Das WaterVention-Festival geht baden

Die Tänzer vor der Außenbühne trotzen dem Regen. Foto: S. Birkner

Festival überzeugt wirklich auf ganzer Linie – was fehlt, sind die Besucher

Mellendorf (sb). Verschwitzt vom Tanzen und Mitsingen die Konzerthalle verlassen. Nur kurz das T-Shirt abstreifen und mit einem gewagten Sprung ins kühle Nass eintauchen. Kurz abtrocknen, am Cocktailstand gleich die nächste kalte Erfrischung tanken und dann pünktlich zur nächsten Band wieder vor der Bühne stehen – was wie eine ziemlich illusorische Vorstellung klingt, hätte am vergangenen Wochenende in Mellendorf Wirklichkeit werden können.
Der Konjunktiv aber deutet es an: Einer organisatorischen Meisterleistung zum Trotz kann auch das zweite WaterVention-Festival nicht als voller Erfolg bezeichnet werden. Wie schon im letzten Jahr war es das regnerische Wetter, das dem Sommerevent besonders am Sonnabend einen Strich durch die Rechnung machte. Dabei war alles angerichtet für zwei traumhafte Tage rund um das Mellendorf Spaßbad-Gelände und die Eishalle. 30 Bands, darunter nationale Größen wie Jennifer Rostock oder Luxuslärm, rockten auf zwei Bühnen, während eine Reihe von DJs im M1 für feinste Disco-Stimmung sorgte. Mitmachaktionen vom Segway-Fahren bis zur Torwand boten Beschäftigung für Groß und Klein, Crêpes, Gegrilltes und süße Leckereien erfüllten auch gehobene kulinarische Ansprüche.
Warum also musste Headliner Jennifer Rostock vor vielleicht 400 Leuten auftreten, warum mussten sich die Wasserretter der DLRG phasenweise langweilen? An zu sparsamer Werbung und zu wenig Öffentlichkeitsarbeit kann es nicht gelegen haben. Von regionsweiter Plakatierung, einer hochprofessionellen Website und sogar einer eigenen iPhone App kann so manches größeres Festival nur träumen. Veranstalter und Investor Christian Fischer lässt deshalb nur einen Grund für die unbefriedigende Besucherzahl gelten: das schlechte Wetter. „Damit Familien Lust auf ein WaterVention-Wochenende bekommen, müssen Wetter und Prognosen schon ab Anfang der Woche blendend sein“, meinte er am Rande des Festivals. Ingo Haselbacher von der Sport und Freizeit GmbH forderte das selbstkritische Hinterfragen der Zielgruppenorientierung, pflichtete Fischer aber grundsätzlich bei. So lasse sich beispielsweise die musikalische Zusammenstellung des Line-Ups anzweifeln, nicht aber die Grundidee. „Wenn das Wetter auf ganzer Linie mitspielt, stoßen wir hier schnell an unsere Kapazitätsgrenze“, sagte Ingo Haselbacher.
Ob es trotz der unterm Strich enttäuschenden Besucherzahl und der damit verbundenen defizitären Gesamtbilanz eine dritte Auflage des WaterVentions geben wird, ließen Fischer und Haselbacher offen. Grundsätzlich sei bei der Etablierung neuer Fes-tivals einige Jahre lang mit negativen Bilanzen zu rechnen. „Dass die Grundidee WaterVention zum absoluten Erfolgskonzept werden kann, bezweifelt hier niemand“, meinte Fischer vielsagend und stellte damit indirekt eine weitere Auflage des größten Wedemärker Musikfestivals in Aussicht.