Diamantene Hochzeit: „Ein absoluter Volltreffer“

Ein strahlendes diamantenes Hochzeitspaar Erika und Hans-Günther Lübke mit den Gratulanten Pastor Thomas Hirschberg und Ortsbürgermeister Rudi Ringe. Foto: A. Wiese

Erika und Hans-Günther Lübke aus Gailhof sind seit 60 Jahren glücklich verheiratet

Gailhof (awi). „Meine Frau war ein absoluter Volltreffer. Ich würde sie jederzeit wieder heiraten“, sagt Hans-Günther Lübke (89) über seine Frau Erika (80). Am Mittwoch feierte das Paar, das seit knapp zehn Jahren gemeinsam mit Tochter und Schwiegersohn im Doppelhaus in Gailhof lebt, das Fest der diamantenen Hochzeit. Aus Altersgründen entschied sich das Paar damals nach 50 Jahren dem Dorf im Lippischen den Rücken zu kehren und im Oktober 2001 neu anzufangen. Kein leichter Schritt für den Dorfschullehrer, Schulleiter, Standesbeamten, Organisten und Kirchenchorleiter und seine Frau, aber einen, den sie nicht bereut haben. Sie haben sich in Gailhof wunderbar eingelebt, über den Bürgerverein Anschluss an andere Senioren gefunden und der begeisterte Hobbyfotograf findet in Gailhof und Umgebung so viele lohnenswerte Fotomotive, dass er bereits zum zweiten Mal einen Gailhofer Fotokalender mit netten Untertiteln herausgebracht hat. Geboren und aufgewachsen ist Hans-Günther Lübke in einem lippischen Heidedorf hinter dem Teutoburger Wald. Später wurde er erst Lehrer, dann Schulleiter an der kleinen Dorfschle in Lippe und übernahm dort wie das früher so üblich war, diverse Ämter: Er war Standesbeamter, Organist und Kirchenchorleiter. Im Kirchenchor entdeckte er – damals 26-jährig – die 17-jährige Erika. „Sie war lieb, fleißig, freundlich und sehr musikalisch. Es waren etwa 40 Sängerinnen im Kirchenchor, doch diese Erika hatte es mir besonders angetan“, schwärmt der heute 89-Jährige, doch er habe sich zunächst nicht getraut, seiner Traumfrau seine Zuneigung zu gestehen. Erst als deren einjährige Hauswirtschaftslehre 1949 zu Ende war und sie zurück zu ihren Eltern und Geschwistern nach Dankersen bei Minden zurück gekehrt war, schrieb ihr der Organist und Chorleiter einen Brief und bat sie um ein Treffen. Erika war in Tilsit in Ostpreußen geboren und aufgewachsen und durch die Kriegswirren mit ihrer Familie nach Dankersen verschlagen worden. Erika konnte ihre in Ostpreußen auf dem Gymnasium begonnene Schullaufbahn nicht fortsetzen, machte die mittlere Reiife und dann zunächst eine Lehre als Apothekenhelferin und dann in der Hauswirtschaft. Als sie den Brief ihres Kirchenchorleiters bekam, war sie sofort zum Treffen bereit. Als Treffpunkt habe man den Bahnhof von Porta ausgemacht, berichtet Hans-Günther Lübke. Doch dann hatte er eine Motorradpanne. „Da habe ich von einer Telefonzelle aus am Bahnhof angerufen und den Stationsvorsteher gebeten, nach einer wartenden jungen Frau Ausschau zu halten und ihr zu sagen, dass der, auf den sie warte, eine Motorradpanne habe und erst in die Werkstatt müsse“, erinnert sich Lübke. Er sei dann davon ausgegangen, dass sie nach Hause fahren würde und habe sich auf den Weg nach Dankersen zu ihren Eltern gemacht. Doch die waren hoch erstaunt, als er eintraf, und Erika stand immer noch brav am Bahnhof und wartete. Doch ihre Zwillingsschwester fuhr hin, um sie zu holen und alles nahm trotz der Irrungen und Wirrungen noch ein gutes Ende. Das Paar verlobte sich am 6. August 1950 und heiratete am 3. August 1951 in Dankersen. Danach lebten sie über 50 Jahre glücklich im lippischen Dorf Donop, wohnten im Lehrerhaus und bekamen vier Kinder. Nicht nur Freude, auch Leid schweißte Erika und Hans-Günther Lübke fest zusammen, denn zwei ihrer Kinder verunglückten innerhalb von zwei Jahren mit Anfang 20 tödlich bei Verkehrsunfällen. Die Musik hat auch heute noch einen hohen Stellenwert für beide. Und so setzte sich Hans-Günther Lübke auch am Mittwoch an die Heimorgel und stimmte gemeinsam mit seinen Gästen, zu denen neben dem stellvertretenden Bürgermeister Helge Zychlinski und Ortsbürgermeister Rudi Ringe auch Pastor Thomas Hirschberg zählte, „Lobe den Herren“ an.