Bürgerkönig mit dem Blasrohr ermittelt

Negenborns Schützenvereinsvorsitzender Andreas Stieber (rechts) mit Siegern und Platzierten des Pokal- und Blasrohrschießens bei der Proklamation am Schützentag. Foto: A. Wiese
 
Die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier begrüßte den Pioniergeist der Schützenvereine und ließ es sich nicht nehmen, das Blasrohrschießen selbst auszuprobieren.

Schützentag in Negenborn unter ganz neuen Vorzeichen

Negenborn (awi). Indigene Völker benutzen es bereits seit Jahrhunderten als Waffe, in Deutschland fällt das Blasrohr allerdings nicht unter das Waffengesetz, sondern ist ein Sportgerät. Und immer mehr Schützenvereine entdecken es für sich als Alternative, um neue Zielgruppen anzusprechen. In Negenborn fand am Sonnabend der erste Schützentag statt, bei dem das Blasrohrschießen im Mittelpunkt stand. Dafür hatten sich die drei Schützenvereine Negenborn, Abbensen und Brelingen zusammengetan. Und erstmals wurde ein Bürgerkönig per Blasrohr ermittelt. Diesen Titel errang Lea Harting aus Brelingen. Leider war sie bei der Preisvergabe am Sonntagabend nicht zugegen. Hinter ihr platzierten sich der Schützenvereinsehrenvorsitzende Dirk Meyer aus Negenborn und Sabine Horstmann aus Abbensen. Als besten Schützen des Schützenvereins Negenborn zeichnete Vorsitzender Andreas Stieber Arnd Gerberding aus.
Die Wertung beim Blasrohrschießen wurde in verschiedene Altersklassen eingeteilt. In der Klasse der Schüler gewann Jonathan Biester vor Henri Scharlmann und Tim Eggener (alle aus Negenborn). Bei den Jugendlichen setzte sich Maurice Horstmann gegen Joost Stumpf und Thor Scharlmann durch (alle Negenborn). Stieber nutzte die Proklamation am Sonnabendabend auch, um die Gewinner des Pokalschießens am 25. August zu ehren. Beim Lichtpunktschießen der Kinder gewann Henri Scharlmann. Den Kinder und Jugendpokal sicherte sich Thor Scharlmann vor Frederik Weber. Der Dorfteile-Pokal geht in diesem Jahr an die Aktivengruppe der Ortsfeuerwehr Negenborn. Auf den Plätzen folgen der Förderverein Feuerwehrwald, die Straßengruppe Klosterende, der Traditionsverein, die Ortsfeuerwehr Negenborn Alt-Alt, die Ortsfeuerwehr Negenborn Altersgruppe, die Powerfrauen des Schützenvereins Negenborn und die Gruppe Cowboy Jane aus dem Schützenverein Negenborn. Den Herren-Wanderpokal errang Kevin Esser mit 89 Ring vor Andreas Stieber und Hartmut Winter, der Damen-Wanderpokal ging an Rita Hermann (89 Ring) vor Elena Zhukova. Den Kaiseradler holte sich Ulrich Winkel mit 93 Ring vor Gabriele Stieber und Marlies Lehmann. Und die Opa-Scheibe ging an den ganz frisch gebackenen Großvater Arnd Gerberding, der sich gegen Ulrich Winkel und Andreas Stieber durchsetzte.
Bei der Eröffnung des Negenborner Schützentages am Sonnabendnachmittag erklärte Schützenvereinsvorsitzender Andreas Stieber, warum sich der Verein in Kooperation mit den Schützen aus Abbensen und Brelingen entschlossen habe, den Schützentag einmal anders durchzuführen und sogar den Bürgerkönig mit dem Blasrohr zu ermitteln. Den dre Vereinen gehe es vor allem darum, das Blasrohrschießen als Sportdisziplin vorzustellen. Ursprünglich habe man das Schießen im Freien durchführen wollen, habe aufgrund des Winds aber davon absehen müssen. So war im Schützenhaus alles für das Schießen vorbereitet und Stieber erläuterte den Interessierten, zu denen auch die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier und der stellvertretende Ortsbürgermeister Wolfgang Kasten und die Kreisschützenmeisterin Christiana Böttcher sowie Pastorin Debora Becker und Julia Runge vom Kirchenvorstand gehörten, wie das Schießen mit dem Blasrohr funktioniert und was zu beachten ist. Zuvor hatte die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier betont, dass sie sich über das Pilotprojekt der Negenborner Schützen sehr freue und besonders die Kooperation der Verein begrüße, die Wege suchten, um gegen den Mitgliederschwund anzugehen. Sie komme selber aus einer Schützenfamilie und halte es für wichtig, Traditionen weiterzuführen, betonte Schönemeier. Sie lobte auch, dass alle drei Vereine den Regionssportbund im nächsten Jahr mit einer Schießveranstaltung unterstützen wollten. Der stellvertretende Ortsbürgermeister Wolfgang Kasten, der als Ehrenvorsitzender des Schützenvereins Abbensen, eine große Affinität zum Schießsport hat, stellte ebenfalls den Schützenverein Negenborn als „Macher neuer Ideen" heraus. Einer müsse das Zugpferd sein, um mit neuen Ideen Jugendliche und Erwachsene an die Schützenverein heranzubringen, so Kasten.
Andreas Stieber führte aus, dass das Blasrohrschieße  zwar seit Urzeiten Tradition habe, im Norden Deutschlands aber noch nicht so lange angekommen sei. In der Region Hannover werde es mittlerweile von sieben Vereinen angeboten, bei denen vor allem der Spaßfaktor im Vordergrund stehe. Im Senioren- und Jugendbereich werde über fünf Meter, bei den Junioren und Erwachsenen über sieben Meter Entfernung und im Erwachsenenbereich zudem über zehn und 20 Meter mit Geschossen verschiedener Kaliber geschossen. Wer sich nach dem Hineinschnuppern für das Blasrohrschießen als Sport entscheide, sollte sich aus hygienischen Gründen ein eigenes Blasrohr anschaffen, empfahl Stieber, die gebe es in Größenvon 80 bis 160 Zentrimetern mit verschiedenen Mundstücken. Das Blasrohrschießen, so betonte er, werde für Menschen mit Atemerkrankugnen sogar als Therapie verordnet, weil es das Lungenvolumen vergrößere. Die Scheiben, auf die gezielt wird, kennt man vom Bogenschießen, es gebe aber auch Spaßscheiben mit Motiven, so Stieber. Er freute sich über das große Interesse an der neuen Disziplin, bot allen Interessierten an, zu den Übungsabenden zu kommen und kündigte nach der Proklamation an, dass der Schützentag mit einer tollen After-Show-Party auf der Bürgerwiese ausklingen werde.