Bürgermeister ist täglich im Rathaus

In Zeiten von Corona absolviert Bürgermeister Helge Zychlinski viele seiner Termine in Form von Videokonferenzen, auch die Pressekonferenz am Donnerstag. Archivbild: Maren Kolf

Kämmerer und Erste Gemeinderätin wechseln sich im Homeoffice ab

Wedemark (awi). „Liebe Wedemärker, die Sie zu den sogenannten Risikogruppen gehören, nehmen Sie bitte Hilfsangebote wie den ehrenamtlichen Einkaufsservice von Kirchengemeinden und Freiwilligenagentur in Anspruch. Ich weiß, wie schwierig das ist, aber es muss im Interesse unser gesamten älteren Bevölkerung sein, dass man so wenig wie möglich nach außen geht. Zwingend gilt: Je älter desto weniger Kontakt. Denken Sie an Ihre Enkelkinder, die ihre Großeltern auch nach Corona noch haben und mit ihnen spielen wollen!“ Mit diesem eindringlichen Appell beschloss Bürgermeister Helge Zychlinski am Donnerstagmittag die Videopressekonferenz, zu der er erstmals eingeladen hatte.
Ungewöhnliche Zeiten erfordern eben ungewöhnliche Maßnahmen und nachdem der Bürgermeister sich bereits in den sozialen Medien und auf der Homepage per Video an die Bevölkerung wendet, hat er diesmal diesen Weg gewählt, um nicht nur Informationen nach außen zu tragen, sondern auch Fragen der Lokaljournalisten zu beantworten. Am Donnerstag waren in der Region 911 Personen positiv auf Corona getestet, in der Wedemark waren es zu dem Zeitpunkt 26. Dass die Zahl der Neuinfektionen im Laufe der letzten Woche nicht mehr so stark gestiegen sei, sei eine gute Nachricht, findet Helge Zychlinski und belege, dass die von der Bundesregierung angeordneten Maßnahmen, so schwer sie für alle seien, doch erste Wirkung zeigten. Von Entspannung könne jedoch noch keine Rede sei. Die Situation sei noch immer brandgefährlich, so seine Worte und der dringende Appell, die Regeln einzuhalten. Immerhin seien 143 Erkrankte in Kliniken der Region und 49 davon würden intensiv betreut. Und auch acht Todesfälle hatte es bis Donnerstag in der Region Hannover gegeben. Die Verwaltung der Gemeinde Wedemark werdealles für die konsequente Umsetzung der Maßnahmen tun, betonte Zychlinski. Er freute sich,d ass bisher so gut wie keine Probleme mit der Bevölkerung gegeben habe. Die Überwachung sei einfach, weil fast alle selbst sehr verantwortungsvoll seien. Das gelte auch für die Schließung der Unternehmen. Es seien keine Verstöße festgestellt worden. Mit der Polizei sei die Gemeinde in engem Austausch. Auch von dieser Seite hätten keine Verfahren eingeleitet werden müssen. „Das tut uns gut und macht uns das Geschäft leicht“, bedankte sich der Bürgermeister bei den Wedemärkern.
Der Krisenstab im Feuerwehrhaus komme täglich zusammen. Die Bürgermeister der Region konferierten zwei Mal die Woche miteinander. Thema seien dabei meist die Graubereiche der Verordnungen. Da gehe es zum Beispiel um Mischbetriebe, die nicht nur Lebensmittel führten. Ob diese geöffnet haben dürfen und wenn, ob sie auch die anderen Waren verkaufen dürfen. „Wir brauchen ja auch Rechtssicherheit“, so Zychlinski. Inzwischen stimmt er sich auch in täglichen Telefonkonferenzen mit den Wedemärker Hausärzten und den Leitungen der Alten- und Pflegeheime ab. So habe man sich auf Sammelbestellungen für Schutzausrüstungen geeinigt, was allen Vorteile bringe.
Die Gemeinde unterstütze zudem Angebote, die anderen helfen, engagiere sich gemeinsam mit den Gewerbevereinen für die Wedemärker Wirtschaft, richte Telefonkette für Alleinlebende ein, organisiere Aktionen für Menschen in Pflegeheimen, die jetzt Post von Kindern bekommen sollen und vieles mehr. Auch die Kollegen in den KiTas machten sich Gedanken und entwerfen Beschäftigungsangebote für Eltern und Kinder oder seien Ansprechpartner gegen den „Lagerkoller“. Die Aktivitäten von Wirtschaftsförderin Antonia Hingler seien ein voller Erfolg. „Man braucht keinen Internethandel, soll die Händler vor Ort nutzen“, lautet die Botschaft. Die böten mittlerweile großflächig einen Lieferservice an, wenn man nicht aus dem Haus gehen wolle. Zychlinski lobte die Politik, die durch einen Umlaufbeschluss eine großzügige Gewerbesteuerstundung abgesegnet habe. „Wir wissen, dass das für unseren Haushalt dramatische Folgekosten haben wird, aber darüber denken wir jetzt nicht nach. Jetzt müssen wir helfen“, so der Bürgermeister. Der Verwaltungsausschuss hat in einer Eilentscheidung die Möglichkeit geschaffen, Aufträge bis 200.000 Euro aus der Verwaltung heraus ohne Rücksprache mit der Politik erteilen zu dürfen. Sonst lag hier die Obergrenze bei 50.000 Euro. Auch auf öffentliche Ausschreibungen kann die Verwaltung momentan bei Dienstleistern und Warenlieferungen verzichten, wenn sie drei Angebote vornehmlich von lokalen Anbietern einholt. Das macht es örtlichen Unternehmen leichter, einen Auftrag von der Kommune zu bekommen.
Zu der Verschiebung der Wirtschaftsmesse in das Jahr 2021 habe es aus seiner Sicht mittlerweile keine Alternative mehr gegeben, sagte Zychlinski. Dabei gehe es gar nicht darum, ob Veranstaltungen dieser Art im Juli schon wieder erlaubt sein würden, sondern vielmehr darum, dass die Unternehmen jetzt etwas anderes zu tun hätten, als Messevorbereitungen zu treffen.
Um die Gemeindeverwaltung handlungsfähig zu halten, wechselten sich Kämmerer Joachim Rose und die Erste Gemeinderätin Susanne Schönemeier im Homeoffice ab, während er selbst täglich im Rathaus vor Ort sei, so Zychlinski. Für den Fall, dass er selbst positiv getestet würde oder ein Kontakt zu einer infizierten Personen nachgewiesen werde, werde er sich aber selbstverständlich ebenso wie Regionspräsident Hauke Jagau oder Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay in häusliche Quarantäne zurückziehen. Sollten die aktuellen Maßnahmen verlängert werden, geht Zychlinski von einer Ratssitzung mit reduzierter Personenzahl und Pairing-Vereinbarungen in einem großen Raum aus, wo die Abstandsregelungen eingehalten werden könnten.