Bürokratie, Preise und Zukunft

Grüne und Landwirte sind erfreut über den direkten Austausch. Vordere Reihe: Christiane Russels, Miriam Staudte, Martin Schönhoff, Christine Heins, Louisa Backhaus, Willi Lucka. Dahinter stehend: Cord Heinrich und Jan Vortmüller, Aline Kolletzki, Kathrin Kuhfß, Marco Kurz , Horst Menze. Foto: E. Rodenbostel

Landwirte sprechen mit Grünen

Bissendorf (er). Zu einem Dialog der Landwirtschaft mit den Wedemärker Grünen hat Vorstandsmitglied Kathrin Kuhfß ins Bürgerhaus nach Bissendorf geladen. Die Junglandwirte Christine Heins, Louisa Backhaus und Martin Schönhoff waren gekommen, um sich den Fragen der Grünen und anderer Teilnehmer zu stellen und ihre eigenen Bedenken, Wünsche und Forderungen direkt zu äußern.
Miriam Staudte, Mitglied des Landtags der Grünen: „Im Moment ist der Landwirt ein Rohstofflieferant – das Geld verdient nicht der Landwirt. Über die Hälfte des Einkommens wird über die Agrarförderung subventioniert, für freien Welthandel und billige Importe. Die Produktion wird subventioniert und dann exportiert.“ Christiane Russels, Sprecherin der Grünen sagte: „Es herrscht ein enormer Preisdruck. Viele Verdienen an der Landwirtschaft, nicht mit der Landwirtschaft.“
Christine Heins betonte die ungleichen Wettbewerbsbedingungen in der EU und zu den sich ständig verändernden Vorschriften sagte sie: „Ein Stall wird auf 30 Jahre abgeschrieben, da geht es nicht, wenn alle 2 Jahre neue Vorschriften kommen.“ Miriam Staudte versteht, dass die Landwirte Planungssicherheit suchen und brauchen. Die Grünen möchten keine Großunternehmer sondern bäuerliche Landwirtschaft, wobei die Anzahl der Tiere der Fläche angepasst sein soll.
Für Martin Schönhoff stellten sich die Fragen „Haben wir hier in 20 Jahren noch Landwirtschaft? Niedersächsische Landwirtschaft ist in Familienhand, aber kann die nächste Generation noch den Betrieb übernehmen? Wir denken in Generationen, oder sollen wir Landschaftspfleger werden? Wie werden die Landwirte in der Bevölkerung wahrgenommen? Wir kennen keinen Mangel. Gibt es deshalb bei der Bevölkerung Dankbarkeit oder ist die Wahrnehmung beschränkt auf Nitrat und Umweltaspekte? Es werden immer weniger Landwirte, wir spielen politisch keine große Rolle.“ Dies bestätigte auch Miriam Staudte: „Bei großen Weichenstellungen sind die Nachteile für die Landwirtschaft vernachlässigbar“, heißt es oft in den Gremien.
Zur Frage der Organisation der jungen Landwirte stellten diese fest, dass sie friedlich miteinander das Gespräch suchen und sich selbst durch die neuen Medien organisieren. Louisa Backhaus: „Wir fühlen uns in den Verbänden nicht vertreten. Dort können viele Ehrenämter angenommen werden, doch zu Hause muss auch etwas erreicht werden.“ Martin Schönhoff ergänzte: „Wir haben uns im Oktober 2019 organisiert, am 22. Oktober sind wir mit mehreren 1000 Treckern in Berlin gewesen und die Meldung in der Presse beschränkte sich auf eine Karikatur eines Bauern. Das ist eine erschreckende öffentliche Darstellung. Mit unserer Bewegung “Land schafft Verbindung“ sind wir eine absolut friedliche und kommunikative Organisation. Es heißt: „Wir rufen zu Tisch“, um miteinander zu sprechen. Dazu rief der Verbraucher Christian Kolletzki ausdrücklich auf: „Die jungen Landwirte machen ihre Probleme transparenter und viele Menschen werden erreicht. Es wird immer mehr hinterfragt. Bitte machen Sie weiter“
Christine Heins stellte die bürokratischen Hürden bei Antragstellungen in den Vordergrund. Sie meinte, dass sich mehr Landwirte an Naturschutzprogrammen beteiligen würden, wären die Anträge einfacher gehalten und die angedrohten Sanktionen bei Nichteinhaltung, der auf den Zentimeter genauen Maße, nicht in solcher Höhe. Bei manchen Projekten sei es durchaus schon mit schlankeren Maßnahmen möglich, zusammen zu arbeiten.
Verschiedene Teilnehmer der Diskussionsrunde gaben Beispiele für ihre Ideen der Weiterführung der Landwirtschaft in Niedersachsen. Tierärztin Claudia Preuß-Ueberschär: „Was von außen kommt, muss unseren Standards entsprechen. Hier werden Produkte günstiger verkauft als der Erzeugerpreis.“ Naturschutzobmann Folke Hein stellte fest: „ Es gibt wenig Wertschätzung der Landwirte. Milch kann nicht billiger sein als Wasser. Der Roggen kostet weniger als vor 35 Jahren. Der gerechtfertigte Preis für ein Kilo ordentlich aufgezogener Gans wird in Deutschland um 80 % unterschritten. Wer möchte für nur 20 % seines Lohnes arbeiten?“ Wolfgang à Wengen gab den Vorschlag, die Landwirte für gute Bewirtschaftung zu belohnen: „Es besteht ein Mehraufwand, wenn Bäume stehen gelassen werden. Sie werden im Moment aus der Bezuschussung herausgerechnet. Da werden Gebiete ohne Baumreihen belohnt! Landwirte können als Kohlendioxid-Förderer gesehen werden.“
Miriam Staudte sagte, die Agrarfördermittel seien da. „Es muss nur geguckt werden, was genau die Politik fördern möchte.“ Nach einem Austausch in angenehmer Atmosphäre schloss Kathrin Kuhfß das Gespräch am runden Tisch und lud zu einer Folgeveranstaltung im nächsten Herbst ein, um zu sehen, was aus den Landwirten und ihren Problemen geworden sei. Diese wiesen auf den im Februar stattfindenden Junglandwirtetag in Burgdorf hin, zu dem Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner ihr Kommen zugesagt hat.