Der Film zum Geschichtsprojekt

Dennis Cartschau (links) und Fabio Rüdiger stellten auf Einladung der Gemeinde ihren Film zum Geschichtsprojekt „Die Wedemark von 1930 bis 1950“ bei einem Pressetermin vor. Foto: A. Wiese

Studenten erstellen Dokumentation zum wissenschaftlichen Arbeiten

Wedemark (awi). „Dorfgeschichte im regionalen Kontext“ heißt das Projekt an der Leibniz-Universität Hannover, das sich mit der Geschichte der Wedemark von 1930 bis 1950 auseinandergesetzt hat. Studierende des Historischen Seminars haben, anhand des Beispiels Wedemark, Archivarbeit geleistet, Datenbanken erstellt und Forschungen betrieben. Jetzt gibt es auch ein ein visuelles Highlight: Kommilitonen begleiteten die Aktionen mit der Kamera. Aus den Aufnahmen wurde ein Film geschnitten, der nicht nur ein Dokumentarfilm, sondern auch ein Lehrfilm zu wissenschaftlichem Arbeiten ist – zum Beispiel zur Archivierung oder Dokumentation. Filminterviews, unter anderem mit Bürgermeiste Helge Zychlinski, Projektkoordinator Franz Rainer Enste und Martin Stöber vom Institut für historische Regionalforschung, unterstützen den lebendigen Charakter der Dokumentation.
Die Studenten Dennis Cartschau und Fabio Rüdiger, der mittlerweile sein Studium abgeschlossen hat, führten jetzt den Film vor, erläuterten das „Making-of“ und die Hintergründe und stellten die Projektergebnisse vor. Bürgermeister Helge Zychlinski kündigte für den 3. Mai ein Symposium – notfalls digital, auf jeden Fall aber als Hybridveranstaltung – an, bei dem die neuesten Ergebnisse des Geschichtsprojektes, das die Geschichte der Wedemark von 1930 bis 1950 aufarbeitet, komprimiert vorgestellt werden sollen. Als Festredner für dieses Symposium avisierte der Bürgermeister HAZ-Chefredakteur Henrik Brandt. Anschließend soll dann die nächste Publikation erfolgen. „Uns fehlten noch Aussage zum demokratischen Neubeginn in der Nachkriegszeit in der Wedemark“, berichtete Martin Stöber. Die Studenten hätten sich daher vor allem mit den Kommunalwahlen 1946 befasst. Dass die Besatzungsmächte Bürgermeister einsetzten, wird am Beispiel von Willi Sprengel in Elze dargestellt. Wegen der Corona-Pandemie kamen die Studenten leider nicht so an die Dokumente in den Archiven heran, wie sie sich das gewünscht hätten, bedauert Stöber. Die Lesesäle in den Archiven sind geschlossen, die Anfragen werden nach Priorität abgearbeitet. Es gibt aber Erkenntnisse über die Parteien, die bei der ersten Kommunalwahl nach Kriegsende antraten und auch über die Ergebnisse der ersten Kreistagswahl in Mellendorf, bei der die SPD eine große Rolle gespielt habe, die CDU und einige Splitterparteien jedoch die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen konnten. Herausgekommen sei bei den Nachforschungen unter anderem auch, dass die sogenannte Mellendorf-Tafel, eine Holztafel, die 2017 über eine Kontaktperson an die Gemeinde übergeben worden war, und ein Haus mit zwei Pferden vor dem Pflug zeigt, doch nicht dem hiesigen Mellendorf zuzuordnen ist, denn das Haus war nicht auffindbar. Vielmehr handelt es sich bei der Tafel „zum Andenken an das Kommando 840 bei Mellendorf“ offensichtlich um ein Andenken an ein Mellendorf im heutigen Polen. Die Gemeinde gab die Holztafel daher mit Bedauern wieder zurück.
Und so gibt es noch viele weitere interessante Erkenntnisse, die bei den Nachforschungen zu Tage getreten sind und beim Symposium beziehungsweise in der nächsten Publikation präsentiert werden. „Wir haben uns bemüht, alle Opfergruppen zu beleuchten, konnten aber nicht allen gerecht werden“, bedauerte Martin Stöber. Weitergehende Forschungen hätten manchmal einen Aufwand erfordert, der nicht zu leisten gewesen sei. So sei Homosexualität ein Tabuthema in der damaligen Zeit gewesen und Sinti und Roma habe es offenbar in der Wedemark nicht gegeben. Ohne Namen könne man aber keine Nachforschungen anstellen. Der Lehrfilm der Studenten zum Projekt wird nach Klärung aller rechtlichen Fragen bei Youtube eingestellt, versicherten die Urheber Cartschau und Rüdiger, die ihr Werk auch für Schulen empfehlen. Die Grundidee eines Erklärvideos sei bei der Projektbegleitung sukzessive gewachsen.