Cirkus Minimum bleibt noch etwas

Ricardo Köhler und Carmen Frank – hier mit der nächsten Zirkusgeneration, Enkelin Mary Lou – freuen sich über die positive Resonanz der Langenhagener Bevölkerung und ziehen von Engelbostel nächste Woche an das Schützenhaus des SV Langenforth an der Emil-Berliner-Straße 30 in Langenhagen. Foto: A. Wiese

Freundliche Aufnahme an der Emil-Berliner-Straße überzeugt

Langenhagen (awi). Der Cirkus Minimum verlängert sein Gastspiel im Gebiet der Stadt Langenhagen: Nach den erfolgreichen Vorstellungen in Kaltenweide und Engelbostel, ist es auch beim Schützenverein Langenforth an der Emil-Berliner-Straße 30 in Langenhagen gut gelaufen. Daher verlängert der Zirkus noch bis zum nächsten Wochenende, 18. bis 20. Oktober. Vorstellungen sind am Freitag, 18. Oktober, und Sonnabend, 19. Oktober, um 16 Unr und am Sonntag, 20. Oktober, um 14 Uhr.
Eigentlich war nach Engelbostel die Weiterfahrt nach Letter geplant, der Platz schon lange gebucht. „Doch wir haben dort keine Möglichkeit Strom zu bekommen und nur mit unserem Diesel-Aggregat, das reicht jetzt im Herbst nicht“, bedauert Carmen Frank. Sie ist diejenige in dem kleinen Familienzirkus, die die Plätze und alles, was dazu gehört organisiert. Jetzt war guter Rat teuer. Wohin nach Engelbostel, bevor es dann so langsam in Richtung Winterquartier geht? Die Wagenburg für die Menschen und das Stallzelt für die Ponys, Pferde und Hunde braucht ein wenig Platz, dazu kommt das Zelt, denn natürlich möchte der Cirkus Minimum nicht nur irgendwo stehen, sondern auch spielen. „Die Platzsuche wird von Jahr zu Jahr schwerer, das ist kein Vergleich mehr mit früher, wo sich die Menschen freuten, wenn ein Zirkus in ihre Stadt oder ihr Dorf kam“, sagt Ricardo Köhler ernst. Die Städte und Gemeinden, so hat die Familie oft den Eindruck, wollen keinen Zirkus bei sich haben, obwohl sie, wenn sie einen offiziell gewidmeten Festplatz mit Wasser- und Stromanschluss hätten, nach altem Recht sogar verpflichtet seien, ihn dem Zirkus zu überlassen. Doch dann werden eben die Platzmieten so utopisch hoch angesetzt, dass die Familie keine Chance hat.
„Das liegt natürlich auch an schwarzen Schafen in unserer Zunft“, ist Ricardo Köhler ehrlich. Nicht alle Zirkusfamilien hinterlassen die Plätze sauber und ordentlich und halten sich an Absprachen bezüglich der Termine, bleiben einfach auf den Plätzen stehen. Natürlich gibt es immer mal Notsituationen, so wie beim Cirkus Minimum in Mellendorf vor zwei Jahren. Ricardo Köhler versengte sich beim Feuerschlucken in der Vorstellung die Lunge, kam mit schweren inneren Verbrennungen ins Krankenhaus Siloah. Am Ende ging alles gut aus. Die Narben sind verheilt, der Zirkuschef bekommt wieder Luft, die Feuerschluckernummer darf er allerdings nie wieder machen, das muss-te er dem Professor im Krankenhaus versprechen. Und der Cirkus konnte natürlich nicht wie geplant weiterziehen, sondern blieb mehrere Wochen, organisierte Sondervorstellungen für Kindergärten, um sich und die Tiere über Wasser zu halten. Aber das ist die Ausnahme.
Normalerweise ist der Cirkus Minimum eine, maximal zwei Wochen an einem Standort, dann geht es zum nächsten. Die beiden übermäßig heißen Sommer in diesem und im letzten Jahr haben die Familie Köhler/Frank allerdings zu einer Hitzepause gezwungen. Bei über 30 Grad geht niemand in den Zirkus und können die Tiere und Artisten auch nicht im Zelt auftreten. Als jetzt die Frage im Raum stand, wohin nach Engelbostel, weil sich Letter zerschlagen hat, gab ein Bekannter den Hinweis auf den kleinen Schützenplatz beim SV Langenforth an der Emil-Berliner-Straße, wo schon sehr lange kein Zirkus gewesen sei. Also fasste sich Carmen Frank ein Herz und fuhr zu Gastwirt Volker Krause. Und sie erlebte eine schöne Überraschung: Auf ihre vorsichtige Frage, ob sie vielleicht ab nächste Woche für gut zehn Tage mit ihrem Zirkus auf den Platz und dort spielen könne, lautete die Antwort ohne Wenn und Aber einfach: „Ja!“ Nach der überaus herzlichen Aufnahme an der Zellerie in Kaltenweide, wo die Besucher sich nach den Vorstellungen dafür bedankten, „endlich mal wieder einen richtigen Zirkus wie früher“ gesehen zu haben, wo Ricardo Köhler Landwirte fand, die ihm den Mist abnehmen und Futter zu fairen Preisen verkaufen, und der Vorfreude auf Engelbos-tel ist diese Möglichkeit, in Langenhagen auftreten zu können, eine große Freude für Ricardo Köhler, Carmen Frank und ihre drei Söhne. Sie haben den Zuschauern am nächsten Sonnabend un 16 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr in Engelbostel sowie vom 3. bis 13. Oktober an der Emil-Berliner-Straße ein tolles Programm mit Artistik und Tierdressuren zu bieten, mit der Erfahrung aus vielen Zirkusgenerationen. Ricardo Köhler ist die dritte Generation einer angesehenen Zirkusfamilie, Carmen Frank die siebte.
Als Kind zog sie mit dem Zirkus ihres Vaters, Kamelen und Elefanten sogar durch Norwegen. Wenn sie daran denkt, wird sie melancholisch. Am Freitag kostet der Eintritt auf allen Plätzen zehn Euro. An den Sonntagen ist jeweils Familientag, dann zahlen Erwachsene Kinderpreise für das eineinhalbstündige Zirkusprogramm. Übrigens: Der Cirkus Minimum geht nicht von Tür zu Tür betteln, aber andere versuchen es gerne in seinem Namen. Weitere Infos gibt es unter Telefon (01 52) 23 99 14 79.