Brunnen als besonderes Gastgeschenk

Francoise Villet holte Bürgermeister Helge Zychlinski spontan zum Tanz.
 
Edda Frantz (links) verbrachte wie viele andere Gastgeber mit ihren französischen Gästen den Sonnabend an der Jugendhalle. Während die Basket- und die Volleyballer Freundschaftsspiele gegeneinander austrugen, frönten andere dem französischen Traditionsspiel Boule. Udo Bitterkleit hatte die Boule-Ausrüstung der Biss‘n Bouler zur Verfügung gestellt. Edda Frantz und ihre Gäste Jacqueline und Renee Lartillot haben bereits seit längerem Kontakt. Edda Frantz beteiligt sich bereits seit 1992 an der Partnerschaft.

Sehr emotionale Begegnung mit den französischen Freunden aus Roye

Wedemark (awi). 30 Jahre Partnerschaft Roye-Wedemark: drei Tage lang feierten Gäste und Gastgeber dies am verlängerten Himmelfahrtswochenende. Nach der Ausstellungseröffnung und den Gäs-teführertouren am Freitag (das ECHO berichtete) standen am Sonnabend der Tag der Vereine an der Jugendhalle und am Abend der Festakt im Forum des Schulzentrums auf dem Programm. Bigband der Musikschule und ein Jazz-Ensemble der französischen Gäste gestalteten die Veranstaltung musikalisch. Susanne Brakelmann, die Komiteevorsitzende aus der Wedemark, und ihr französisches Pendant Francoise Villet begrüßten die Anwesenden, darunter Bürgermeister Helge
Zychlinski, und die parlamentarische Staatssekretärin Caren Marks, bedankten sich bei den jeweils anderen und den Dolmetschern und überreichten Gastgeschenke: Die Wedemärker bekamen einen Brunnen mit den Worten, das Wasserspiel stellvertretend für die Partnerschaft zu sehen. Die Wedemärker überreichten ihren französischen Freunden Bilder aus der Ausstellung. Bereits bei der Ankunft hatten die Gäste aus Roye Gastgebern und Gästen jeweils einen Frotteeschal mit dem Aufdruck Roye-Wedemark übergeben. Susanne Brakelmann freute sich aber über ein anderes Mitbringsel der Franzosen noch viel mehr: die Sonne, die die Franzosen im Gepäck hatten und die die Wedemark im Festgewand erstrahlen ließ. Francoise Villet betonte, wie stark die Freundschaft zwischen beiden Gemeinden sich in diesen drei Jahrzehnten trotz der Sprachbarrieren weiterent-
wickelt habe. Sie dankte allen, die mit an dieser Partnerschaft gebaut hätten, insbesondere auch Antoine Tabacca, der mit einer privaten Verbindung zu einer Brelinger Familie schon vor der offiziellen Partnerschaft der Kommunen das Fundament gelegt habe. Tabacca ließ es sich denn auch nicht nehmen, zum Schluss auch noch einmal ans Mikrophon zu treten und das Fortleben der Partnerschaft und der Freundschaft gerührt zu beschwören.
Die aktuellen politischen Entwicklungen waren Thema in den Reden der Bürgermeister. Stellvertretend für Royes Bürgermeister Jacques Fleury, der aus gesundheitlichen Gründen nicht hatte reisen können, war Eric Gubois mitgekommen. Frankreich schäme sich für den Ausgang der Wahlen am letzten Wochenende, bekannte er. Wedemarks Bürgermeister Helge Zychlinski spielte auf die lange gemeinsame Geschichte Frankreichs und Deutschlands an. Diese sei in den letzten Jahrzehnten geprägt gewesen von Zeiten des Friedens und der Verständigung, viele Jahrhunderte lang aber auch von Perioden der Auseinandersetzung und des Krieges. Beide Nationen bildeten das Herz Europas, sowohl im geografischen als auch im politischen Sinne. Ein vereintes und gemeinsames Europa sei von allergrößtem Interesse für beide Nationen. Beide seien auf ein starkes und gemeinsames Europa angewiesen, da überbordende nationale Interessen und nationaler Chauvinismus sie schon zweimal in der jüngeren Geschichte in eine Katastrophe geführt hätten. Der Zusammenschluss der
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in den fünfziger Jahren und der Schritt zu einer auch politisch begründeten engen Zusammenarbeit in der EU seit den neunziger Jahren seien entscheidende Faktoren für den Wohlstand und den Frieden auf dem Kontinent, betonte Zychlinski. Diese europäische Annäherung und Verständigung hätten das Fundament gelegt, auf dem Partnerschaften zwischen französischen und deutschen Städten und Gemeinden begründet würden. „Aber diese Nähe und Freundschaft ist keine Selbstverständlichkeit, mit der man achtlos umgehen sollte“, mahnte Zychlinski. Immer mehr Menschen gebe es, die Europa nicht mehr als das würdigten, was es sei: Ein Raum des Friedens, der Partnerschaft und sogar der Freundschaft.
Dass es auch anders geht, bewies Komiteepräsidentin Francoise Villet spontan, als sie zu den Abschlussklängen der französischen Jazzband Bürgermeister Helge Zychlinski zum Tanz aufforderte. Unbeschwert hotteten beide vor der Bühne, rasch gefolgt von Caren Marks und ihrem Parteifreund Larbi Amerouz. Diese spontane Aktion und ein tolles Büfett der Fleischerei Grimsehl beendeten den Abend in einem von den Wedemärker Gastgebern unter Führung von Susanne Brakelmann mit besonderer Liebe zum Detail geschmückten Festsaal. Und manchem wird der Abschied am nächsten Morgen nicht ganz leicht gefallen sein.