CDU gedenkt der Brandopfer vom 24.Mai 1945

Ortsbürgermeisterin Jessica Borgas (Mitte) und die Vorstandsmitglieder der CDU Mellendorf/Gailhof Rudi Ringe (von links), Christian Hargens, Konstanze Giesecke und Gerhard Menke an der Gedenkstätte auf dem Mellendorfer Friedhof. Foto: CDU Mellendorf/Gailhof

Ewald Niedermeyer beschreibt die Vorgänger in seinem Mellendorfer Kriegstagebuch

Mellendorf. Es geschah vor 75 Jahren mitten in Mellendorf. Rund zwei Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945, dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Bürger von Mellendorf durch die englischen Besatzungstruppen angewiesen, alle in ihren Haushaltungen vorhandenen „Nazibücher“ abzugeben.
Wie der Chronist Niedermeyer berichtet, musste diese Ablieferung am 24. Mai 1945 erfolgen (vgl. https//www.wedemark.de /portal/ seiten/1939-1945-kriegsereignisse-918000366-20051.html). Allen Einwohnern wurde befohlen, an jenem Tag um 19 Uhr beim Gasthaus Stucke zu erscheinen. Viele folgten dem Befehl. Mitten auf der Kreuzung lag ein Haufen „Nazibücher“. Die Menschen mussten dicht herantreten. Ein englischer Offizier hielt eine Ansprache. Er sagte, dass er und andere (Bergen-) Belsen gesehen hätten und dass die Amerikaner, Engländer und Russen Deutschland besetzt hätten, damit so etwas nicht wieder vorkomme. Dann mussten die Menschen zurücktreten. Mit einem Flammenwerfer sollten die Bücher angezündet werden, um den Deutschen die Machtmittel der Besatzungstruppen zu zeigen, so Niedermeyer. Als der Feuerstrahl aus dem Flammenwerfer kam, hörte man entsetzte Schreie. Der Flammenwerfer war zu hoch eingestellt. Der Feuerstrahl traf auf die Personen, die an Bertrams Gartenzaun standen. Er wurde dann Richtung Osten geschwenkt und abgestellt. Die getroffenen Menschen, alles Zivilisten, brannten bei lebendigem Leibe und erlitten schlimmste Brandwunden. Das Rote Kreuz leistete erste Hilfe. Die Engländer, die sehr betroffen waren, halfen mit ihren Autos beim Transport der Schwerverletzten nach Hannover ins Krankenhaus. Insgesamt fünf Menschen war am Ende nicht mehr zu helfen. Sie starben noch an der Brandstelle oder einige Tage später im Krankenhaus. Am folgenden Tag konnte man im Dorf folgende Bekanntmachung des damaligen Bürgermeisters Bruns lesen: „Der englische Kommandant spricht sein Bedauern über den am gestrigen Tage stattgefundenen Unglücksfall aus. Er betont besonders, dass es keinesfalls aus Vorsatz geschehen ist sondern lediglich ein tragisches Verhängnis war.“ Drei der fünf Verstorbenen, Wilhelm Gropp und seine erwachsene Tochter Berta Gropp  sowie Frieda Tews wurden auf dem Mellendorfer Friedhof in Gräbern einer großen gemeinsamen Gedenkstätte beigesetzt. Die beiden anderen Todesopfer, Frau Voltmer und Frau Raffel wurden in ihre umliegenden Heimatgemeinden überführt und dort beerdigt.
Am Rande der Gedenkstätte befindet sich auch das Grab einer jungen Russin, Maria Kulibaba, die am 31. März 1943 im Emaillierwerk verstarb, wie Niedermeyer unter dem Eintrag vom 4. April 1943 in seinem „Mellendorfer Kriegstagebuch 1942 – 1949“ berichtet, ohne allerdings ihren Namen und die näheren Todesumstände zu nennen. Maria Kulibaba wurde nur 24 Jahre alt. Viele Jahre hat die „Soldatenkameradschaft Mellendorf und Umgebung e.V.“ die Gedenkstätte auf dem Mellendorfer Friedhof ehrenamtlich gepflegt und in Ordnung gehalten. Inzwischen sind die Mitglieder des Traditionsvereins aus Altersgründen jedoch nicht mehr in der Lage, diese Arbeiten zu erledigen.
Auf Bitten der Vorsitzenden des CDU-Ortsverbandes Mellendorf-Gailhof und Ortsbürgermeisterin Jessica Borgas sowie ihres Vorgängers Rudi Ringe hat die Gemeinde Wedemark nun die die Pflege dieser Grabstellen übernommen. Borgas und Ringe danken in diesem Zusammenhang besonders Thomas Warneke aus dem Team Gebäude- und Flächenbewirtschaftung für seinen schnellen und besonderen Einsatz. Der Vorstand des CDU-Ortsverbandes Mellendorf-Gailhof gedachte am 75. Jahrestag dieses schrecklichen Unglückfalles der Verstorbenen, aber auch der schwerverletzten Opfern und legte an der Grabstelle ein Gesteck nieder – erinnernd und mahnend zugleich.