Das Erzbergwerk Brelinger Berg

Anteilschein Eisenerzbergwerk Brelinger Berg (Quelle: Hanseatisches Sammlerkontor für Historische Wertpapiere, Wolfenbüttel)
 
Die Position der Eisenerzlagerstätte am Brelinger Berg (Quelle: Bergamt-Archiv Clausthal)
Oegenbostel. Als im Zuge der vorletzten Eiszeit, der Saaleeiszeit, ein gewaltiger Gletscher vor rund 150.000 Jahren Geröll, Steine und Sand in unsere Gegend transportiert hat und der Brelinger Berg als Endmoräne zurückblieb, enthielt der an seiner Nordseite auch Eisen- und Manganerze. Interessant wurde dieses Rohstoffvorkommen, als das Deutsche Reich seine Erzlagerstätten in Lothringen am Ende des Ersten Weltkrieges mit dem Versailler Vertrag verloren hatte und neue gesucht wurden. Deshalb ist damals auch das am Brelinger Berg befindliche Vorkommen auf Abbauwürdigkeit untersucht worden. Angedacht war, für den Rohstoffabbau ein ´Erzbergwerk Brelinger Berg´ zu gründen. Dafür waren auch schon Anteilscheine vorbereitet, die als Miteigentumsanteile ausgegeben werden sollten.
Anfang der 1920er Jahre ist von Ibsingen bis Oegenbostel parallel zur Oegenbosteler Straße und dann nach Südosten abknickend am Brelinger Berg im Wald auf rund 3,5 km Länge und rund 1 km Breite eine Fläche von rund 21 ha abgesteckt worden, auf welcher der Abbau der hier mit einer Mächtigkeit von rund 1 m vorkommenden Erze erwogen wurde. Wo es möglich war, sollte wohl mit einem dampfmaschinenbetriebenen Bagger im Tagebau abgebaut werden und in tieferen Schichten mittels Stollen. Bei einem Gewicht von etwa 2,5 t pro cbm Eisenerz ging es um ein Rohstoffvorkommen von über 500.000 t, die hier hätten abgebaut werden können.
Das Erzvorkommen, eine sogenannte Eisenerz-Trümmerlagerstätte von Brauneisenerz, das mit Eisenerzgeröllen durchsetzt ist, liegt hier unter einer mindestens 2 m mächtigen Deckschicht. Mit 53% Eisen- und 6,8% Mangananteil gibt es ansehnliche Qualitäten, mit denen das Vorkommen damals grundsätzlich als abbauwürdig eingeschätzt wurde. Zum Vergleich: Die ab den 1930er Jahren bis in die 1980er Jahre in der größten deutschen Lagerstätte im Salzgittergebiet abgebauten Eisenerze hatten mit gerade einmal 35% bis 40% einen erheblich geringeren Eisengehalt.
Das Erz des Brelinger Berges sollte damals mit Feldbahnloren zum nahegelegenen Bahnhof Elze/Bennemühlen transportiert und dort auf Bahnwaggons umgeladen werden, die es dann zu Verhüttungsbetrieben an Rhein und Ruhr bringen sollten. Wenn beispielsweise ein mit 50 t beladener Lorenzug täglich 2 Fuhren zum Bahnhof gebracht hätte, wäre das gesamte Vorkommen über rund 20 Jahre verteilt ausgebeutet worden.
Die Betreiber des sich über mehrere Jahre hinziehenden Vorhabens wechselten im Laufe der Zeit. 1921 tritt eine Kommanditgesellschaft W. Schwien auf, 1922 Friedrich Hirsch, Conrad Decking, E. Carthaus und A. Graul, während 1927 die Niedersächsische Erz- und Erdölhandelsgesellschaft m.b.H. genannt wird.
Nachdem das Deutsche Reich seinen mit dem Versailler Vertrag auferlegten Reparationsverpflichtungen 1922 nicht termingerecht nachgekommen war und Franzosen und Belgier deswegen Mitte Januar 1923 das Ruhrgebiet besetzt haben, spannte sich die Rohstoffsituation bei Kohle und Eisen im Deuten Reich stark an. Damit rückte u.a. das Erzvorkommen am Brelinger Berg in den Fokus.
Ohne das Einverständnis der von dem Abbauvorhaben betroffenen neun Grundbesitzer waren bereits Bäume gefällt und Erkundungsbohrungen in Gestalt sogenannter Schürfschächte in Gang gesetzt worden. Die waren rund drei Meter tief und hatten einen Durchmesser von 1,5 m. Von einer Sandgrube aus war auch schon ein Stollen in den Berg getrieben worden, der offenbar dem heimlichen Erzabbau diente.
Um dem Treiben, das mit den aufgebrachten Geschädigten nicht abgestimmt war, damals Einhalt zu gebieten, trafen die sich am 19.06.1923 zu einer Versammlung im Schmidtmann´schen Krug in Oegenbostel, um auszuloten, wie sie weiter vorgehen sollten. Es wurde eine Klage erwogen, in der sie den Raubbau auf ihren Flächen monierten. Außerdem sahen sie es als ihre Pflicht an, das Bergamt über den nicht gesicherten und insofern einsturzgefährdeten Stollen zu informieren. Den bis dahin eingetretenen Schaden bezifferten sie damals auf rund 1 Mio. Reichsmark – eine stolze Summe, die allerdings zu relativieren ist, da in Deutschland 1923 die Hyperinflation grassierte, die das Geld seinerzeit im Galopp entwertet hat. Auf heutige Verhältnisse umgerechnet wären das wenige hundert Euro gewesen.
Mit dem Ende der Ruhrgebietsbesetzung Mitte 1925 entspannte sich die Situation bei den Rohstoffen im Deutschen Reich wieder. Weil man hauptsächlich im Salzgittergebiet ergiebigere und insofern abbauwürdigere Erzvorkommen gefunden hatte, die Verhüttungsprozesse optimiert worden waren und auch die Importe zugenommen hatten, hat man das Vorhaben, Eisenerz am nördlichen Brelinger Berg abzubauen, schließlich wieder aufgegeben.
Wenn ein Leser weiteres Hintergrundwissen zu diesem Vorgang beisteuern kann, würden sich die Autoren über eine Kontaktaufnahme freuen.

Eckhard Martens, Negenborn und Oliver Bohm, Brelingen