Coronalast liegt auf Frauenschultern

Online-Vortrag „Resilienz – Unsere seelische Widerstandsfähigkeit“ am 8. März

Wedemark/Langenhagen (r/awi). Die wenigsten Frauen wird es wundern, dass die Corona-Krise sie am stärksten trifft. Vielfach ist vom Corona-Zustand als dem Brennglas die Rede, das die ungleiche Lebensrealität zwischen Frauen und Männern einmal deutlicher zum Ausdruck bringt. Insbesondere beim Homeschooling sind vor allem die Mütter gefordert. Wie man sich selbst stark machen kann, um mit dieser besonderen Belastung zurecht zu kommen, darüber spricht Heilpraktikerin Edith Ahrmann in ihrem Online-Vortrag „Resilienz – Unsere seelische Widerstandsfähigkeit“ am 8. März von 18 bis 20 Uhr.
Einladende zu diesem Vortrag sind die Gleichstellungsbeauftragten der drei Kommunen Wedemark, Langenhagen und Isernhagen, Silke Steffen-Beck, Christiane Hartmann und Irene Sassenburg-Fröhlich. Sie wollen den Frauen in ihren Kommunen Rüstzeug an die Hand geben, sich selbst stark zu machen, um die Herausforderungen zu meistern. „Trotz aller Fortschritte in den Bereichen Gleichstellung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf zeigte sich zu Beginn der Pandemie, wie stark tradierte Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft verinnerlicht sind. Ohne Zögern wurde die Verantwortung für Kinderbetreuung und Hausunterricht den Familien überlassen. Einem solchen Vorgehen liegt die Logik des Hausfrauenmodells zugrunde, das an der Lebensrealität des mittlerweile dominanten Modells von Zwei-Verdienerpaaren vorbei und zulasten von Eltern, insbesondere Mütter ging. Unbezahlte Arbeit ist nach wie vor unsichtbar und wenig anerkannt“, heißt es in einer Studie von Hipp/Brüning im November 2020. Nach wie vor sind Frauen, diejenigen in der Familie, die den größten Anteil an Familienarbeit leisten. In einer aktuellen Studie wurden die männlichen Teilnehmer befragt, wer in der Familie den größeren Teil an Kinderbetreuung übernimmt. Sieben Prozent der Männer sahen es bei sich selbst, 59 Prozent bei ihrer Partnerin und 34 Prozent bei beiden gleich verteilt. Gut sichtbar werden diese Verhältnisse auch in den Kommunalverwaltungen durch den geringen Anteil von männlichen Beschäftigten, die in Teilzeit arbeiten.
In Isernhagen liegt der Anteil von Männer in Teilzeit bei knapp 14 Prozent. Bei der Stadt Langenhagen sind nur 12.29 Prozent der in Teilzeit arbeitenden Menschen Männer und in der Wedemark sind es dann tatsächlich auch nur noch 7,98 Prozent. Ein weiterer Aspekt ist das Thema der finanziellen Ressourcen. So zeigt eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit, dass der Frauenanteil bei den Beschäftigten in den Krankenhäusern bei 76 Prozent liegt, im Einzelhandel mit Nahrungsmitteln bei rund 73 Prozent und in Kindertagesstätten sogar bei knapp 93 Prozent. Frauen sind die, die in der Entlohnung an der unteren Marge arbeiten, ganz zu schweigen von den Friseurinnen, Reinigungskräften, Frauen im Hotel- und Gaststättengewerbe, die jetzt bei ihrem geringen Einkommen, auch noch vom Kurzarbeitergeld leben müssen, dass im Zweifelsfall auch noch geringer ausfällt als bei Männer, da Frauen häufig in Branchen ohne Tarifvertrag arbeiten oder die einen Minijob haben und Kurzarbeit gar nicht in Anspruch nehmen können. Hier zeigt sich einmal mehr die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen, auf die jedes Jahr der Equal Pay Day, in diesem Jahr am 10. März, aufmerksam macht. In diesem Jahr besteht die Lücke in einer Größenordnung von 19 Prozent. Im Rahmen der derzeitigen Corona-Diskussion rückt ein weiteres Thema in den Vordergrund, nämlich wer darüber entscheidet, welche Maßnahmen ganz nach vorne gestellt werden, und das sind überwiegend Männer. Das führt dazu, dass die Verantwortung für Kinderbetreuung und Homeschooling den Familien und hauptsächlich den Müttern überantwortet wird. Der Anteil der Frauen in den politischen Gremien des Bundes liegt zur Zeit bei 30,9 Prozent, des Landes Niedersachsen bei 25 Prozent, in der Wedemark erfreulicherweise Weise bei 42,86 Prozent, in Langenhagen bei 30 Prozent und in Isernhagen bei 25,7 Prozent.
Dass sie sich für das Thema Resilienz im Online-Vortrag entschieden haben, begründen die drei Gleichstellungsbeauftragten aus der Wedemark, Langenhagen und Isernhagen auch mit einem Blick in eine Studie der MHH zu Covid-19 aus dem letzten Jahr, aus der hervorgeht, dass das Auftreten der Corona-Pandemie und die zu ihrer Eindämmung getroffenen Maßnahmen vermehrt zu Stress, Angst, depressiven Symptomen, Schlafproblemen, Reizbarkeit, Aggression und häuslicher Gewalt geführt haben. Geschlechtsspezifische Stereotype und eine stärkere psychische Belastung von Frauen zeichneten sich ab. Daher haben die Gleichstellungsbeauftragten die Idee ihrer Kollegin Christiane Hartmann aus Langenhagen aufgegriffen, am Weltfrauentag eine Online-Veranstaltung zum Thema Resilienz anzubieten. Silke Steffen-Beck aus der Wedemark konnte Edith Ahrmann, Heilpraktikerin, Gesprächs- und Traumatherapeutin, Geschäftsführerin im Frauen- und MädchenGesundheitsZentrum Region Hannover gewinnen. „Unsere Widerstandskraft, Resilienz, hilft uns dabei, täglichen Herausforderungen jeden Tag auf das Neue gewachsen zu sein. Resilienz beschreibt unsere Stärke mit Krisensituationen umzugehen“, sind sich Steffen-Beck, Hartmann und Sassenburg-Fröhlich einig. Was man selbst tun kann, um seine Widerstandsfähigkeit zu stärken, ist eine zentrale Fragestellung, der im Online-Vortrag am 8. März von 18 bis 20 Uhr nachgegangen wird.Teilnehmen können aus technischen Gründen maximal 45 Frauen aus der Wedemark, Langenhagen und Isernhagen. Eine schriftliche Anmeldung mit Angabe des Namens und der Anschrift ist bis zum 4. März über Email, auch zur Zusendung der Bestätigung sowie der Zugangsdaten, erforderlich an
gleichstellung@langenhagen.de (Christiane Hartmann, Telefon (05 11)7307 9203), Gleichstellungsbeauftragte@Isernhagen.de (Irene Sassenburg-Fröhlich, Telefon (05 11) 61 53 10 08) oder Gleichstellungsbeauftragte@Wedemark.de (Silke Steffen-Beck, Telefon (0 51 30) 58 12 48). Die Gleichstellungsbeauftragten hoffen sehr, so den Frauentag nutzen zu können, um Hilfestellung zu geben, sich besser im Alltag zurechtzufinden. Sollte die Nachfrage größer sein, als Plätze für den Online-Vortrag zur Verfügung stehen, wird es für die Organisatorinnen ein großer Ansporn sein, zeitnah eine Folgeveranstaltung anzubieten, versichern Steffen-Beck, Hartmann und Sassenburg-Fröhlich.