Dem Ruf gefolgt

Bürgermeister Tjark Bartels bereitet sich auf die Kandidatur für das Landratsamt Hameln-Pyrmont vor. (Foto: G. Gosewisch)

Tjark Bartels kandidiert in Hameln-Pyrmont

Mellendorf (gg/ok). Die parteipolitischen Fäden wurden in den vergangenen Wochen gezogen, nun ist es offiziell: Wedemarks Bürgermeister Tjark Bartels (SPD) ist Kandidat für das Landratsamt im Landkreis Hameln-Pyrmont. Auf Anfrage des Vorstands der dortigen SPD-Kreistagsfraktion soll Bartels die Nachfolge von Rüdiger Butte antreten, der vor wenigen Wochen auf tragische Weise ums Leben gekommen ist. Er wurde im Hamelner Kreishaus von einem geistig Verwirrten erschossen. Am 21. Juni wird in der SPD-Vollversammlung über die Kandidaten für das Landratsamt abgestimmt. Es wird damit gerechnet, dass die Empfehlung des Vorstandes wegweisend sein wird. Damit stellt sich Bartels der Volkswahl, die am selben Tag wie die Bundestagswahl stattfinden wird, am 22. September. Tjark Bartels kommentiert seine Entscheidung, der Anfrage des SPD-Vorstands Hameln-Pyrmont zu folgen, differenziert: „Natürlich bin ich Wedemärker mit Leib und Seele. Ein Abschied wäre schmerzlich, aber darin mischt sich Freude auf eine neue Herausforderung. Gesucht wurde ein kreativer Jurist, der das Potenzial hat, auch Visionen durchzusetzen. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich in dieses Suchprofil positiv eingeordnet wurde.“
SPD-Landtagsmitglied Ulrich Watermann, Sprecher für Inneres und Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, bestätigt: „Man schaut auf die Wedemark und sieht die gute Arbeit, die geleistet wurde. Die Sozialdemokraten pflegen bei Personalentscheidungen eine gute Mischung von außen und von innen, das würde mit Tjark Bartels gelingen.“ Auch der frühere Landrat Butte sei kein Hamelner gewesen. „Das hat sich als sehr gute Voraussetzung gezeigt. Aus den Reihen der sechs Bürgermeister im Landkreis den Landrat zu stellen, birgt Probleme. Man sagt, jeder bringt seinen Kirchturm mit in das Kreishaus“, erklärt Watermann.
Verständnis für Bartels' Zusage formuliert die erste Gemeinderätin Konstanze Beckedorf: „Eine solche Anfrage schiebt man nicht weg.“ Bereits informiert worden sind in einer Personalversammlung die Mitarbeiter der Verwaltung. „Neben großem Bedauern stellte sich Applaus als Anerkennung der bisher geleisteten Arbeit ein“, berichtet sie.
Im Fokus haben Caren Marks, hiesige Bundestagsabgeordnete und Helge Zychlinski, stellvertretender Bürgermeister und Regionsabgeordneter, die geleistete Arbeit der Verwaltung mit Tjark Bartels. „So wie er die Wedemark voran gebracht hat, wird er es auch in Hameln-Pyrmont tun“, sagt Zychlinski. „Die gute Arbeit ist über die Grenzen Wedemarks hinaus aufgefallen“, sagt Marks.
Naturgemäß anders beurteilt Rudi Ringe (CDU), Chef der zweitgrößten Fraktion, die Kandidatur von Tjark Bartels. "Ich sehe das relativ emotionslos. Es wird sicherlich auch andere Kandidaten geben, die in der Wedemark Bürgermeister werden wollen." Einen geeigneten christdemokratischen Bewerber habe er durchaus im Auge, so Ringe gegenüber dem Wedemark ECHO, aber nominiert werde erst nach der Bundestagswahl. Ingemar Becker, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, schätzt das Angebot für Bartels als "sehr attraktiv" ein, auch wenn die ganzen Umstände tragisch seien. In solch einem großen Landkreis könne er sich noch besser entfalten als in einer kleinen Gemeinde, das werde schon gut laufen. Er selbst bedauere die Entscheidung natürlich, seine Fraktion habe immer gut mit Bartels zusammengearbeitet. Ob die Grünen einen eigenen Kandidaten zur Bürgermeisterwahl nominierten, könne er noch nicht sagen: "Dazu ist alles noch zu frisch." Zu frisch offensichtlich auch für Patrick Cordes (WGW) und Clemens Strube (Linke). Die beiden wurden von der Nachricht überrascht und konnten nichts dazu sagen, ebenso Erik van der Vorm (FDP), der nicht erreichbar war.
Wenn Bartels gewählt wird, beträgt seine Amtszeit als Landrat acht Jahre. Erst mit der Wahl endet seine Verpflichtung als Wedemarks Bürgermeister und erst dann sollen Kandidaten für die Nachfolge gesucht werden. „Sicherlich führen Personalentscheidungen zu sensiblen Situationen“, meint Watermann. Um so wichtiger sei es, die erst zu treffen, wenn es an der Zeit ist, ergänzt Marks. Welcher Kandidat aufgestellt wird, um Bartels Nachfolge anzutreten sei daher absolut offen und werde erst getroffen, wenn die Wahl in Hameln-Pyrmont gelaufen ist. „Bis dahin ändert sich hier nichts“, erklärt Beckedorf.