Der CampusW sieht seine ersten Abiturienten

127 Abiturientinnen und Abiturienten nahmen am Sonnabend ihr Abschlusszeugnis entgegen. Sie bilden den ersten Jahrgang, der sein Reifezeugnis im neuen Schulzentrum erhielt. Foto: S. Birkner

Gymnasium Mellendorf verabschiedet 127 G8-Absolventen

Mellendorf (sb). Nach der Entlassung des außergewöhnlichen Doppeljahrgangs 2011 hatten viele erwartet, dass die Mellendorfer Abiturienten in diesem Jahr eher wieder zu den gewöhnlichen Absolventen zählen. Die feierliche Abiturentlassung am vergangenen Sonnabend verdeutliche das Gegenteil: Auch der Abiturjahrgang 2012 ist alles andere als normal. Nach der Umstellung auf die achtjährige Gymnasialzeit sind die insgesamt 127 jungen Erwachsenen die ersten echten G8-Absolventen. Sie sind auch die ersten, die ihr Reifezeugnis im neuen CampusW entgegennehmen durften. Da sich die Abrissarbeiten am alten Gebäude bis heute hinziehen, hatte der jetzige Abschlussjahrgang während seiner kompletten Oberstufenzeit mit Lärm und Unruhe zu kämpfen. Nicht zuletzt prägten fachliche Veränderungen das Lernen des Jahrgangs. Statt konkreter Themenschwerpunkte, wie sie noch 2011 vorgegeben waren, diente den diesjährigen Abiturienten lediglich ein dehnbares Kerncurriculum als Orientierung.
Weil Andreas Schmidt Ulrich Reuß nach dessen schwerer Erkrankung als Jahrgangsleiter ablösen musste, zählt auch eine erhebliche personelle Umstellung zur Liste der Außergewöhnlichkeiten.
Entsprechend zollten Schulleiterin Swantje Klapper und Gemeindebürgermeister Tjark Bartels dem Abschlussjahrgang gehörigen Respekt. Während die beiden von einem „besonderen Abitur“ sprachen, mahnte Klapper die Abgänger im gleichen Atemzug zu Ernsthaftigkeit. „Der Ruf unserer Schule liegt auch weiterhin in Ihren Händen“, sagte sie an die Abiturienten gewandt. Von nun an, meinte Bartels, böten sich „unendlich viele Möglichkeiten“, die es konstruktiv und verantwortungsvoll zu nutzen gelte.
Luisa Bogenschütz und Friedrich von Samson relativierten in ihrer Schülerrede charmant, aber bestimmt diese Erwartungshaltung. Sie dankten den Lehrern für das Bestreben, die Schüler gut auf das Abitur vorzubereiten. Gleichzeitig kritisierten sie aber den erheblichen Leistungsdruck, der zu häufig die menschliche Entwicklung gehemmt habe. Entsprechend optimistisch sahen die beiden der Zukunft entgegen, die durch geringeren Leistungsdruck größere Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung biete.
Vonseiten des Kollegiums wetterte Anna Grüßing in einer flammenden Rede gegen unsere „selbstgefälligen Spektakelgesellschaft“. Sie warb für die Auseinandersetzung mit der Kunst und Literatur, die erst das Tor zu „Möglichkeiten neben dem Sensationalismus“ öffneten. Die „Kraft des Lesens“ und der Kunst setzte einen „bewusstseinsschärfenden Selbstbefragungsprozess“ in Gang, dessen Ziel der Blick für eine „mehrdimensionale Realität“ sei. „Fangt nie an, aufzuhören – hört nie auf, anzufangen“, mahnte Grüßing am Ende ihrer Rede und brannte sich damit in die Köpfe ihrer Zuhörer ein.
18 der 127 Abiturienten vollbrachten das Kunststück eines Notendurchschnitts mit der Eins vor dem Komma. Am besten schnitt Bente Meyer ab, die nach nur sieben Jahren am Gymnasium einen Schnitt von 1,1 erreichte. Die weiteren Einserabiturienten sind Jan Horstmann (1,2), Luisa Bogenschütz (1,3), Johanna Bruns (1,4), Imke de Maeyer (1,4), Myriam Keymling (1,4), Sarah Koop (1,4), Bianca Buhs (1,5), Friedrich von Samson-Himmelstjerna (1,5), Tobias Marencke (1,6), Sabine Wippermann (1,6), Julia Struwe (1,7), Tobias Mühlbauer (1,7), Friederike Fröhlich (1,8), Charlotte Dase (1,9), Katja Kreutzer (1,9), Nina Weggen (1,9) und Benjamin Zimmer (1,9).