Brelinger Findling amtlich verzeichnet

Eingerahmt von grünen Sträuchern hat der mächtige Granitfindling nahe der Einmündung der Starkampstraße in die Hauptstraße schon vor mehreren Jahrzehnten seinen Platz gefunden. Die Bronzetafel wurde zur 1000-Jahrfeier des Ortes ausgestellt. Aufn.: Friedrich Bernstorf (Foto: Friedrich Bernstorf)

Experte hat sich mit den 13 Tonnen schweren Stein befasst

Brelingen. Er wiegt etwa 13 Tonnen und ist weitaus älter als das schon über 1000-Jährige Brelingen. Jetzt ist der mächtige Findling, der vor einigen Jahrzehnten beim Kiesabbau am Oegenbosteler Weg freigelegt wurde und seinen Platz an der Starkampstraße gefunden hat, auch offiziell als Geotop in die Datenbank des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie aufgenommen worden.
Dass der Findling erst jetzt „aktenkundig“ geworden ist, liegt eher an einem Zufall. Bei der Vorbereitung einer Gästeführung durch Brelingen für die Aktiven der Feuerwehr wandte sich Friedrich Bernstorf an das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), um von dort nähere Angaben zum Alter und zur Herkunft des Findlings zu erhalten. Dabei stellte sich heraus, dass der schwergewichtige Granit, der während der Saale-Kaltzeit vor etwa 150 000 bis 200 000 Jahren aus Skandinavien in die Wedemark transportiert worden war, damals vom Landesamt überhaupt nicht erfasst worden war. Den besonderen Fund hatte dort offenbar niemand gemeldet.
Um den Findling näher bestimmen zu lassen, schaltete das LBEG seinen früheren leitenden Mitarbeiter Professor Klaus-Dieter Meyer aus Burgwedel ein. Meyer gilt als Kapazität auf dem Gebiet der Geologie in Niedersachsen. Er ist seit vielen Jahren Pensionär, aber in besonderen Fällen immer noch für seinen früheren Arbeitgeber tätig.
Bei einem Besuch in Brelingen stellte Professor Meyer fest, dass der Findling aus mittelkörnigem hellrotem Granit besteht. Bei einem Umfang von 7,5 Metern hat der Findling eine Länge von 2,5 Metern und eine Breite von 1,7 Metern. Meyer errechnete daraus ein Volumen von etwa fünf Kubikmetern. Diese Masse entspricht einem Gewicht von etwa 13 Tonnen. Der Geologe geht davon aus, dass der Findling aus der schwedischen Region Smaland stammt und mindestens 1,5 Milliarden Jahre alt ist.
Gefunden wurde der mächtige Stein beim Kiesabbau am Südrand der Brelinger Berge, nördlich von Brelingen am Oegenbosteler Weg. Der Findling lag damals unter einer kleinen Waldfläche, die für den Kiesabbau abgeholzt und gerodet wurde. Dabei stieß ein Bagger auf den Granitblock. Als sich herausstellte, welche Ausmaße der Findling hatte und dass er mit konventionellen Mitteln nicht zu bergen war, half die Bundeswehr mit einem Bergepanzer. Der Granitbrocken wurde in Brelingen zwischengelagert und fand seinen endgültigen Platz im Vorfeld zur 1000-Jahr-Feier, die 1990 stattfand, auf einer Freifläche an der Einmündung der Starkampstraße in die Hauptstraße.
Mit der Aufnahme in die Geotopdatenbank ist der Findling jetzt amtlich verzeichnet. Das LBEG hatte darüber hinaus versucht, bei der Region Hannover die Ausweisung des Findlings als Naturdenkmal zu erreichen. Dieser Antrag ist von der Region jedoch abgelehnt worden, da sich der Findling nicht mehr am ursprünglichen Fundort oder in dessen Nähe befindet und dieser Fundort nicht mehr konkret ausgewiesen werden kann. Als Naturdenkmal wäre der Stein dauerhaft geschützt gewesen.
Eine Liste aller Geotope in Niedersachsen kann über www.lbeg.niedersachsen.de unter Geologie und weiter unter Geotope und Geotourismus abgerufen werden. 

Erläuterung:
Geotope und deren Schutz

Gesteinsaufschlüsse, Felsen, Höhlen und Quellen - all dies sind Geotope. Sie sind nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Allgemeinheit von großer Bedeutung. Geotope sind Schlüsselstellen, an denen viel über die Entwicklung des Planeten Erde und des Lebens erfahren und auch vermittelt werden kann. Ihr Schutz ist daher von besonderer Bedeutung, da ein einmal zerstörtes Geotop meist nicht oder nur mit sehr großem finanziellem Aufwand wiederhergestellt werden kann, sagt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG).
Die in den letzten Jahren zunehmende Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Geotopschutz hat bereits dazu geführt, dass sorgsamer mit der unbelebten Natur umgegangen wird. Deshalb ist auch die zunehmende Berücksichtigung von Geotopen beispielsweise in den Landschaftsplänen von Gemeinden zu begrüßen. Ziel des Geotopschutzes ist es auch, ausgewählte Geotope sowie andere Geothemen für einen nachhaltigen Tourismus zu nutzen.
In Niedersachsen ist das LBEG für die wissenschaftliche Beurteilung und Dokumentation von Geotopen zuständig. Sinn dieser Bemühungen ist es, auch in Niedersachsen die wichtigsten Dokumente der Erdgeschichte langfristig zu sichern. (r.)