Der Polizist von nebenan, den jeder kennt

Kommissariatsleiter Wolfgang Just überreichte Polizeioberkommissar Michael Gerlich im Beisein seiner Frau gestern die „Zur Ruhesetzungs-Urkunde“. Foto: B. Stache

Polizeioberkommissar Michael Gerlich in den verdienten Ruhestand verabschiedet

Mellendorf (awi). „Sehr umgänglich, immer freundlich, in der Sache sehr bestimmt, mit dem Ermittlungsziel im Focus ohne den menschlichen Faktor außen vor zu lassen“. So beschreibt Mellendorfs Kommissariatsleiter Wolfgang Just seinen Verkehrssachbearbeiter Michael Gerlich, dem er gestern in einer Feierstunde mit Freunden, Verwandten und Bekannten im Gasthaus Langehennig in Meitze die „Zur Ruhesetzungsurkunde“ überreichte. 62 Jahre alt ist der bekannte und beliebte Mellendorfer Polizist. Ab 15. November will er seiner Frau Bärbel im Büro der Reinigung mal unter die Arme greifen, sich mit Gartenarbeit fit halten und vor allem viel Rad fahren. Jeder seiner Kollegen gönnt ihm das, doch für das Mellendorfer Kommissariat ist das Ausscheiden des „Schutzmanns von nebenan“ ein Verlust. Eine „traumhafte“ Aufklärungsquote von rund 60 Prozent bei Unfallfluchten schreibt ihm sein Chef Just zu: „Michael Gerlich weiß, wen er fragen kann, ob da kürzlich eine Beule repariert worden ist.“ Er kennt jeden und jeder kennt ihn – so etwas ist für einen Polizisten von unschätzbarem Wert – wenn es auch mit sich bringt, dass auch nachts und am Wochenende mal das Telefon klingelt, wenn Polizei gebraucht wird. Doch das ist weniger geworden, seit das Mellendorfer Kommissariat 24 Stunden besetzt ist und vor allem seit Gerlich 1998 den Streifendienst quittiert hat und sich zum Kriminalen Ermittlungsdienst versetzen ließ. Doch da hatte er schon 20 Jahre Streifendienst hinter sich. Begonnen hat Gerlich seine berufliche Laufbahn mit einer Lehre als KFZ-Mechaniker 1966 bis 1969. Danach ging er von 1970 bis 1978 zum Bundesgrenzschutz als Kommandant im Wasserwerferzug und hatte dort unter anderem so Mammuteinsätze wie den Waldbrand bei Eschede zu bewältigen. 1978 entschied er sich zum Wechsel vom BGS zur Polizei und fing nach einem halben Jahre auf der Polizeischule in Wolfenbüttel als Hauptwachtmeister auf der Wache in Großburgwedel an. Doch er wohnte in der Wedemark und als die Polizeistation in Mellendorf im November 1978 um eine Stelle angehoben wurde, bewarb er sich um den Dienst in seinem Wohnort. Sieben Beamte waren es damals im alten Gebäude in der Ermlandstraße 5, erinnert sich Michael Gerlich. Manchmal machte er ganz alleine Dienst, insbesondere Sonnabend vormittags. An eine Geschichte kann er sich noch gut erinnern: „Ein einmotoriges Flugzeug hatte aus Spritmangel auf einer Wiese bei Meitze eine nicht genehmigte Außenlandung gemacht. Alles ging gut, der Pilot reparierte den kaputten Propeller, besorgte sich Sprit und bat mich, wieder starten zu dürfen. Das hab ich ihm natürlich erlaubt und korrekt wie ich war, darüber auch ein Fernschreiben abgesetzt. Ich wollte gerade Feierabend machen, als ich eine in höchstem Maße erregte Flugsicherung aus Braunschweig am Telefon hatte. Wie ich einem Flugzeug eine Startgenehmigung erteilen könnte, das dürften doch ausschließlich sie. Doch wie sollte ich als kleiner Schutzmann vom Lande das wissen?“ Es war eine schöne Zeit, erinnert sich Michael Gerlich, als man im Zuge der Ermittlungen bei den Bauern noch zu einem Wurstbrot eingeladen wurde und die Kontakte zur Bevölkerung noch viel enger waren. Doch es blieb nicht so beschaulich in Mellendorf. Die 1958 gegrünete Polizeistation wurde 1989 selbstständiges Polizeikommissariat B und war damit nicht mehr Burgwedel unterstellt. Damit wuchs die Zahl der Beamten und natürlich auch ihre Aufgaben. Mit seinem Wechsel zum KED wollte Michael Gerlich 1998 noch einmal in einen neuen Bereich reinschnuppern. Mit Leib und Seele sei er Polizist, liebe seinen Beruf, den Kontakt mit Menschen, die Möglichkeit, ihnen helfen zu können und täglich etwas Neues zu erleben. Allerdings war auch manches Schwere dabei, will der ausscheidende Gesetzeshüter nicht verhehlen. Er würde sich immer wieder für diesen Beruf entscheiden, sagt er ernst, wenn es auch aus seiner Sicht ein Fehler gewesen sei, den mittleren Dienst abzuschaffen.
Gerlichs Dank gilt seiner Frau Bärbel und seinem Sohn, der sich übrigens für die Bundespolizei entschieden hat, dafür, dass sie ihm zu jeder Zeit den Rücken frei gehalten haben.