Comedy zur Integrationshilfe

Tan Caglar mit seinem Bühnenkandidat Peter, der ihn vor einige Herausforderungen stellte. Foto: E. Rodenbostel

Tan Caglar überzeugte mit Witz und hintergründigen Informationen

Bissendorf (er). Anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember lud in diesem Jahr der Behinderten Beirat der Gemeinde Wedemark mit der ersten Vorsitzenden Susanne Rangen und dem Leiter des Freiwilligenagentur Daniel Diedrich zu einer besonderen Stand-up-Comedy ins Bürgerhaus nach Bissendorf. Geladener Gast war der „Botschafter für Inklusion“ Tan Caglar, der sich nicht gern als solcher ausgibt, sondern eher die Menschlichkeit in den Vordergrund stellt. Er ist Rollstuhlfahrer und Türke und mit der Einladung wurden laut seiner Auffassung damit gleich zwei wichtige Themen abgehakt. Viele Anspielungen auf das Leben mit einem Rollstuhl kamen in humorvollen, gut eingebetteten Alltagsepisoden zur Sprache. So mancher Teilnehmer fasste sich bei den erwähnten Szenen an die eigene Nase. Es wurde auf eine rücksichtsvolle und sensible Weise in sarkastischen aber nicht drastischen Worten auf den Umgang mit Rollstuhlfahrern hingewiesen. Das Publikum für sich zu gewinnen war für den 39jährigen, der auch als Model und Coach arbeitet, nicht schwierig. Mit seinem verschmitzten Lächeln und der unkonventionellen, charismatischen Art gewann er die Bissendorfer Zuschauer im Nu.
Tan Caglar kommt aus Hildesheim und leidet seit seiner Geburt an einer Rückenmarkserkrankung, die ihn vor 15 Jahren in den Rollstuhl „zwang“. Nach einer Phase der Depression fand er über den Rollstuhl-Basketballsport neuen Lebensmut. Durch die Arbeit mit Kindern und beim Coaching kam er zur Comedy. Er entdeckte den Humor als Türöffner und sagt: „er ist meine Muttersprache.“
Themen des Abends waren die Geschwindigkeit des Treppenlifts, Einkaufen im Baumarkt oder der freie Behinderten-Parkplatz vor dem Fitnessstudio. Das Einkaufsverhalten im Supermarkt und unzählige Besonderheiten im alltäglichen Leben, die immer wieder Unsicherheit oder mangelnde Sensibilität der „Fußgänger“ spüren lassen. Dabei wurden Unterschiede, Auffälligkeiten und gelebte Integration zwischen Türken und Deutschen nicht ausgelassen. Tan Caglar: „Der Vater hisst schon bei Halbmond über dem Haus die deutsche Fahne, nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen!“
Die zahlreichen Zuschauer freuten sich über eine gelungene Vorstellung zu der es am Schluss Standing Ovations für einen Rollstuhlfahrer gab, wie der Comedian mit einem Lächeln bemerkte. Bei der Zugabe wies er auf seine erschienene Biografie „Rollt bei mir“ hin und der nächste Auftritt, dann schon mit dem neuen Programm „Geht nicht? Gibt’s nicht“ findet am 26. Februar in Hannover statt.