche mit den Betreibern, den Landwirten Carsten Brüggemann und Thorsten Willers aus Elze, geführt. Dabei kristallisierte sich heraus: Ein gesunder, nämlich ausgewogener Mix aus erneuerbaren Energien ist im Interesse aller Beteiligten: der Verbraucher, der Landwirte, der Umweltschützer und nicht zuletzt auch der Gemeinden.
Biogasanlagen sind nicht unumstritten, räumte auch der Bürgermeister ein und spielte auch auf den Vorwurf der „Vermaisung der Landschaft“ an. Um so mehr interessierte ihn der Austausch mit den Landwirten. Seit dem 1. September 2011 ist die Biogasanlage in Verlängerung des Kuckucksweges in Elze am Netz. Grundlage für die Kalkulation der Anlage war damals die für 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung, die im Erneuerbaren Energiengesetz (EEG) geregelt ist. Dieser Vertrag läuft jetzt also noch zehn Jahre. „Dadurch haben die Betreiber Sicherheit und konnten die Investition in Millionenhöhe wagen, allerdings gibt es auch keine Inflationsbereinigung“, gibt Carsten Brüggemann zu bedenken.
Auslöser für ihn und Willers,sich für den Betrieb einer Biogasanlage zu entscheiden, sei die Finanzkrise im Herbst 2008 gewesen, als die Roggenpreise ins Bodenlose purzelten und das Getreide nur noch in die Biogasanlagen ging. „Dann können wir auch selbst eine betreiben und mit unserem Getreide füttern, statt es für Spottpreise auf den Markt zu werfen“, war die Überlegung dahinter. Enorm ist das Wissen, dass sich die Landwirte für den Betrieb der Anlage im Laufe der Jahre angeeignet haben und der Einsatz, den sie bringen, um die komplexe Technik rund um die Uhr am Laufen zu halten. Die Biogasanlage erfordert einen 24-Stunden-Einsatz und gibt bei Störung sort eine Meldung auf das Handy des diensthabenden Landwirts. Unterstützt werden Carsten Brüggemann und Thors-ten Willers dabei vom Verantwortlichen für die Anlage, Tim Scharlemann.
Lob für die Gemeinde
Unkompliziert seien damals die Verhandlungen mit der Gemeinde im Genehmigungsverfahren für die Verlegung der Wärmeleitungen verlaufen, lobten die Landwirte. Sie hätten die Kommune als sehr zukunftsorientiert und kooperativ erlebt. So konnten der Schützenverein und der Sportverein unkompliziert an das Wärmenetz angeschlossen werden und profitieren heute von günstiger Abwärme. Die weitere Wärme wird in den Ställen der beiden Betreiber genutzt. Abzüglich des Eigenverbrauchs für den Betrieb der Anlage speisen Brüggemann und Willers 4,5 Millionen kw Strom im Jahr ins Netz ein. „Das reicht für alle Haushalte in Elze und Meitze“, erfährt der Bürgermeister bei der Führung über die Anlage. Das Pfund, mit dem Biogasanlagenbetreiber wuchern könnten, sei die kontinuierliche Grundlast der Stromversorgung 24 Stunden am Tag – anders als Solar- und Windstrom, der in Spitzenzeiten in großen Mengen produziert werde und irgendwie gespeichert werden müsse.„Mit Biogasanlagen können wir Gas- und Kohlekraftwerke ersetzen, weil wir scnell hoch und runter regelbar sind“, so Brüggemann. Die Betreiber seien auch bereit, erneut zu investieren, um dies zu ermöglichen, aber nur, wenn der Staat klar sage, wo die Reise hingehen werde: „Wir brauchen langfris-tige Perspektiven, wie die Stromerzeugung der Zukunft aussehen soll, dann werden landwirtschaftliche Familienbetriebe auch wieder investieren.“
Bürgermeister Helge Zychlinski setzt ganuz klar auf einen Strommix: „Von allen Stromerzeugungsarten das Notwendige. Da hat jede erneuerbare Energiequelle ihren Platz, auch die Biogasanlage.“ Die Landwirte begrüßten diese Einstellung. Von den Kommunen gingen klare Signale an Land und Bund aus und die Gemeinden seien wichtige Partner bei den Genehmigungsverfahren. Der Bürgermeister bestätigte, die Gemeinde werde die Spielräume vor Ort nutzen, die ihr das Planungsrecht gebe. Natürlich sei es sinnvoll, das in den Biogasanlagen anfallendeAbfallprodukt Wärme klimafreundlich ortsnah einzusetzen. Genau das lasse die Gemeinde auch gerade für das geplante Baugebiet Ortsriede in Mellendorf und das neue Gewerbegebiet in Gailhof untersuchen. „Die höchsten CO2-Treiber sind die Treibstoffe“, so Zychlinski: „Davon müssen wir weg!“ Schon jetzt werde rund 80 Prozent der in der Biogasanlage erzeugtenWärme genutzt, so die Betreiber. 100 Prozent seien das Ziel, doch das sei mit nicht unerhablichen Nachinvestitionen verbunden. Um beurteilen zu können, ob sich diese lohnen, bräuchten die Landwirte die geforderten klaren Ansagen aus dem politischen Raum. Sie argumentieren mit dem geschlossenen Kreislauf: Was produziert wird, wird vergoren und wieder auf die Felder rausgebracht.
Die Biogasanlage wird vor allem mit Schweine- und Hähnchenmist sowie Mais gefüttert. Wichtig sei es, die Gülle direkt an die Pflanze in den Boden zu bringen. „Alle Verschärfungen in den Auflagen treffen immer die kleineren Betriebe“, gibt Landwirt Brüggemann zu bedenken und stimmt dem Bürgermeister zu, der betont: „Wir müssen mit und nicht übereinander reden. Der Dialog ist entscheidend!“